Zu viele Baustellen
Telekom scheut das Ausland

Die Deutsche Telekom verzichtet vorerst auf eine Expansion in die lukrativen Schwellenländer. „Wir wollen uns zunächst in Märkten verstärken, in denen wir bereits präsent sind“, sagte Konzernchef René Obermann dem Handelsblatt. Dass er den Sprung über die Grenze meidet, hat mit der derzeitigen Verfassung des Unternehmens zu tun.

DÜSSELDORF. Wenn Obermann investieren will, dann in benachbarte Märkte, weil auch dies Größenvorteile biete, wie er sagte. In Länder mit schwach ausgeprägter Telekom-Infrastruktur will er in den nächsten Jahren dagegen nicht expandieren.

Damit dämpft der Telekom-Chef Hoffnungen auf einen neuen Wachstumspfad für den Bonner Konzern. Anfang März hatte Obermann bei der Präsentation seiner neuen Strategie noch angekündigt, im Mobilfunk auch in Ländern außerhalb der OECD wachsen zu wollen. Experten hatten dies als Hinweis gedeutet, dass die Telekom sich ähnlich wie die ausländischen Wettbewerber in den wachstumsstarken Schwellenländern engagieren will.

Der britische Gigant Vodafone hat im Februar für 13 Mrd. Dollar den indischen Mobilfunkanbieter Hutchison Essar gekauft. France Télécom engagiert sich in ehemaligen Kolonien wie Zentralafrika. Die spanische Telefónica ist stark in Lateinamerika vertreten und kann dadurch Probleme im Heimatmarkt kompensieren.

Mit seiner Strategie geht Obermann im Vergleich zu den Konkurrenten in die Defensive. Die meisten Mobilfunkmärkte Europas sind gesättigt. Wachstum ist in diesen Märkten nur noch schwer zu erzielen. Der Telekom-Chef begründet seine abwartende Haltung mit den zahlreichen Baustellen des Konzerns. "Wir haben nicht die Kapazitäten, alles parallel zu machen. Dabei würden wir uns verzetteln", sagte er.

Die Telekom hat unter Obermanns Führung damit begonnen, Randbereiche wie die Internet-Tochter Yacom in Spanien und Immobilien in Deutschland zu verkaufen. Probleme bereitet dem Konzern-Chef aber vor allem das Inland. Das klassische Festnetz steht kurz vor dem Aus. Hier erwartet Obermann in den kommenden Jahren Milliardeneinbußen beim Umsatz. Auf dem DSL-Markt und auf dem Mobilfunkmarkt geraten die Margen unter Druck.

Zudem streiken seit fast fünf Wochen mehrere tausend Telekom-Mitarbeiter aus Protest gegen die geplante Ausgliederung von 50 000 Servicemitarbeitern. Gestern kündigte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi allerdings an, dass sie wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren werde.

Seite 1:

Telekom scheut das Ausland

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%