Zuckerbergs Video-Pläne: Facebooks mächtige Videooffensive

Zuckerbergs Video-Pläne
Facebook TV geht auf Sendung

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Facebooks mächtige Videooffensive

Auch Caja Thimm, Professorin für Medienwissenschaft an der Universität Bonn, ist von dem Schritt nicht überrascht: „Die Plattform verliert an wichtiger Zielgruppe und muss bisher Fremdinhalte wie Youtube einbinden. Da war klar, dass Facebook da langfristig mehr braucht.“

Die Plattform funktioniere nach dem „Walled-Garden-Prinzip“, so Thimm: „Das muss man sich wie einen Garten vorstellen, in dem Facebook immer neue Blümchen pflanzt, damit sich der Nutzer möglichst lange darin aufhält. Strategie sei es, eine Art unsichtbare Mauer zu bauen, damit keiner diesen Garten verlasse. „Proprietäre Systeme funktionieren so, um die Konkurrenz fern zu halten. Facebook versucht es mit mehr und mehr Angeboten.“ Eine höhere Verweildauer verspreche mehr Klicks: „Das ist die wichtigste Einheit für Facebook.“

Im Eiltempo hatte der Konzern in den vergangenen Wochen verschiedene Personalien entschieden. Mit Tamara Hrivnak verpflichtete Zuckerberg Ende Januar eine renommierte Anwältin für Musiklizenzrecht, die vorher bei Youtube und Google Play die Abteilung für Musikpartnerschaften geleitet hatte. Wie am Dienstag bekannt wurde, soll Facebook mit verschiedenen Musiklabels über Lizenzvergaben verhandeln und an einem System zur Sicherung von Urheberrechten arbeiten. Ziel sei es, so Medienberichte, dass Nutzer zukünftig ihre Videos mit Musik unterlegen können und auch die Labels selbst Videos auf der Plattform veröffentlichen können. Facebook könnte sich mit seiner TV-App zu einer Art MTV der Set-Top-Boxen entwickeln. Mit der Option zur Musikuntermalung dürfte zudem die Anzahl der Nutzervideos kräftig steigen.

Ein Hinweis auf eine weitere Funktionsweise der neuen App offenbart die Einstellung der TV-Journalistin Campbell Brown als Chefin für Medienpartnerschaften Anfang des Jahres. Brown arbeitete als NBC-Reporterin und hatte lange Jahre eine eigene Show auf CNN. Viele sahen ihre Einstellung als ein Zeichen für Facebooks Kampf gegen falsche Nachrichten. Nun zeigt sich: Browns Einstellung könnte auch in direkter Verbindung zur Entwicklung der TV-App stehen.

Schließlich bringt sie nicht nur das nötige Know-how mit, sondern auch wichtige Kontakte. Für Fernsehsender, aber auch andere Medienunternehmen könnte auch die TV-App zu einem weiteren Kanal werden. Schließlich nimmt die Bereitschaft für und Nutzung von Internet-Fernsehen in den vergangenen Jahren zu. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob dem klassischen Fernsehen eine ähnliche Disruption wie den Printmedien bevorstehen könnte. Ein Kanal wie die TV-App von Facebook kann da neue Vertriebswege und Zielgruppen erschließen.

Auch Facebook würde davon profitieren: Starke Medienmarken versprechen Relevanz. Davon ist auch Medienforscher Buggert überzeugend: „Die qualitativ hochwertigen Inhalte erzeugen Glaubwürdigkeit und machen Facebook als Plattform interessant.“ Facebook professionalisiere sich zunehmend als Kurator für Medieninhalte, so Buggert.

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  • Immer häufiger etablieren sich global wirksame monopolistische Strukturen, egal ob bei google, ebay, amazon oder facebook. Insb. wenn es dann noch um Meinungen geht wird die Sache extrem brenzlig, aber es scheint nicht wirklich jemanden zu interessieren, insb. in der Politik. Da wird lieber gegen kritische Mitbürger vorgegangen. Brave New World.

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