Zukauf für 3,2 Milliarden Dollar
Was Google mit Rauchmeldern vorhat

Das Internet ist nicht genug: Google setzt auf das vernetzte Haus und kauft das Start-up Nest, einen Anbieter intelligenter Heizthermostate und Rauchmelder. Warum interessiert sich der Konzern für angekohltes Toastbrot?
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DüsseldorfGoogle und Heizthermostate? Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Der Internetkonzern kauft das Start-up Nest, das intelligente Heizungssteuerungen und Feuermelder herstellt. Dafür investiert er 3,2 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro). Es handelt sich um die zweitgrößte Übernahme der Google-Geschichte, nur für Motorola gab der Konzern mehr aus. Die gekaufte Firma ist gerade einmal drei Jahre alt, Google hatte bereits das rasante Wachstum in zwei Finanzierungsrunden unterstützt.

Aber was will der Suchmaschinen-Riese mit einem Hersteller von Haushaltsgeräten? Einige Antworten.

Zugang zum vernetzten Haus

Google versucht schon seit einer Weile, seine Dienste im Alltag unverzichtbar zu machen, auch wenn es nicht um die Suche im Internet geht. Viele Schlagzeilen machen das autonom fahrende Auto und die Datenbrille Google Glass, auf der Elektronikmesse CES stellte der Konzern jüngst außerdem eine Partnerschaft mit großen Autoherstellern vor. Doch genauso versucht der Konzern, sich im vernetzten Haus einzunisten.

So präsentierte er im Mai 2011 das Projekt „Android@Home“, eine Art Technologie-Baukasten, mit dem Entwickler Anwendungen fürs intelligente Haus programmieren können. Das Smartphone soll zur Fernbedienung für Licht, Alarmanlage und Musik werden. Danach war von dem Projekt indes nicht mehr viel zu hören. Kürzlich sickerte außerdem durch, dass Google eine App zur Steuerung von Heizungen namens EnergySense entwickelt. Mit Google TV arbeitet das Unternehmen überdies an einem Betriebssystem für Fernseher, das bislang allerdings mäßigen Erfolg hat.

„Google will als Rückgrat deines Haushaltes daran beteiligt sein, wie du Energie verbrauchst oder Inhalte wie Musik konsumierst“, erklärte der Analyst Pat Moorhead von Moor Insights and Strategy gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Übernahme von Nest könnte diesem Ambitionen einen neuen Schub verleihen. Das Start-up hat noch keine Verkaufszahlen kommuniziert, sorgt aber in der Technologiebranche für viel Aufmerksamkeit. Es verleihe „einem langweiligen Thema wie der heimischen Wärmeregulierung Sexiness und Ästhetik“, merkt der Blogger Martin Weigert auf netzwertig.com an. Jetzt geht es darum, schnell zu expandieren. Google biete als Mutterkonzern die Möglichkeit, schnell die nötige Infrastruktur auszubauen, sagte Fadell nach der Ankündigung dem Technologieblog Recode – beispielsweise für den Vertrieb. Das kostet Geld.

„Die Automatisierung von Haushalten ist eine der größten Geschäftsmöglichkeiten, wenn man vom allgegenwärtigen Internet redet, das alles verbinden wird“, erklärte Wedbush-Analyst Shyam Patil gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Mit der Übernahme unternehme Google einen großen Schritt in dieser Strategie. „Nest Labs scheint zwar auf Thermostate und Feuermelder fokussiert zu sein, aber es ist nicht abwegig, dass Google diese Technologie mit der Zeit auf andere Geräte überträgt.“

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Kommentare zu " Zukauf für 3,2 Milliarden Dollar: Was Google mit Rauchmeldern vorhat"

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  • Das Problem ist, dass unsere Jugend heute schon, total Spyphon und Fratzenbook verseucht, gar nicht mehr ohne den ganzen elektronischen Müll klar kommt.
    Geschweige denn darin eine potentielle Bedrohung sieht. Standartantwort: „... sollen sie doch. Ich habe doch nichts zu verbergen“.

    Die werden das begeistert aufnehmen und sich freuen, dass sie den Herd von Malle aus an- und ausstellen können. Darauf dann ein Essen zu kochen ist, mal ganz abgesehen von der Frage der Befähigung, natürlich total uncool.

    Schließlich hat man dafür ja die nächste Pizza – App.

    Aber wie sagte mal sinngemäß ein schlauer Mensch: „Das Problem sitz immer vor dem Gerät“

  • Die Rauchmelder interessieren mich eigentlich weniger.
    Bei solchen Meldungen schaue ich meistens mal wieder auf den ganzen Konzern. Und warum diese sich zu so einem Monopolisten entwickeln konnte.
    Die Antwort ist immer gleich - weil er es kann.
    Warum kann er das? Weil er sich konsequent am Nutzer ausrichtet, hier gezielt Mehrwerte schafft und sich so ein Portfolio sichert, wovon auch Banken nur noch träumen können.
    Bleibt trotzdem die Frage, warum bekommt Europa/Deutschland sowas nicht hin und muss sich die Datensammlungen von einem anderen Kontinent holen?
    Ist europäisches Neuland wirklich so unerforscht?

  • Mann, Mann...

    Da ist nicht mehr wie früher, wo man selbst was entscheiden konnte. Da kommt z.B. die Feuerversicherung: Rauchmelder einbauen, oder mehr zahlen. Da kommt die Feuerwehr mit hilfreicher Beratung. In Wohnungen kommt der Vermieter und baut solche Dinger ein. Da werden lustige Gewinnspiele angeboten, natürlich nur, wenn der neue Rauchmelder angegeben werden kann. Schließlich kommt eine Verordnung mit Bußgeld.

    Früher soll es mal Häuser gegeben haben ohne Briefkästen und ohne Hausnummern.. jaja.

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