Zukauf OTE-Anteile
Athen drängt Telekom ein Sorgenkind auf

Noch vor wenigen Wochen wollte die Telekom ihre griechische Tochter OTE am liebsten loswerden. Nun kauft sie weitere Anteile hinzu - und steht nach dem Rückzug des griechischen Staates voll in der Verantwortung.
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Düsseldorf/Bonn/AthenDie griechische Regierung macht überraschend schnell ernst mit der Privatisierung von Staatsbesitz und verkauft der Deutschen Telekom zehn Prozent ihrer Aktien an OTE. Für das Aktienpaket an der griechischen Telefongesellschaft zahle die Telekom rund 400 Millionen Euro, teilte der Bonner Konzern am Montag. Athen besaß eine sogenannte Put-Option und konnte der Telekom den Anteil jederzeit verkaufen. Damit hält die Telekom 40 Prozent an OTE.

Bereits am Donnerstag hatten griechische Zeitungen über den Deal berichtet, nannten damals allerdings einen Kaufpreis von 411 Millionen Euro.

Die Verhandlungen kommen für die Telekom zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Aufgrund der Wirtschaftkrise kämpft OTE mit Umsatzrückgängen - allein im ersten Quartal sanken die Erlöse um zehn Prozent.

Die Athener Regierung steht unter wachsendem Zeitdruck. Ministerpräsident Papandreou will am 23. Juni nicht mit leeren Händen zum EU-Gipfel fahren, wenn die neuen Griechenland-Hilfen auf der Tagesordnung stehen. Bis dahin muss Papandreou die neuen Sparmaßnahmen und das Privatisierungsprogramm durchs Athener Parlament bringen.

Die Telekom steht vor weitreichenderen Entscheidungen. Denn mit dem Komplettverkauf verliert die griechische Regierung ihr Vetorecht. Und damit ist die Telekom allein für die Zukunft und das Schicksal der griechischen Tochter verantwortlich.

Genau das bereitet den Telekom-Vorständen nun Probleme. Denn einerseits würden sie sich von dem Engagement an der Ägäis lieber heute als morgen trennen. Andererseits ist das aber praktisch unmöglich - denn die OTE ist, wenn überhaupt, nur mit einem Milliardenverlust zu verkaufen. Hinter den Kulissen hat nun ein zähes Ringen darüber begonnen, ob das Management vielleicht doch nicht umhinkommt, das griechische Unternehmen mit harten Eingriffen gründlich zu sanieren, gesundzuschrumpfen - und so die Margen zu erhöhen.

Doch auch das ist schwierig. "Der Vorstand fürchtet sich, weil alle glauben, demnächst greift die Telekom mit drastischen Personalkürzungen richtig durch", sagt ein Telekom-Manager. Dafür aber würden sie in Griechenland heftig kritisiert. Die griechische Regierung, so die Befürchtung, werde sich bei drastischen Sparmaßnahmen sicherlich nicht vornehm zurückhalten - Vetorecht hin oder her. Zumal Einsparungen im Personalbereich ohnehin sehr schwierig sind. Die OTE hat einen hohen Anteil an Beamten - und ist von starken Gewerkschaften beherrscht.

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  • Ich denke Deutsche Firmen mit Hakenkreuzen in direkter Verbindung (Unter dem T-Shirt steht ausserdem "Hi" und dann etwas, was wie Hitler aussieht. Will mich da aber nich versteigen, weil das auch wat komplett anderes sein könnte, auf griechisch, wat ich nich verstehe) und ausserdem die Siegessäule mit Hakenkreuz in der Hand sprechen eine deutliche Sprache.

    In dem Fall ist auch nicht so wichtig, wie genau das gemeint gewesen sein soll, sondern einfach nur, dass es unangebracht ist.

    Klar, der im Focus veröffentlichte Artikel war auch schon unangebracht, aber diese Art "Antwort" sprengt den Rahmen.

    An für sich hab ich nichtmal nen Problem, dass die Griechen sich gegen die Schmuddelpresse hier zur Wehr setzen, schließlich beruht "unser" Reichtum eigentl. großteils auf Ausnahme der anderen EU-Länder.
    Nur so zu antworten, kann einfach nicht angehen.

    Grüße

  • Aus den geschönten Bilanzen der Deutschen Telekom AG habe ich diese Information sicherlich nicht. Wenn die Staatsanwaltschaft genauer hinschauen würde, wäre diese Information auch schon Publik.
    Ich kann Ihnen gerne noch weitere deutsche Unternehmen nennen die diese Tatik verfolgen.

  • Wo haben Sie die Informationen her, dass die Deutsche Telekom AG satte Verluste (Aquise im Jahr 2k8) gefahren hat? Das man in Bonn mit "ordentlich" Wachstum seitens OTE gerechnet hat, ist wohl logisch - oder wie würden Sie M&A- technisch tätig werden?!

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