Zukunft von Google Glass getrübt
Die große Pleite im Silicon Valley

Google Glass galt als Prestigeobjekt des Silicon Valley – jetzt schweigt der Internetriese lieber über die Pläne mit der Superbrille. Vom Marktstart scheint Google Glass weit entfernt zu sein.
  • 4

San FranciscoFür die einen ist es die Inkarnation der Zukunft schlechthin. Für die anderen das schlechteste Produkt, das sie je gesehen haben, Symbol für den Verlust der Privatsphäre und Beweis dafür, dass das Silicon Valley endgültig den Bezug zur Realität verloren hat. Für Google war ist es ein Prestigeprodukt. Die Rede ist von der Datenbrille Google Glass. Nach fast zwei Jahren Hype und hinhaltenden Versprechungen scheint der Lack des Ungewöhnlichen ab.

Die Vorschusslorbeeren des unfehlbaren Innovators Google sind verwelkt. Die eigentlich für 2014 geplante breite Markteinführung ist praktisch geplatzt. Irgendwann 2015 ist jetzt das Ziel. E-Mail-Anfragen werden nicht beantwortet. Chris O’Neill, operativer Chef bei Google Glass, erwähnt gegenüber Reuters, man „arbeite unverändert an einem Start in den Konsumentenmarkt.“ Aber das brauche Zeit und man werde nicht starten, bevor das „Produkt absolut fertig sei.“

Bis dahin ist Funkstille angesagt. Auf der diesjährigen Hausmesse Google I/O war sie bei den Keynotes kein Thema und keiner der Google-Redner setzte sie auf der Bühne auf. Alles dreht sich jetzt um Smartwatches. Das Silicon Valley wartet auf Apples Watch, nicht mehr auf Googles Glass. Die Zeichen stehen auf Sturm für den Internet- und Service-Giganten Google. Es droht nach dem desaströsen Ausflug in die Smartphonebranche mit Motorola und dem Rohrkrepierer Google TV der nächste Flop in der Hardware-Welt. Dabei hätte Google Glass die kommende Computing-Plattform werden sollen. Das Smartphone vor dem Auge, Bedienung ohne Hände, alle Dienste in der (Google-)Cloud.

Doch wenn es ein Anzeichen für nachlassende Attraktivität gibt, dann ist es Ebay: Die Brille im technologischen Embryonalstadium, die neu 1.500 Dollar kostet und Daten wie E-Mails oder Textnachrichten auf die Netzhaut des Trägers projiziert, per Google Maps bequem den Weg weisen oder Wartungstechnikern Produktdetails und Reparaturanweisungen vor das Auge bringen soll, ist auf der Aktionsplattform gebraucht schon ab 560 Dollar aufwärts zu bekommen. Viele der Anzeigen trugen am Dienstag den Vermerk „kein Gebot“. Google selbst gibt keine Zahlen heraus über den bisherigen Verkauf.

Was heute auf Sergey’s Resterampe wieder abgestoßen wird, stellte Google-Mitgründer Sergey Brin 2012 mit einer pompösen Show vor. Fallschirmspringer landeten spektakulär auf dem Dach des Moscone Center in San Francisco, um Minuten später auf der Bühne der Hausmesse Google I/O zu stehen. Alles natürlich angeblich live und in bester Qualität gefilmt und auf die Großbildleinwand übertragen mit einer winzigen Kamera, versteckt in einem Brillengestell.

Kommentare zu " Zukunft von Google Glass getrübt: Die große Pleite im Silicon Valley"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sehr interessanter Hinweis. Ich frage mich wo ist die Grenze genau. Ich fühle diese Grenze, kann sie aber nur schwer definieren. Ich glaube auch, dass das grösste Problem ist. Dinge die ich, wir nicht benennen können machen uns wütend, weil wir der Sache ohnmächtig gegenüberstehen. Es würde mir und sicherlich auch viele anderen helfen diese fühlbare Grenze genauer zu definieren. Vielleicht können wir diesen Artikel mal zum Anlass nehmen. Danke für Eure Hilfe im vorraus.

    Michael Herzberg

  • Google hat einfach zuviel Geld - noch...
    Ansonsten ist so eine Brille vermutlich schon der feuchte Traum jedes pubertierenden Teenies: die geile Tussie in der Disco gleich mal abscannen... Abgleich mit allen Social-Media-Daten...aha, da haben wir schon ein Porträt samt Freundeskreis...oho, ihre Schwester ist ja die beste Freundin meiner Cousine...so kann man vielleicht am besten an sie rankommen...oh nein, unten im Kleingedruckten steht ja, dass sie momentan nur auf Mädels steht... :(

  • Das Ding braucht kein Mensch. Google Glasses wurde nur von der Journallie gehypt, weil es so schon crazy und Web 2.0 war.

    Über irgendwas muss man ja schreiben...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%