Zukunftsaussichten
SAP-Aktionäre vermissen eine Vision

Die Anteilseigner des weltgrößten Anbieters von Firmensoftware SAP sind unzufrieden. Sie zweifeln an den Zukunftsaussichten des Softwarekonzerns – und stehen mit dieser Meinung nicht allein dar. Doch SAP selbst will davon nichts wissen.

MANNHEIM. Die Worte sind eine klare Mahnung. „Der Kapitalmarkt schätzt die Wachstumsaussichten wesentlich kritischer ein. Dem kann der Vorstand nicht tatenlos zusehen“, diktierte Willi Bender, Sprecher der Schutzgemeinschaft deutscher Kapitalanleger (SdK), dem Management des weltgrößten Anbieters von Firmensoftware SAP am gestrigen Donnerstag bei der Hauptversammlung seine Kritik ins Stammbuch.

Bender sprach vielen Aktionären aus dem Herzen. Die Anteilseigner der Softwareschmiede sind unzufrieden. Sie zweifeln an den langfristigen Wachstumsaussichten. „SAP hält, was es verspricht. Das galt bislang, doch es gilt offensichtlich nicht mehr“, sagte Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Auch viele institutionelle Investoren zweifeln seit einiger Zeit an den SAP-Zukunftsaussichten, wie es der schwache Aktienkurs belegt. Es gebe Investoren, die fürchten, dass sich das Wachstum bei SAP abschwächen werde, hatte JP-Morgan-Analyst John Segrich vor einigen Wochen gewarnt. So ist nach Ansicht von Marktforschern etwa das Geschäft mit Software für Großunternehmen weitgehend gesättigt.

Davon will SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann nichts wissen. „Im traditionellen SAP-Kerngeschäft erwarten wir stabile, zweistellige Wachstumsraten“, versuchte er den Anteilseignern die Sorgen zu nehmen. Hinzu kämen neue Produkte und neue Vertriebsmodelle wie Software zum Mieten aus dem Internet für kleine Unternehmen.

Kagermann erneuerte das Ziel, bis 2010 die Zahl der Kunden von derzeit 38 000 auf 100 000 zu steigern. Dafür brauche SAP die mittelständische Klientel. „Ich bin überzeugt, dass SAP für die Zukunft sehr gut aufgestellt ist“, sagte Kagermann. Marktforscher bestätigen die Einschätzung des SAP-Managements grundsätzlich. So wird der Anteil von Firmensoftware aus dem Internet nach Meinung der Gartner-Gruppe von fünf Prozent 2005 auf 25 Prozent bis zum Jahr 2011 zulegen. Dennoch mögen die Anteilseigner nicht so recht an einen Erfolg SAPs mit der Mittelstandssoftware glauben. „Wie wollen Sie ihr Image verändern, SAP-Programme seien teuer und schwer zu installieren?“, fragte ein Aktionär.

Auch der Weggang des Technikvorstands und Kronprinzen Shai Agassi sorgte für Diskussion. Benner-Heinacher verlangte nach einer langfristigen Perspektive für den SAP-Vorstand. „Man liest, Ihr Vertriebschef Leo Apotheker sei nun der Kronprinz. Können Sie uns hierzu mehr sagen?“, fragte sie SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner. Doch der wollte sich dazu nicht äußern. „Ich habe in den vergangenen drei Jahren eines gelernt: Die Presse bekommt von mir keine Aussage mehr über einen möglichen Nachfolger“, sagte er.

Kleine Petitesse am Rande: Entgegen der ursprünglichen Planung musste SAP das Aktionärstreffen erneut im Mannheimer Congresscentrum Rosengarten in der Innenstadt abhalten. Die ursprüngliche avisierte und von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp errichtete SAP-Arena – ein Eishockeystadion – ist nach Aussage von Plattner „einfach nicht für eine HV gebaut worden“. Die Aktionäre, die im Verkehrschaos stecken blieben, konnte das allerdings nicht beruhigen. „Ich habe noch keine HV erlebt, die so schlecht organisiert war“, klagte ein Aktionär.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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