Zukunftsgeschäft
Trügt die Hoffnung auf „Online-Briefe“?

Aus dem bereits als gewaltiges Zukunftsgeschäft bejubelten „Online-Brief“ oder der „De-Mail“ droht ein Flop zu werden. Das meinen zumindest die Lobbyisten des herkömmlichen Briefs. Warum die Frankiermaschinenhersteller nicht mit einem schnellem Erfolg der geplanten rechtsverbindlichen E-Mail rechnen.

DÜSSELDORF. „Die vertriebliche Komponente des ,Online-Briefs‘ der Deutschen Post oder der ,De-Mail‘ der Deutschen Telekom wird völlig unterschätzt“, meinte Christoph Stehmann, Nordeuropa-Chef des US-Frankiermaschinenherstellers Pitney Bowes. Viele Unternehmen müssten erst überredet werden, ihr Verhalten für Dinge zu ändern, die eigentlich kein Problem seien, also beispielsweise Briefe maschinell zu kuvertieren und zu frankieren. Die Umsetzung der Online-Lösungen werde daher Jahre dauern, ist Stehmann überzeugt.

Gerade Postkonzerne, allen voran die Deutsche Post, erhoffen sich aber von solchen Mailsystemen, die den sicheren Austausch rechtsgültiger elektronischer Dokumente zwischen Bürgern, Behörden und Unternehmen ermöglichen, einen Ausgleich für das rückläufige klassische Briefgeschäft. Mit dessen hohen Gewinnen stützt beispielsweise die Deutsche Post bislang ihr schwaches Express- und Logistikgeschäft.

Die Deutsche Post will ab dem Jahr 2010 einen „vollkommen neuen Weg zum Versand von Briefen über das Internet“ anbieten, wie ein Post-Sprecher sagte. In den kommenden Wochen wolle die Post den Dienst intern im Testbetrieb prüfen. Um den Jahreswechsel soll ein öffentlicher Pilottest folgen. Geplant ist offenbar eine umfassende Portallösung, bei der mehrere Dienste zusammengefasst werden. Das neue Angebot läuft unter dem Titel „Online-Brief“.

Die Deutsche Telekom – gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium – arbeitet an „De-Mail“, „De“ steht für Deutschland. Die Bundesregierung setzt damit eine EU-Richtlinie um, nach der Behörden elektronische Kommunikation akzeptieren sollen. Ausdrückliches Ziel sind Einsparungen für die Wirtschaft, insbesondere bei den Portokosten. Das hat offenbar die Post alarmiert. Sie ist aus dem Konsortium ausgetreten, um rasch eine eigene Lösung zu konzipieren und will nun der Telekom zuvorkommen.

Andere wie die Schweizerische Post sind schon weiter. Sie sendet bereits auf Wunsch klassische Briefe digitalisiert in eine persönliche E-Mail-Box. Dabei wird der geschlossene Umschlag gescannt, in die Swiss Post Box gestellt und per E-Mail an den Kunden gesandt. Der entscheidet dann, ob der Brief geöffnet, „klassisch“ zugestellt oder weitergeleitet wird. Die Grundgebühr für die Box beträgt 14 Euro im Monat. In fünf Ländern war Startschuss, darunter Deutschland.

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