Zulauf bei SMS-Seminaren und Internet-Schulungen
Japans Hightech-Firmen werben um Senioren

Japans Unternehmen haben eine neue Zielgruppe entdeckt: die Senioren. Vor allem Hightech-Firmen warten verstärkt mit speziellen Angeboten für die ältere Generation auf.

Bloomberg TOKIO. In Japan sind rund 23 Millionen Menschen über 65. Das sind zwar „nur“ rund 18 % der Gesamtbevölkerung, doch die Kaufkraft der Älteren ist hoch: Offiziellen Statistiken zufolge geben Japans Senioren umgerechnet mehr als 192,5 Mrd. Euro jährlich für Waren und Dienstleistungen aus.

Seit geraumer Zeit prescht der führende japanische Mobilfunkanbieter NTT Docomo mit neuen Angeboten vor. Das Unternehmen hat bereits vor einigen Jahren ein spezielles Handy auf den Markt gebracht, das über große Tasten und einfache Funktionen verfügt – der Name ist entsprechend: „Raku Raku“ – „Einfach einfach“. Jetzt wartet NTT Docomo mit speziell auf Senioren zugeschnittenen Seminaren auf, bei denen geübt wird, Textnachrichten (SMS) zu versenden und im mobilen Internet zu navigieren.

Mit Erfolg: 70 000 Teilnehmer zählten die Kurse im vergangenen Jahr. „Die nächste und die letzte Zielgruppe, die wir noch erobern müssen, ist die Gruppe der Senioren“, erläutert Takumi Suzuki, Sprecher bei NTT Docomo, das Engagement des Unternehmens.

Die Regierung in Tokio hat hochgerechnet, dass im Jahr 2030 über 35 Millionen Japaner 65 Jahre und älter sein werden. Der Anteil der Senioren wird mit 33 % an der Gesamtbevölkerung dann so hoch liegen wie in keiner anderen Industrienation der Welt. Schon heute haben die Japaner die höchste Lebenserwartung weltweit. Angesichts einer Geburtsrate, die mit durchschnittlich 1,32 Kindern pro Frau so niedrig liegt wie nie zuvor, hat Japans Regierung bereits gewarnt, 2007 werde es statistisch nicht mal mehr ein Kind pro Frau geben.

„Unternehmen haben gar keine andere Wahl, als ihre Strategien auf die Bedürfnisse der Senioren auszurichten“, sagt Yoko Araki, der bei Japans größter Werbeagentur Dentsu als Planer arbeitet. „Ohne Übertreibung kann man sagen, dass das Überleben der Firmen von dem Erfolge dieser Strategien abhängt.“ In Japan sind die Marktvoraussetzungen seniorenspezifischer Angebote besonders gut: Die Menschen ab 50 halten drei Viertel der privaten Ersparnisse, die ein Volumen von 10,8 Billionen Euro erreichen.

Dieses Potenzial lockt auch den größten japanischen PC-Hersteller NEC an. Der Konzern schickt seine Schulungsleiter zu Senioren nach Hause oder lädt sie in Schulungszentren ein. Die NEC-Mitarbeiter sollen den älteren Menschen Unterricht im Versenden von E-Mails geben und ihnen helfen, eigene Websites zu erstellen. Die Nachfrage nach dem im vergangenen Jahr eingeführten Angebot ist so groß, dass die Anzahl der Schulungszentren bis April auf 100 verdoppelt werden soll.

Der Wunsch japanischer Senioren nach mehr Lebensqualität wird die Unternehmen weiter auf Trab halten. „Unterm Strich hat das Ansammeln von Ersparnissen für unsere Kinder wohl nicht mehr die höchste Priorität“, erläutert der 70- jährige Ruheständler Kazuo Mashita stellvertretend für viele andere Senioren in dem Land.

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