Zum Herunterladen via Handy
Musik soll Kunden für UMTS ködern

Die Mobilfunkgesellschaft O2 weitet ihr Angebot an Liedern durch eine Kooperation mit Sony aus. Die Konkurrenten folgen mit einer mobilen Jukebox.

slo DÜSSELDORF. Der Einstieg ins Musikgeschäft läuft für die Mobilfunkgesellschaft O2 bislang verhalten – das Unternehmen konnte gerade einmal 6 000 Kunden für sein seit März laufendes Angebot zum Herunterladen von Liedern via Mobiltelefon begeistern.

O2 glaubt aber weiter an das Geschäftsmodell und will seinen Dienst attraktiver machen: Von ursprünglich 20 000 Liedern ist das Angebot auf jetzt mehr als 100 000 gewachsen. Neue Titel von Sony Music gibt es zudem zwei Wochen vor dem offiziellen Erscheinen bereits über das O2-Musikportal, wie der Mobilfunkbetreiber Ende vergangener Woche ankündigte.

Das Münchner Unternehmen ist bislang der erste Mobilfunkbetreiber in Deutschland, der komplette Musiktitel zum Herunterladen via Handy anbietet. Bei dem Konkurrenten T-Mobile gibt es Lieder nur in einer Kurzversion von eineinhalb bis zwei Minuten – „Soundschnipsel“, sagen Kritiker. Doch T-Mobile und auch die anderen Mobilfunkbetreiber Vodafone D2 und E-Plus wollen in diesem Jahr noch ein Angebot mit kompletten Musikstücken auf die Beine stellen. Denn in der Branche gelten Musikdienste neben Sport- und Erotik-Services als guter Weg, um Kunden die neue Technik UMTS schmackhaft zu machen.

Diese beschleunigt das Übertragen von Daten via Handy und soll die mobile Internet-Welt bunter und vielfältiger machen. Den Mobilfunkgesellschaften soll das höhere Umsätze bescheren und dazu beitragen, dass Multimediadienste endlich aus dem Schatten der Kurzmitteilungen (SMS) treten – die weiterhin für gut 90 % aller Datenumsätze verantwortlich sind.

Bislang hat die UMTS-Welt allerdings noch sehr enge Grenzen: Lediglich die führenden Mobilfunker T-Mobile und Vodafone verkaufen die ersten UMTS-Mobiltelefone in sehr kleiner Auswahl. Ab Juli will O2 folgen, im Laufe des Sommers auch E-Plus. „Es gibt keinen Big Bang für UMTS, weil sich die Unternehmen damit nur blamieren würden“, sagt Ulrich Kuhn, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Diamond Cluster. Nicht nur das Angebot an UMTS-Handys sei enttäuschend. „Es existieren ja auch keine Dienste, für die sich die Anschaffung eines UMTS-Geräte lohnen würde“, fügt Kuhn hinzu.

Den Mobilfunkgesellschaften ist schon lange klar: „Die ominöse Killerapplikation für UMTS gibt es nicht“, sagt O2-Chef Rudi Gröger. „Wir müssen daher im UMTS-Zeitalter deutlich mehr Inhalte anbieten als bisher und alle möglichen Zielgruppen ansprechen.“ Nach Ansicht von Experten lassen sich die Unternehmen damit aber sehr viel Zeit. „Und was dann entwickelt wird, ist häufig ein Substitionsprodukt für etwas, was es bereits im stationären Internet gibt“, kritisiert Kuhn. Dasselbe Angebot via Handy biete nicht viel zusätzlichen Nutzen.

Noch sind die mobilen Multimediadienste zudem etwas umständlich. Wer beispielsweise das O2-Musikportal nutzen will, braucht ein Zusatzgerät zum Handy – eine Art Mini-Jukebox. Erst in diesen Tagen kommt ein Mobiltelefon mit eingebauter Jukebox in die O2-Läden. Das Herunterladen der Lieder kann zudem bis zu fünf Minuten dauern. „Spätestens mit UMTS wird sich dieses Problem erledigt haben“, sagt Gröger. Nach und nach will O2 den Musikdienst weiter ausbauen – das Bestellen von Konzertkarten ermöglichen sowie das Herunterladen von Musikvideoclips.

Vor allem in mobilen Videodiensten sehen Experten der Unternehmensberatung Frost & Sullivan eines der besten Argumente für die UMTS-Technik. Denn erst die neuen Mobilfunknetze bieten genügend Kapazitäten, um Videotelefonate und das Herunterladen von Videos zu verwirklichen. Ein großes Geschäft für die Mobilfunkbetreiber sehen Branchenkenner auf absehbare Zeit aber nicht. Die Verbreitung von UMTS- Handys brauche eine gewisse Zeit. Für 2007 sagt Frost & Sullivan gerade mal einen Umsatz mit Videodiensten von 1,6 Mrd. Euro in Westeuropa. Dann werde aber etwa jeder Dritte ein UMTS-Mobiltelefon besitzen, so dass das Geschäft mit Videodiensten an Fahrt gewinnen werde.

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