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17.01.2008 
Oracle übernimmt BEA Systems

Zum Wachstum verdammt

von Jens Koenen

Der SAP -Konkurrent Oracle hat wieder zugeschlagen. Im Rahmen seiner aggressiven Einkaufstour erwirbt Chef Larry Ellison den Softwarespezialisten BEA Systems. Die Aktion wirft viele Fragen auf. Einige Analysten sprechen gar von "Größenwahn".

Oracle CEO Larry Ellison liebt den großen Auftritt. Foto: apLupe

Oracle CEO Larry Ellison liebt den großen Auftritt. Foto: ap

FRANKFURT. Oracle übernimmt den Software-Hersteller BEA Systems. Ist das überraschend?

Nein. Oracle wirbt seit Monaten um das amerikanische Software-Unternehmen. Der SAP -Rivale hatte im Oktober vergangenen Jahres ein erstes Angebot vorgelegt. Das wurde aber vom BEA-Management abgelehnt.

Wie hatte die BEA-Spitze die Ablehnung begründet?

Der Verwaltungsrat von BEA war der Ansicht, dass BEA mehr wert ist als die von Oracle zunächst gebotenen 17 Dollar je Aktie. Er hat konkret 21 Dollar gefordert. Das hat wiederum Oracle abgelehnt und die Offerte zunächst zurückgezogen.


Bildergalerie Bildergalerie: Kampf der Giganten: SAP vs. Oracle


Warum hat man sich jetzt doch geeinigt?

BEA ist seit langem ein Übernahmekandidat. Das Unternehmen ist mit einem Umsatz von zuletzt 1,4 Mrd. Dollar relativ klein - in den Augen vieler Analysten zu klein, um in einem sich konsolidierenden Markt alleine zu überleben. Zudem stand das Management von BEA unter Handlungsdruck, weil der US-Milliardär und aggressive Investor Carl Icahn eingestiegen war und auf einen Verkauf des Unternehmens drängte.

Warum hat Oracle angesichts dieses Drucks beim Kaufpreis dann so kräftig draufgelegt?

Es ist richtig, Oracle bezahlt mit 19,375 Dollar je Aktie deutlich mehr als ursprünglich geplant. Davon profitiert aber natürlich auch Icahn. Zudem war Oracle -Chef Larry Ellison klar, dass er draufsatteln musste, wenn er BEA bekommen wollte.

Musste er denn BEA unbedingt haben?

De facto stand nicht nur das BEA-Management unter Handlungsdruck. Auch Oracle -Chef Ellison ist in der Pflicht: Er hat seinen Investoren für die nächsten Jahre deutlich zweistellige Wachstumsraten versprochen. In den Augen vieler Analysten ist ein Erreichen dieses Ziels aber nur möglich, wenn Ellison sein Akquisitionstempo beibehält.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie der Preis zu bewerten ist, den Ellison zahlt

Hat er jetzt am Ende zu viel bezahlt?

Analysten bezeichnen den Preis von 8,5 Mrd. Dollar als fair. Für die Aktionäre von BEA ist die Offerte auf jeden Fall sehr attraktiv. Sie bedeutet eine Prämie von 24 Prozent zum letzten Aktienkurs des Unternehmens (15,58 Dollar) vor der Offerte. Dabei muss berücksichtigt werden, dass das BEA-Papier durch die Übernahmephantasie in den letzten Monaten kräftig gestiegen ist.

Wie ist der Preis bezogen auf die operative Stärke von BEA zu bewerten?

Das ist schwer zu sagen. BEA ist wie viele amerikanische IT-Firmen in den Skandal um zurückdatierte Aktienoptionen verstrickt. Deshalb legt das Unternehmen seit längerem keine Geschäftsberichte vor, es fehlen Daten etwa zum operativen Ergebnis des vergangenen Fiskaljahres. Einen Anhaltspunkt kann der letzte Quartalsbericht liefern. Rechnet man das Nettoergebnis von 132 Mill. Dollar auf zwölf Monate hoch, ergibt sich ein Kaufpreis-Multiple von etwa 47. Das ist durch andere Akquisitionen gedeckt. Als IBM vor kurzem den Software-Anbieter Cognos kaufte, betrug das Multiple 42.


Tabelle  Infografik: BEA ist ein schwerer Brocken


Rechtfertigt die strategische Bedeutung diesen Kaufpreis?

Auch hier fällt eine Antwort schwer. Interessant sind für Oracle auf jeden Fall die rund 15 000 Kunden von BEA. Sie sind im Wettlauf mit SAP um die führende Marktposition sehr wichtig. Auf der Produktseite sind die Synergien dagegen kaum zu erkennen.

Warum gibt es wenig Synergien?

BEA bietet Software an, mit Hilfe derer die Unternehmen ihren Flickenteppich aus Programmen miteinander verbinden, integrieren können. Dies ist wichtig für die Steuerung einer Firma. Dieses Geschäft ist zwar ein Wachstumsmarkt. Allerdings bastelt Oracle seit Monaten an einer eigenen Integrationslösung mit dem Namen "Fusion". Sie ist ein großer Hoffnungsträger für Oracle. Bislang ist die Frage unbeantwortet, wie Oracle die sich überschneidenen Angebote künftig behandeln will.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Einige Analysten sprechen von "Größenwahn"

Also wird die Integration schwerer als frühere werden?

Die Übernahme von BEA ist nicht nur die zweitgrößte in der Firmengeschichte und damit per se schon ein schwerer Brocken. Es ist aber auch der Zukauf, der sowohl intern als auch extern am schwersten zu begründen sein wird. Einige Analysten sprechen bereits von "Größenwahn". So hat zum Beispiel SAP -Chef Henning Kagermann ein Interesse an BEA bestritten mit eben jenem Verweis auf die großen Überlappungen.

Wie werden die Kunden auf die Übernahme reagieren?

Sie werden zunächst verunsichert sein. Informationstechnik ist teuer, die Kunden legen großen Wert auf den Schutz dieser Investitionen. Allerdings ist es Oracle in der Vergangenheit relativ gut gelungen, die Kunden nach Übernahmen bei der Stange zu halten.

Sind die Investoren ähnlich gelassen?

Sie stützen den Kurs von Ellison derzeit noch. Die Aktie von Oracle hat in den letzten zwei Jahren von etwa zwölf Dollar auf über 20 Dollar zugelegt. Dennoch gibt es auch warnende Stimmen unter Analysten, die vor allem auf die Abhängigkeit von weiteren, großen Übernahmen hinweisen.

Wer könnte das nächste Opfer sein?

Marktbeobachter nennen Namen wie den Softwareanbieter Tibco. Klar ist: Künftig wird Intergrations- Software nur noch von den vier großen Anbietern Oracle, SAP, IBM und Microsoft angeboten werden.

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