Zusammenbruch auch in Österreich
Auffanggesellschaften für BenQ-Mitarbeiter vereinbart

Nach der Pleite von BenQ Mobile haben sich Politik und Wirtschaft auf die Gründung von zwei Beschäftigungsgesellschaften geeinigt. Rund 2000 arbeitslose Mitarbeiter des insolventen Handyherstellers sollen darin aufgefangen werden. Indes ist auch BenQ in Österreich zusammengebrochen.

HB MÜNCHEN. Arbeitslose Mitarbeiter des insolventen Handyherstellers BenQ Mobile in Deutschland sollen von zwei Beschäftigungsgesellschaften aufgefangen werden. Geplant seien ab dem 1. Januar 2007 zwei Transfer-Gesellschaften für Bayern und Nordrhein- Westfalen, sagten die Arbeitsminister beider Länder, Christa Stewens (CSU) und Karl-Josef Laumann (CDU), am Freitag in München. 2000 Mitarbeitern soll hier für zwölf Monate eine Perspektive gegeben werden.

Bei der Finanzierung gibt es allerdings noch offene Fragen. "Die Gesamtfinanzierung ist noch nicht gesichert“, sagte Stewens. Die Betroffenen könnten aber sicher sein, dass die Lösung komme.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Prager hatte am Vortag den Abbau von fast zwei Dritteln der gut 3000 Arbeitsplätze angekündigt. Geplant sind nun jeweils eine Transfergesellschaft für Bayern und Nordrhein-Westfalen zum 1. Januar 2007. Hier soll den Beschäftigten für zwölf Monate eine Perspektive gegeben und ihnen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz geholfen werden. Die Kosten bezifferten die Arbeitsminister auf 73 Millionen Euro.

Siemens hatte sich als früherer Besitzer bereit erklärt, 25 Millionen Euro aus einem 35-Millionen-Euro-Härtefonds für die Beschäftigungsgesellschaften zur Verfügung gestellt. Etwa ebenso viel will Insolvenzverwalter Prager zur Verfügung stellen. Er kann dabei auf Geld zurückgreifen, dass Siemens noch an BenQ zahlen muss und das vorerst auf Eis gelegt worden war.

Die Finanzierungslücke bezifferten die Minister auf 25 Millionen Euro. „Hier ist in erster Linie die Wirtschaft gefragt“, sagte Stewens. Die beiden Arbeitsminister appellierten an BenQ Mobile und Siemens, sich noch stärker zu engagieren. Dagegen sei vom taiwanesischen BenQ-Konzern, der seine deutsche Tochter in die Insolvenz geschickt hatte, wohl kein Geld zu erwarten. Die Möglichkeiten der Länder Bayern und Nordrhein-Westfalen sind begrenzt. Sie wollen sich unter anderem an den Verwaltungskosten beteiligen.

Die IG Metall sieht vor allem Siemens in der Pflicht. „Siemens hat sich keinen Millimeter bewegt“, kritisierte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Der Konzern müsse erheblich nachlegen. Siemens verwies auf die zusätzlichen 24 Millionen Euro, die aus dem Treuhandkonto zur Verfügung gestellt werden. Zudem habe man sich bereit erklärt, die 88 BenQ-Auszubildenden zu übernehmen. Siemens will zudem die beschäftigungslosen BenQ-Mitarbeiter bevorzugt einstellen. Bisher habe es 600 Bewerbungen gegeben, sagte ein Sprecher.

Am Freitag wurde zudem bekannt, dass auch Nach das Schwesterunternehmen in Österreich finanziell am Ende ist. Die BenQ Mobile CEE GmbH, die auch für den Vertrieb in Osteuropa, der Schweiz und Israel zuständig ist, werde Anfang kommender Woche einen Ausgleichsantrag bei Gericht stellen, sagte ein Sprecher der ehemaligen Siemens-Handysparte. Von den 43 Mitarbeitern würden 30 gekündigt. Der Vertrieb gehe vorerst weiter, die betroffenen Länder würden nun auf Kommission direkt von der deutschen BenQ beliefert.

Das österreichische Ausgleichsverfahren ist vergleichbar mit einer Insolvenz in Eigenverwaltung in Deutschland. Die bisherige Firmenspitze darf das Unternehmen mit einem Ausgleichsverwalter gemeinsam weiter führen und muss den Gläubigern innerhalb einer bestimmten Frist einen Teil ihrer Forderungen begleichen.

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