Zuschauerschwund hält an
Kinos fordern geringere Filmmieten

Der Streit zwischen Filmverleihern und Kinobetreibern in Deutschland eskaliert zusehends. Nach Immobilien-Investoren und Mitarbeitern sollten auch Filmproduzenten und -verleiher ihren Beitrag zur Sanierung der Branche leisten, fordert Cinemaxx-Chef Hans-Joachim Flebbe im Gespräch mit dem Handelsblatt. Nach branchenweiten Zuschauerrückgängen um fast 14 Prozent seit Jahresbeginn sollen Zugeständnisse bei den Filmmieten erreicht werden. „Wir reden mit allen Verleihern. Und bis zum Herbst müssen wir Ergebnisse sehen“, sagt Flebbe.

pos DÜSSELDORF. Doch die Verhandlungsposition wird immer schwieriger. Das boomende DVD-Geschäft ist zum Liebling der Hollywood-Studios geworden. Laut GfK-Analyse wurden 2004 in Deutschland erstmals über 100 Millionen Filmträger verkauft, davon über 90 Millionen DVD. Und die Einführung der neuen Generation von High-Definition-Formaten für das Heimkino steht unmittelbar bevor. Dann gibt es per „HD-DVD“ oder „Blu-Ray“ echte Kinoqualität für den Flachfernseher Zuhause.

Das Problem für die Kinos: Die lukrative DVD-Verwertung soll immer früher starten. Im vergangenen Jahr hatte es erste ernste Reibereien gegeben, als große Kinoketten Walt Disneys „Die Kühe sind los“ aus Protest nur verspätet oder gar nicht gespielt hatten. Der amerikanischeVerleiher hatte die Spanne zwischen Kino- und DVD-Start auf unter vier Monate verkürzt.

Das stört deutsche Filmproduzenten – aber wohl nur, weil sie schlecht mitmischen können: In Deutschland ist die Vermarktung der Filme – anders als in den USA – gesetzlich geregelt, wenn sie, wie fast alle Filme, öffentlich gefördert wurden. Dann sind sie sechs Monate dem Kino vorbehalten. „Dieses Gesetz muss fallen, weil es deutsche Filme benachteiligt“, moniert jetzt Thomas Peter Friedl, Vorstandsmitglied der Constantin Film AG. Ideal sei ein Kino-Zeitfenster von drei Monaten. Sony will dagegen vier Monate nicht unterschreiten. Ein gleichzeitiger Start auf Leinwand und DVD wie in den USA diskutiert sei nicht sinnvoll, sagt Deutschland-Verleihchef Martin Bachmann.

Wenn es so kommt, wollen sich die Kinos das honorieren lassen. Georg Welles, Sprecher der Kinokette UCI: „Eine Reduzierung des Zeitfensters muss in der Miete berücksichtigt werden.“ UCI gehört seit 2004 nicht mehr einer Gruppe von Hollywood-Studios, sondern einem Finanzinvestor. Welles: „Wir würden eine einheitliche Verhandlungsposition in der Branche begrüßen.“

Und danach sieht es derzeit auch aus. Mit dem Rücken zur Wand ziehen die Konkurrenten um die Eintrittsgelder der Kinofans an einem Strang, wenn es um die Einkaufskonditionen geht. Heiner Kieft, Geschäftsführer der Cinestar-Gruppe, sieht das Ende der Fahnenstange erreicht und befürwortet eine Reduzierung der Filmmieten um bis zu 17 Prozent. Cinemaxx-Chef Flebbe will wenigstens wieder „normale Verhältnisse“. „Vor wenigen Jahren wurden zwanzig Prozent der Filme zur Spitzenmiete von 53 Prozent angeboten, heute sind es zwei Drittel.“ Darunter viele Filme, bei denen schon zu Beginn klar sei, dass sie nur ins Kino sollten, um „den DVD-Start vorzubereiten“. Filme auf DVD lassen sich traditionell ungleich schwerer vermarkten, wenn sie nicht zuvor in den Kinos gelaufen sind.

UCI-Sprecher Welles räumt aber auch Versäumnisse der Kinobetreiber ein, die den Besucherschwund mitverantwortet haben. Das frisch renovierte UCI-Kino im Ruhrpark Bochum etwa habe seit Anfang des Jahres nur drei Prozent weniger Besucher verzeichnet, liegt also deutlich besser als der Rest. Das 1991 eröffnete Multiplexkino war für über fünf Millionen Euro saniert worden. Aus ursprünglich 18 Sälen wurden 14, in einer Kaffeebar mit Großbildleinwand im Foyer werden Fußball- oder Formel-1-Übertragungen angeboten.

Und die Digitaltechnik ziehe Kunden magisch an: In Düsseldorf und im Berliner Zoopalast wurde „Star Wars“ in digitaler Top-Qualität gezeigt. Die Zuschauerzahlen seien „signifikant besser“ als in anderen UCI-Häusern gewesen, so Welles.

Aber das kostet alles Geld, das vielen Kinobetreibern heute fehlt. Nach Jahren mit hohen Verlusten kämpfen sie derzeit eher ums Überleben als das sie an neue Investitionen denken.

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