Zuversicht für 2006
SAP wächst im Heimatmarkt

Der Softwarehersteller SAP hat seine Schwächephase des vergangenen Jahres im Heimatmarkt Deutschland offensichtlich überwunden. „Ich sehe im Moment keinen Grund, das gesteckte Ziel eines niedrigen einstelligen Umsatzwachstums für 2006 zu korrigieren“, sagte Deutschlandchef Michael Kleinemeier dem Handelsblatt.

PARIS. Nach einem guten ersten Quartal sei die Pipeline derzeit weiterhin gut gefüllt. Vor allem exportorientierte Unternehmen zeigten zunehmend Investitionsbereitschaft. Aber auch für die deutsche Bankenbranche ist Kleinemeier „sehr optimistisch, dass sich der Investitionsstau innerhalb der kommenden zwei Jahre lösen wird“.

Im ersten Quartal hatte SAP in Deutschland 392 Mill. Euro umgesetzt und konnte bei den Softwareumsätzen acht Prozent zulegen. 2005 waren dagegen die Softwareerlöse in Deutschland im zweiten Quartal regelrecht eingebrochen und führten zu einem Rückgang im ersten Halbjahr von 13 Prozent. Kleinemeier räumte ein, dass der Preisdruck im deutschen Markt nicht nachgelassen hat. „Hart verhandelt wird immer. Aber bei Verhandlungen gehe es nicht alleine um den Preis, sondern auch darum, den Kunden den Nutzen der Investition klar zu machen“.

Gerade in Deutschland haben viele Unternehmen SAP-Software im internationalen Vergleich am längsten im Einsatz und nutzen diese für Zwecke, die über die eigentlichen Kernfunktionen der ERP-Unternehmenssoftware hinausgehen. „So sind beispielsweise bei den großen Automobilhersteller in Deutschland inzwischen so gut wie alle der derzeit verfügbaren Funktionalitäten des SAP-Softwareportfolios im Einsatz“, so Kleinemeier. Für diese Unternehmen geht es nun darum, ihre Abläufe mit den Systemen bei Kunden und Lieferanten zu vernetzen.

Dagegen sind die Bedürfnisse neuer Wachstumsmärkte wie China ganz andere. „Dort verkaufen wir heute die Art von Software, die Mitte der neunziger Jahre in Deutschland gefragt war“, erläutert SAP-Vorstandschef Henning Kagermann. In vielen chinesischen Unternehmen gehe es zunächst darum, innerbetriebliche Abläufe mit Hilfe von Unternehmenssoftware zu organisieren. Im Unterschied zu reifen Märkten wie Europa und Japan bleibe China aber auch auf mittlere Sicht für SAP ein „klarer Mittelstandsmarkt“, glaubt Kagermann. So seien im Unterschied zu Japan heute nur wenige der chinesischen Firmen unter den größten Unternehmen der Welt zu finden. Deshalb setzt SAP im chinesischen Markt auf den Vertrieb durch lokale Partner. So schloss SAP vor wenigen Tagen ein Abkommen mit dem chinesischen IT-Unternehmen „Neusoft“. Die im Umfeld einer technischen Universität entstandene Neusoft will binnen zwei Jahren 4 000 chinesische SAP-Experten ausbilden.

Mit dem Ausbau von Vertriebsallianzen und Entwicklungspartnerschaften will SAP im Mittelstand den Wettbewerber Microsoft auf Distanz halten und zugleich durch eine Ausdehnung des Lösungsangebots den Druck auf den Konkurrenten Oracle erhöhen. Allerdings ist man bei SAP anscheinend davon überzeugt, dass Oracle dem Marktführer nicht mehr ernsthaft gefährlich werden wird. In zwei Jahren werde sich herausstellen, dass der kalifornische Wettbewerber, der für 17 Mrd. Dollar große Softwarefirmen wie Peoplesoft und Siebel geschluckt hat, seine Versprechungen eines integrierten Produktangebots nicht halten könne.

Branchenkenner sehen das Rennen zwischen SAP und Oracle bei Unternehmenssoftware noch längst nicht als entschieden. Vor allem im größten Softwaremarkt der Welt, den USA, sei die Dominanz von SAP trotz starken Wachstums weit weniger ausgeprägt als in Europa.



Weltweit im Einsatz



Marktführer: SAP ist Marktführer für Unternehmenssoftware. Dabei ist Deutschland hinter den USA größter Einzelmarkt. Weltweit ist SAP-Software in rund 33 500 Unternehmen im Einsatz.

Neukunde Paris: Auf der Kundenmesse Sapphire 2006 in Paris konnte SAP gestern einen prominenten Neukunden bekannt geben: Die Stadt Paris managt ihre Finanzverwaltung künftig mit SAP-Software.

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