Zuwachs bei Teleshopping
Der Einkauf per Fernbedienung wird immer beliebter

Home Shopping Europe verdoppelt den Gewinn und liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit QVC.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Vor dem Fernseher werden die Deutschen schwach: Trotz wirtschaftlich harter Zeiten legte Teleshopping auch im vergangenen Jahr zu. Kaufhäuser und Versandhändler mussten zum Teil kräftige Einbußen hinnehmen, doch das Einkaufsvergnügen auf dem heimischen Sofa floriert. „2003 haben wir ein schönes Umsatzwachstum erzielt“, sagte Konrad Hilbers, Chef des Einkaufskanals Home Shopping Europe (HSE), dem Handelsblatt. Der Gewinn habe sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Dennoch musste die Münchener bereits im letzten Jahr die Marktführerschaft an den Düsseldorfer Teleshopping-Kanal QVC abgeben. Eigenen Angaben zufolge hat die 98 %ige Tochter des amerikanischen Medienkonzern Liberty Media von John Malone ihren Vorsprung zu HSE ausgebaut. „Wie haben unsere Wettbewerber abgehängt“, hieß es bei QVC. Das TV-Unternehmen, das in Deutschland über 2 000 Mitarbeiter beschäftigt, habe bei Umsatz und Gewinn deutlich zugelegt. Im November hatte QVC einen Umsatz von 355 Mill. Euro (2002: 288) und ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 23 Mill. Euro (8,7) prognostiziert. Die Zahlen für 2003 werden aber erst am 18. März veröffentlicht.

Auch Home Shopping Europe wollte keine Details zum Geschäft im vergangenen Jahr nennen. Firmenchef Hilbers betonte jedoch, dass die Einnahmen im einstelligen Prozentbereich gestiegen seien. 2002 hatte HSE einen Umsatz von 288 Mill. Euro erzielt, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 12,7 Mill. Euro.

Auch im laufenden Jahr wolle der Münchener Einkaufskanal wachsen und den Gewinn steigern, betonte Hilbers. Mit Richard Reitzner hat Hilbers seit Montag einen neuen Einkaufsvorstand an Bord, der für frischen Wind in der Angebotspalette sorgen soll. Die positive Entwicklung zeigt sich auch in der Mitarbeiterzahl: Vergangenes Jahr kamen 20 neue Beschäftigte an Bord. So soll es auch weiter gehen. Hilbers: „Wir suchen neue Leute und werden dieses Jahr erstmals auch Bürokaufleute ausbilden.“

Die 1995 gegründete HSE war lange der einzige deutsche Einkaufskanal. 90 % der Anteile an dem Sender hält die US-Teleshopping-Kette HSN. Die Amerikaner wiederum sind Teil von IAC, der ehemaligen USA Interactive. Die restlichen 10 % gehören dem Versandhaus Quelle, einer Tochter der Karstadt Quelle AG.

Trotz der engen Verbindung mit Quelle gebe es keine Pläne, mit dem Deutschen Sportfernsehen DSF zusammen zu arbeiten, sagte Hilbers. Karstadt Quelle ist seit vergangenem Jahr auch am DSF beteiligt. Neben dem eigenen 24-stündigen Programm ist HSE auf Sat 1 und Kabel 1 zu sehen. Trotz der guten Aussichten für das laufende Jahr dämpft Hilbers die Erwartungen: „Riesige Wachstumsraten wie in der Vergangenheit sind in unserem Geschäft nicht mehr drin. Es geht jetzt vielmehr um konstantes Wachstum über die Akzeptanz beim Kunden.“

Deutschlands größter Fernsehsender RTL beobachtet die florierenden Geschäfte aufmerksam. Der im Februar 2001 gestartete RTL Shop soll bereits im diesen Jahr schwarze Zahlen schreiben. Die Teleshopping-Tochter des Fernsehsenders RTL, ein Joint-Venture von RTL, RTL New Media und dem französischen Fernsehkonzern M 6, baut kontinuierlich ihr Produktangebot aus. Erst in dieser Woche hat sie eine exklusive Modepartnerschaft mit dem Otto Versand vereinbart.

Der defizitäre RTL Shop hat seinen Umsatz 2002 auf 114,3 Mill. Euro verdoppelt. Die Verluste beliefen sich in diesem Zeitraum nach Insiderangaben auf 10 bis 15 Mill. Euro. „Wir haben den Abstand zu HSE verkürzt“, sagt RTL-Shop-Chef Heinz Scheve. „Wie geplant haben wir 2003 noch Verluste gemacht und gehen weiterhin von schwarzen Zahlen in diesem Jahr aus.“

Im Gegensatz zum klassischen Fernsehen erlebt Teleshopping seit Jahren einen Boom. Experten erwarten, dass das Einkaufsfernsehen bis zum Jahr 2007 ein Volumen von rund 1,5 Mrd. Euro erreicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%