Zwei Monate nach der Übernahme
Burda streicht bei Milchstraße jede dritte Stelle

Nach der Übernahme durch den Medienkonzern Hubert Burda Media wird bei der Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße jeder dritte Arbeitsplatz gestrichen. Wegen einer negativen Marktentwicklung, sinkender Anzeigenerlöse, hoher Fixkosten und konzeptioneller Probleme habe der Verlag mehrere Jahre hintereinander rote Zahlen geschrieben.

HP MÜNCHEN/HAMBURG. „Die Integration der Verlagsgruppe Milchstraße macht unternehmerische Entscheidungen und Korrekturen zwingend notwendig, um langfristig die Zukunft und den Bestand der Titel und möglichst vieler Arbeitsplätze zu sichern“, erklärte Burda-Vorstand Helmut Markwort am Montag in München. Möglichst vielen der betroffenen Mitarbeiter sollten neue Stellen an anderen Unternehmensstandorten angeboten werden, hieß es. Die redaktionellen Arbeitsplätze sollen nach Angaben einer Sprecherin weitgehend erhalten bleiben. Markwort betonte zugleich, dass Burda in den vergangenen sechs Jahren 3.000 neue Arbeitsplätze geschaffen habe.Durch Umstrukturierungen werden in Hamburg voraussichtlich rund 150 Stellen vor allem im Verwaltungs- und kaufmännischen Bereich entfallen. Milchstraße-Gründer Dirk Manthey, der noch 20 Prozent an der Zeitschrift „Fit for Fun“ hält, hatte bereits kurz nach der Übernahme im Dezember die Befürchtung geäußert, Burda wolle die Gruppe zerschlagen und zahlreiche Mitarbeiter entlassen.

Burda („Focus“, „Bunte“) hatte die Milchstraße im Dezember für 28 Millionen Euro übernommen. Die Milchstraßen-Zeitschriften will das Münchner Medienhaus erhalten und plant zugleich Millionen- Investitionen in die Titel. Dabei soll die Frauenzeitschrift „Amica“ künftig unter das Dach der Burda People Group kommen und in München unter der Führung von Philipp Welte und Patricia Riekel verlegt werden. Der Computertitel „Tomorrow“ werde von der Münchner Vogel Burda Holding übernommen. In Hamburg bleiben dagegen die Milchstraßen-Titel „TV Spielfilm“, „Fit for Fun“, „Max“ und „Cinema“. Die Anzeigenverkaufsbüros von Milchstraße und Burda will der Konzern räumlich und personell zusammenlegen.

„Wir haben die Verlagsgruppe Milchstraße in einer schweren Krisensituation übernommen“, sagte Markwort, der gemeinsam mit Burda- Vorstand Paul-Bernhard Kallen den Integrationsausschuss von Milchstraße leitet. Der bisherige Geschäftsführer von „Max“ und „Tomorrow“, Andreas Mayer, werde künftig die Geschäftsführung des gesamten Verlagsbereichs von Milchstraße verantworten, hieß es. Dagegen scheide der bisherige Vorsitzende der Geschäftsführung, Martin Fischer, auf eigenen Wunsch aus, um sich mit der Martin Fischer Medien GmbH selbstständig zu machen.

Die Gewerkschaften ver.di und Deutscher Journalisten-Verband (DJV) in Hamburg haben die geplanten Stellenstreichungen beim Milchstraßen- Verlag als „weiteren schweren Schlag für den Medienstandort Hamburg“ bewertet. „Massenentlassungen gehören offensichtlich auch im Medienbereich weiter zu den beliebtesten Mitteln unternehmerischen Handelns“, teilten Gewerkschaftsvertreter mit. Es sei nur schwer vorstellbar, dass in so kurzer Zeit nach der Übernahme Alternativen „zu diesem personellen Kahlschlag“ ernsthaft geprüft worden seien.

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