Zweifelhafte Umfrage
Wie Uber die Wahrheit umkurvt

Der Fahrdienst Uber muss sich gegen diverse Verbote wehren. Mit einer Umfrage will der Taxi-Konkurrent nun zeigen, dass die Deutschen eine Anpassung der Gesetze fordern. Dabei nutzt er aber allerlei statistische Tricks.
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DüsseldorfUber ist eine Firma im Kriegszustand. Sie will mit ihrem Fahrdienst von Kalifornien aus den ganzen Globus erobern – der Gegner sei „ein Arschloch namens Taxi“, sagte Uber-Chef Travis Kalanick einmal. Dank der Unterstützung mächtiger Investoren wie Google und Goldman Sachs ist die Kriegskasse mit 1,5 Milliarden Dollar prall gefüllt. Und im Kampf mit Konkurrenten wie Lyft schreckt das US-Unternehmen nicht vor Sabotage zurück.

Doch in Deutschland droht der Feldzug steckenzubleiben: Mehrere Gerichte untersagten Uber zwischenzeitlich den Betrieb. Am Landgericht Frankfurt erklärte der Richter Frowin Kurth in einer Verhandlung, Uber stifte seine Fahrer quasi zum Verstoß gegen das Personenbeförderungsgesetz an. Derzeit dürfen die Uber-Chauffeure fahren, doch wenn ein Urteil fällt, könnte es fürs US-Unternehmen eng werden.

Dass die Gesetze das Geschäftsmodell nicht erlauben könnten, liegt aus Sicht von Uber aber nicht am Geschäftsmodell, sondern an den Gesetzen. In der Sprachregelung des Unternehmens: Man müsse neue Rahmenbedingungen für Dienste wie Uber schaffen. Das sehe auch die deutsche Bevölkerung so, teilt Uber nun mit: Laut einer Umfrage wünschten viele Deutsche „eine Anpassung der Personenbeförderungsgesetze an die Smartphone-Ära“.

Es ist eine klassische PR-Methode: Wer eine Diskussion steuern will, liefert Argumente, die die eigene Position unterstützen. Auch Uber tut das. Zum einen gewann das Unternehmen den früheren Verteidigungsminister und Staatsrechtler Rupert Scholz als Gutachter. Er kam zu dem Ergebnis, dass der Dienst nicht gegen das Gesetz verstoße (was der Richter in Frankfurt wiederum kritisch beurteilte). Zum anderen beauftragte Uber die PR-Firma Penn Schoen Berland mit einer Umfrage. Die sollte schon andere vom Schmuddel-Image befreien – so vertrat sie 2004 McDonald’s, nachdem der Film „Super Size Me“ den Burger-Bräter schlecht aussehen lassen hatte.

„Teilweise hatte es den Anschein, dass in der Berichterstattung nur die Kontroverse hervorgehoben wurde“, erklärt Fabien Nestmann, Deutschland-Sprecher von Uber, gegenüber Handelsblatt Online. „Was wir mit der Studie mitteilen wollen: Es gibt ein legitimes Interesse an Uber.“

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Zweifelhafte Methodik

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  • Ach ja, einen Smart kann man zum günstigen Preis in Berlin als "Chauffeurlimousine" bestellen, natürlich auch per App.
    Jemand, der dauerhaft mit so einem Auto fährt, sollte aber auch einen guten Orthopäden kennen ;-).

  • Nun ja, dann sollten Sie sich sich auch fragen warum es so teuer sein muss! Es liegt doch nicht nur an den Autos. In Berlin fahren preislich günstigere 1000 Prius und jede Menge Tourans rum. Aber hier in D drücken alle möglichen Institutionen jedem Taxiunternehmer das Weiße aus den Augen. Angefangen mit gewerblichen bis zu 8x teueren KFZ-Haftpflichtversicherungen, teuren Sozialabgaben und allerlei anderen Gebühren, z. B für die IHK in der man Zwangsmitglied ist. Die Taxiunternehmer fürchten sich vor dem Mindestlohn weil sie diesen Lohn nicht bezahlen können ohne bei der Kommune/Gemeinde um eine bis zu 25%ige Tariferhöhung nachzufragen. Hier stehen bis zu 50.000 Jobs auf dem Spiel. Wenn das Taxigewerbe diese so oft kommentierte Taxilobby hätte, hätte Frau Nahles diesen Mindestlohn nie sofort durchsetzen können.
    Und dann kommt diese amerikanische Bude und beschäftigt Scheinselbstständige, die in guten Zeiten den Taxifahrern noch Kunden wegnehmen um sich vielleicht noch als Schwarzarbeiter 4-5 Euro die Stunde dazuzuverdienen. Ich möchte diese neue Sharing-Welt so nicht haben!

  • Taxi fahren ist viel zu teuer! Für eine kleinere bis mittlere Strecke werden 20-25€ fällig. Eine Floristin muss dafür 3 Stunden arbeiten.

    Die hohen Preise liegen aber nicht am Verdienst der Taxifahrer, sondern an den Zusatzkosten. Ich brauche aber keinen Benz und würde auch mit einem Smart mitfahren. Das darf man aber in DLand nicht. Damit muss schluss sein!

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