Zweite Liberalisierungs-Stufe im Ortsnetz startet im Juli
Telekom-Konkurrenten erwarten Auftrags-Stau

Die Konkurrenten der Deutschen Telekom befürchten Verzögerungen von mehreren Monaten bei neuen Diensten, die ab Juli für mehr Wettbewerb im Ortsnetz sorgen sollen. Dann sollen Kunden dauerhaft für alle lokalen Gespräche zu einem Wettbewerber des Ex-Monopolisten wechseln können (Preselection). Die Unternehmen gehen aber davon aus, dass sie den offiziellen Starttermin (9. Juli) nur für einen Bruchteil der Interessenten einhalten können.

slo BONN.„Wir haben schon heute viele Bestellungen für Preselection, bei der Bearbeitung der Aufträge durch die Telekom wird es daher wohl zu einem enormen Rückstau kommen“, sagt Roman Schwarz, Deutschland-Chef von Tele2.

Bereits seit Ende April können Kunden bei Ortsgesprächen den günstigsten Anbieter über eine Vorwahl wählen (Call-by-Call). Die Einführung von Preselection hat der Telekom-Regulierer auf Juli verschoben. Beide Verfahren sind bei Ferngesprächen bereits seit 1998 üblich. Jetzt wollen die Unternehmen auch im Ortsnetz das Quasi-Monopol der Telekom mit solchen Angeboten knacken. Die Telekom hat dort einen Marktanteil von mehr als 95 %.

Die großen Anbieter von Preselection, darunter Arcor, Tele2 und Colt, rechnen für Anfang Juli mit 750 000 Interessenten für diesen Dienst, wie aus einem Positionspapier hervorgeht, das dem Handelsblatt vorliegt. Nach Angaben aus der Branche kann die Telekom pro Tag allerdings nur 8 000 Kunden umstellen. Erforderlich seien aber etwa 200 000 Umstellungen täglich, heißt es bei den Konkurrenten.

Daher schlagen sie ein anderes Umstellungsverfahren vor: Auf einen Schlag soll bei allen 4,5 Millionen Kunden, die heute Preselection bei Ferngesprächen nutzen, automatisch der Schalter umgelegt werden – so dass die Kunden auch im Ortsnetz über ihren Preselect-Anbieter telefonieren können. Wer das nicht will, soll widersprechen. „Es werden in dem Fall weniger Kunden sein, die von der Telekom umgestellt werden müssen, so dass keinen Auftrags-Stau produzieren“, sagt Schwarz von Tele2. Die Telekom wird sich darauf nicht einlassen. „Das würde sämtliche Kundenschutz-Gedanken umkehren“, heißt es bei dem Konzern.

Die Telekom wollte ursprünglich die dabei fällig Umschaltgebühr auf 15 Euro erhöhen. Der Regulierer erteilte dem gestern eine Absage. Die Gebühr bleibt demnach bei 4,40 Euro.

Von Preselection im Ortsnetz erwarten sich die Unternehmen einen größeren Umsatzschub und einen kräftigeren Anstieg beim Gesprächsvolumen als bisher durch Call-by-Call im Ortsnetz. Nach Angaben aus der Branche wickelten die Konkurrenten der Telekom im Mai etwa 5 bis 6 % des Minutenvolumens im Ortsnetz über Call-by-Call ab. Das sind nach Angaben von Analysten knapp 500 Millionen Minuten. „Mittelfristig können die alternativen Anbieter auf einen Marktanteil von bis zu 20 % im Ortsnetz kommen“, sagt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim. Ein Marktanteil von 30 %, wie bei Ferngesprächen, sei im Ortsnetz dagegen unwahrscheinlich.

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