Zwischenbilanz
Microsoft überspielt Gewinneinbruch

Das vierte Geschäftsquartal endete für Microsoft zwar mit einem Gewinneinbruch, doch der war erstens erwartet worden und wurde zweitens durch positive Nachrichten wettgemacht: Der US-Software-Primus hob seine Prognose für das Gesamtjahr an und beglückte die Aktionäre obendrein mit einem Aktienrückkauf-Programm in schwindelerregender Höhe.

HB SEATTLE. Der Nettogewinn brach im Abschlussquartal des Geschäftsjahres 2005/2006 um fast ein Viertel ein. Als Gründe nannte Microsoft am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Ein besonders großes Loch riss die neue Spielekonsole Xbox 360. Auch die Internet-Aktivitäten verschlangen eine Menge Geld. Dennoch übertraf Microsoft mit dem Ergebnis die Erwartungen der Analysten. Die Aktien des Konzerns stiegen nachbörslich um 6 Prozent.

Der Kursanstieg lag aber vor allem in der Ankündigung von zwei gewaltigen Aktienrückkauf-Programmen begründet. Microsoft will nicht weniger als 40 Mrd. Dollar für das Aufkaufen eigener Aktien aufwenden. Geld dafür hat Microsoft in der Kasse. Das Unternehmen verfügte am Ende des Geschäftsjahres über liquide Mittel von 34,2 Mrd. Dollar.

Für das laufende Fiskaljahr hob Microsoft seine Prognose für den Gewinn je Aktie auf 1,43 bis 1,47 Dollar an. Bislang hatte der Konzern 1,36 bis 1,41 Dollar vorhergesagt. Die Anhebung kommt überraschend, waren Analysten bisher doch eher vom Gegenteil ausgegangen: Im April hatte Microsoft bekanntgegeben, zusätzliche 2,6 Mrd. Dollar in seine Web-Geschäfte und andere neue Bereiche investieren zu wollen. Am Finanzmarkt war daraufhin der Optimismus gedämpft worden, neue Produkte und eine Änderung der Online-Strategie könnten in diesem Geschäftsjahr Früchte tragen. Die Börsianer haben sich offenbar unbegründet Sorgen gemacht. Der Umsatz im Gesamtjahr soll bei 49,7 bis 50,7 Mrd. Dollar liegen.



Quartalsumsatz legte zu



Für das abgelaufene vierte Quartal, das am 30. Juni endete, wies der Konzern einen Nettogewinn auf 2,83 Mrd. Dollar oder 28 Cent je Aktie aus – nach 3,7 Mrd. Dollar im Vorjahr. In der Vorjahreszahl war aber ein großer positiver Einmalposten enthalten. Der Umsatz zog um 16 Prozent auf 11,8 Mrd. Dollar an. Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn von 30 Cent je Aktie und 11,6 Mrd. Dollar Umsatz erwartet.

Microsoft legte damit im gesamten Geschäftsjahr 2005/2006 sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz zu: Der Überschuss stieg von 12,3 auf 12,6 Mrd. Dollar bzw. von 1,12 auf 1,20 Dollar je Aktie. Die Erlöse kletterten von 39,8 auf 44,3 Mrd. Dollar.

Dunkle Flecken

Die Prognoseanhebung und das ordentliche Abschneiden im Gesamtjahr dürfen aber nicht über die Probleme von Microsoft hinwegtäuschen: Ende Juni hatte Microsoft mitgeteilt, Geschäftskunden könnten das Softwarepaket Office 2007 wohl erst Ende 2006 statt wie ursprünglich geplant bereits im Herbst erhalten. Office besteht unter anderem aus der Textverarbeitung Word, der Tabellenkalkulation Excel und dem Präsentationsprogramm Powerpoint. Auch die in erster Linie für Privatkunden geplanten Versionen von Windows Vista werden erst Anfang 2007 und damit später als avisiert auf den Markt kommen. Der Vista-Start wird deshalb das für die gesamte PC-Branche wichtige Weihnachtsgeschäft verpassen. Das seit langem erwartete Windows Vista ist der Nachfolger des aktuellen Betriebssystems Windows XP, das Microsoft vor fast fünf Jahren auf den Markt gebracht hatte.

Microsoft steht in Europa auch wegen eines Streits mit der EU-Kommission in den Schlagzeilen. Erst vor wenigen Tagen hatte die Kommission Microsoft mit einem Zwangsgeld von 280,5 Mill. Euro dafür bestraft, dass es mehr als zwei Jahre alte Auflagen nicht befolgt habe. Microsoft soll anderen Software-Herstellern keine vollständigen Informationen geliefert haben, um ihre Programme problemlos mit dem Betriebssystem von Microsoft zu verknüpfen. Die neue Strafe wurde zusätzlich zu der Buße von knapp 500 Mill. Euro verhängt, die die Kommission schon 2004 mit der Begründung beschlossen hatte, Microsoft missbrauche seine marktbeherrschende Stellung.

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