Zwischenbilanz und Gewinnwarnung Telekom enttäuscht auf ganzer Linie

Für die Telekom sieht es düster aus: Nicht genug, dass der Konzern schlechte Zahlen fürs zweite Quartal vorlegte, er schockte auch noch mit einer Gewinnwarnung fürs Gesamtjahr. Das Prekäre dabei: Auch die Vorzeigesparte Mobilfunk enttäuschte; sie konnte die Rückgänge im Festnetz und bei den Geschäftskunden nicht mehr ausgleichen.
Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat im Moment keinen leichten Job. Foto: dpa

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat im Moment keinen leichten Job. Foto: dpa

HB BONN. Wie die Telekom in der Nacht zum Donnerstag in Bonn mitteilte, ging das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,2 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro zurück. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem bereinigten Ebitda von 5 Mrd. Euro gerechnet.

Das Mobilfunkgeschäft alleine büßte beim bereinigten Ebitda anders als von Experten erwartet ebenfalls 3,3 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro ein und konnte damit die Rückgänge im Geschäftsfeld Breitband/Festnetz sowie in der Geschäftskundensparte T-Systems nicht auffangen. Der operative Gewinn in diesen Sparten ging um 7,8 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro und 22,9 Prozent auf 326 Mill. Euro zurück.

Der Umsatz im Konzern legte 2,6 Prozent auf 15,1 Mrd. zu und damit leicht schwächer als von Analysten erwartet. Während der Mobilfunk sich abermals als Wachstumstreiber erwies und die Analystenerwartungen erfüllte, büßte die Sparte Breitband/Festnetz beim Außenumsatz 6,2 Prozent ein und damit mehr als von den Experten erwartet. Trotz der Übernahme der Volkswagen-IT-Tochter Gedas verbuchte T-Systems überraschend einen leichten Rückgang beim Außenumsatz.

Gewinnwarnung

Auch im Gesamtjahr erwartet der ehemalige Monopolist nun ein deutlich schlechteres Abschneiden. Das Unternehmen veröffentlichte am späten Mittwochabend in Bonn eine Ad-hoc-Meldung, wonach der Umsatz um etwa 600 Mill. Euro und das bereinigte Ebitda um etwa 1 Mrd. Euro niedriger ausfallen wird als bisher geplant. Grund sei vor allem der Preisdruck durch die Konkurrenz, der stärker sei als zuletzt erwartet. Betroffen seien alle drei Geschäftsfelder: Breitband/Festnetz ebenso wie Mobilfunk und Geschäftskunden.

Der Konzern erwarte nun einen Umsatz für das Gesamtjahr zwischen 61,5 und 62,1 Mrd. Euro. Bisher lautete die Prognose 62,1 bis 62,7 Mrd. Euro. Das Ebitda solle nach der Neuberechnung zwischen 19,2 und 19,7 Mrd. Euro liegen statt wie zuvor angenommen zwischen 20,2 und 20,7 Mrd. Euro.

Die Telekom will den Angaben zufolge den Ergebnisrückgang Anpassungen bei den Investitionen auffangen, also durch Sparen. Für das Geschäftsjahr 2006 beabsichtige der Vorstand, dem Aufsichtsrat eine Dividende zumindest auf Vorjahreshöhe von 0,72 Euro je Aktie vorzuschlagen.

Für 2007 werde ein wieder moderat steigender Umsatz erwartet. Das Ebitda solle in der Größenordnung des laufenden Jahres liegen.

Die Korrektur der Gewinnziele betrifft alle drei Sparten des Konzerns. Demnach erwartet die Telekom im Geschäftsfeld Breitband/Festnetz für 2006 nur noch ein bereinigtes Ebitda von 8,8 bis 9 Mrd. Euro nach bisher 9,4 bis 9,6 Mrd. Euro. Der Umsatz soll hier höchstens noch 24,6 bis 25 Mrd. Euro erreichen und nicht mehr 24,8 bis 25,2 Mrd. Euro. Bereits das ältere Ziel war im Mai gesenkt worden.

Das erst jüngst leicht erhöhte Umsatzziel für das Mobilfunkgeschäft ließ die Telekom für 2006 mit 31,9 bis 32,3 Mrd. Euro bestehen. Allerdings rechnet sie jetzt mit einem geringeren bereinigten Ebitda von 9,8 bis 10 Mrd. Euro nach bislang 10 bis 10,2 Mrd. Euro. Auch die Geschäftskundensparte T-Systems läuft nicht so wie erhofft. Trotz der Gedas-Übernahme rechnet die Telekom mit weniger Umsatz und operativem Gewinn als bislang. Demnach soll der Umsatz von T-Systems 2006 nur noch 12,6 bis 12,8 Mrd. Euro betragen statt 13,4 bis 13,6 Mrd. Euro. Das bereinigte Ebitda erwartet die Telekom nun bei 1,2 bis 1,3 Mrd. Euro nach bislang 1,5 bis 1,6 Mrd. Euro.

Aktienrückkauf

Parallel zur Zwischenbilanz kündigte die Telekom an, eigene Aktien zurückzukaufen. Insgesamt will das Unternehmen 62,73 Mill. Papiere oder 1,4 Prozent des derzeitigen Grundkapitals erwerben und einziehen Die Zahl entspreche den Aktien, die im Rahmen der Verschmelzung von T-Online auf die Telekom neu ausgegeben worden seien. Der Rückkaufpreis je Aktie werde zwischen 95 und 105 Prozent des Eröffnungskurses am jeweiligen Handelstag betragen. Der Rückkauf wird voraussichtlich am 14. August beginnen und bis zum 30. September dauern.

Auch aus den USA kommen schlechte Nachrichten: Bei der Versteigerung von Mobilfunklizenzen liegen Satellitenbetreiber nach der zweiten Bieterrunde vorn. Sie verdrängten damit die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile USA vom ersten Platz. T-Mobile hatte sich zu Beginn der Versteigerung an die Spitze der Bieter gesetzt.

Eine Partnerschaft der Satellitenbetreiber EchoStar Communications Corp. und DirecTV Group Inc. bot für 13 Lizenzen am Mittwoch insgesamt 282,5 Mill. Dollar. T-Mobile hat die höchsten Gebote für 23 Lizenzen abgegeben mit insgesamt 121,7 Mill. Dollar. T-Mobile muss als Bieter aggressiv auftreten, denn das US-Mobilfunkgeschäft ist der Wachstumsmotor im Telekom-Konzern.

Insgesamt lagen der US-Telekommunikationsaufsicht FCC nach der zweiten Runde Gebote über fast 934 Mill. Dollar vor. Nach Einschätzung von Analysten könnte die Auktion bis zu 15 Mrd. Dollar einbringen. Die Versteigerung könnte mehrere Wochen dauern. Am Donnerstag soll es weitere Bieterrunden geben.

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