Zwischenbilanz und Jahresausblick
Yahoo zieht Internet-Branche nach unten

Yahoo hat am Dienstagabend die Zahlen fürs zweite Quartal vorgelegt. Die fielen durchwachsen aus. Viel schlimmer traf die Märkte aber die Nachricht, dass Yahoo im Gesamtjahr weniger stark wachsen wird. Yahoo-Aktien fielen nachbörslich um 13 Prozent und zogen auch die Titel der Online-Konkurrenten Google und Ebay mit in den Keller.

HB SAN FRANCISCO. Yahoo schloss am Dienstag nach US-Börsenschluss nicht aus, dass der Umsatz 2006 nicht so deutlich steigen könnte wie erwartet. Während das Unternehmen nun mit einem Umsatz zwischen 4,60 und 4,85 Mrd. Dollar rechnet, reicht die Spanne der Analysten von 4,69 bis 4,9 Mrd. Dollar.

Zudem wurde die für das dritte Quartal geplante Einführung einer neuen Version eines wichtigen Anzeigen-Systems um ein Quartal verschoben. Firmenchef Terry Semel warnte Analysten, vor dem ersten Quartal des kommenden Jahres sei nicht mit deutlichen Einflüssen des neuen Systems auf die Finanzen zu rechnen. Als Grund für die Verschiebung der Einführung nannte Qualitätsmängel des neuen Produkts.

Durchwachsenes zweites Quartal

Für das gerade abgelaufene zweite Quartal wies Yahoo einen deutlichen Gewinnrückgang aus. Damit war an den Finanzmärkten aber gerechnet worden, hatte es im Vergleichsquartal vor Jahresfrist doch einen hohen positiven Sonderposten gegeben. Außerdem musste Yahoo jetzt auch Kosten für ein Mitarbeiter-Aktienoptionsprogramm verbuchen, was in der entsprechenden Vorjahreszeit noch nicht der Fall gewesen war. So sank der Gewinn um 78 Prozent auf 164 Mill. Dollar oder 11 Cent je Aktie. Der Umsatz stieg indes um 28 Prozent auf 1,12 Mrd. Dollar.

Yahoo betreibt zwar nach wie vor die meistbesuchte Website der Welt, doch steht das Unternehmen im scharfen Wettbewerb vor allem mit Google. Der Konkurrent konnte seinen Anteil am Suchmaschinenmarkt weiter ausbauen. Auch MySpace, eine besonders bei jüngeren Nutzern beliebte Community-Plattform, setzte Yahoo zu.. Der Aktienkurs gab seit Jahresbeginn um 18 Prozent nach. Um seine Position zu stärken, hatte Yahoo vor weinigen Monaten mit dem Internet-Auktionshaus Ebay eine umfassende Zusammenarbeit bei Werbung und Handel im Internet vereinbart.

Yahoo! wuchs während des zweiten Quartals im Ausland erneut stärker als im heimischen Markt. Der Umsatz erhöhte sich in den USA um 23 Prozent auf 1,1 Mrd. Dollar, während Yahoo den Auslandsumsatz um 32 Prozent auf 506 Mill. Dollar steigerte. Der operative US-Gewinn legte vor Abschreibungen, Amortisation und Aktienoptions-Kosten um 17 Prozent auf 341 Mill. Dollar zu, im Ausland um 51 Prozent auf 116 Mill. Dollar.

Menschrechtler kritisieren Yahoo

Das florierende Auslandsgeschäft hatte Yahoo jedoch auch massig Kritik eingebracht. Der US-Konzern war wiederholt von Menschenrechtsgruppen kritisiert worden. „Reporter ohne Grenzen“ hat Yahoo im April vorgeworfen, den Behörden in China bei der Identifizierung eines kritischen Internet-Publizisten geholfen zu haben. Es ist der dritte Fall, bei dem Menschenrechtsaktivisten Yahoo einen Interessenkonflikt zwischen eigenem Profit und moralischem Anspruch bei seinem Geschäft in China vorwerfen. Yahoo hatte wiederholt erklärt, chinesische Gesetze respektieren zu müssen.

Auch Google war vorgeworfen worden, es verstoße in China gegen seine eigene Firmenphilosophie, indem es politisch sensible Begriffe auf seiner neuen chinesischen Seite sperren lasse. Im Dezember war auch Microsoft in die Schusslinie geraten, weil die US-Firma auf Geheiß der chinesischen Regierung einen kritischen Internet-Blog geschlossen hatte.

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