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04.07.2007 
Fachhochschulabsolventen

Auf Augenhöhe mit den Volljuristen

von Julia Leendertse

Fachhochschulabsolventen haben in Anwaltskanzleien nichts zu suchen. Davon sind zumindest die offiziellen Standesvertreter der Anwaltschaft fest überzeugt. Und doch: Immer mehr FH-Absolventen halten Einzug in Großkanzleien.

Fachhochschüler sind längst nicht in allen Kanzleien willkommen. Foto: dpaLupe

Fachhochschüler sind längst nicht in allen Kanzleien willkommen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Eigentlich dürfte es die Erfolgsstory von Nina Schütte, Diplom-Wirtschaftsjuristin aus Hamburg, gar nicht geben. Die Fachhochschulabsolventin und Steuerberaterin ist auf die steuer- und gesellschaftsrechtliche Gestaltung von Unternehmenstransaktionen spezialisiert und auf dem besten Weg, Partnerin der Hamburger Sozietät Boege Rohde Luebbehausen zu werden. Ihr Chef, der Anwalt Thilo Rohde, schaltet die 30-Jährige immer dann ein, wenn seine Mandanten bei Firmenkäufen oder Fusionen Steuern sparen wollen. „Ihre Steuerkonstruktionen und Ausarbeitungen für die Kaufverträge sind herausragend. Unterschiede zur Arbeit eines Volljuristen kann ich nicht erkennen“, schwärmt Rohde.

Mit seinem positivem Urteil widerlegt der Rechtsanwalt, was die Bundesrechtsanwaltkammer in Berlin vehement propagiert: Fachhochschulabsolventen haben in Anwaltskanzleien nichts zu suchen. „Von der Rechtsberatung sind FH-Wirtschaftsjuristen per se ausgeschlossen. Aber selbst für Zuarbeiten wie die Vorbereitung von Verträgen sind sie von ihrer Ausbildung her nicht für die Arbeit in Kanzleien geeignet“, urteilt Ulrich Scharf, Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltkammer: „Ein FH-Absolvent, der drei oder vier Jahre studiert und sich mal mit betriebswirtschaftlichen, mal mit juristischen Inhalten beschäftigt hat, kann nicht mit einem Uni-Absolventen mit zwei Staatsexamina Schritt halten.“ Scharf ist überzeugt: „Um die komplexen Aufgaben, die gerade in Großkanzleien anfallen, bewältigen zu können, muss man auch als Zuarbeiter auf gleicher Augenhöhe mit Volljuristen agieren können. Mit Halbwissen ist hier keinem gedient.“

Trotz der radikalen Ablehnung, die vor allem die offiziellen Standesvertreter der Anwaltschaft den Diplom oder Bachelor-Wirtschaftsjuristen entgegenbringen, ist Nina Schütte jedoch längst kein Einzelfall mehr. Auch Harald Plewka, Anwalt, Steuerberater und Partner bei Gleiss Lutz in Frankfurt – immerhin eine der Top-Ten-Anwaltskanzleien in Deutschland –, ist von den fachlichen Qualitäten der Wirtschaftsjuristen angetan. Schon seit ein paar Jahren arbeitet der Spezialist für M&A sowie die steuerrechtliche Gestaltung von Fonds mit Wirtschaftsjuristen der früheren FH Nordostniedersachsen zusammen, die jetzt mit der Universität Lüneburg fusioniert ist. „Die Ausbildung mit Schwerpunkt Steuer- und Prüfungswesen ist in Lüneburg so fundiert und praxisnah, dass wir die Absolventen direkt im Tagesgeschäft einsetzen. Volljuristen von der Uni hingegen müssen wir meist erst mal für den Job fitmachen – und das selbst, wenn sie sich während des Studiums bereits mit Steuerrecht beschäftigt haben“, berichtet Plewka. Allein im Frankfurter Büro von Gleiss Lutz arbeiten drei FHler.


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Wo die Fachkräfte von der FH immer häufiger zum Einsatz kommen: Bei Insolvenzen oder als Zuarbeiter im Marketing, den Abteilungen für Wissensmanagement, die Rechtsanwälte und Mandaten über neue Gesetze und Urteile auf dem Laufenden halten sowie Unternehmens- und Marktrecherchen anstellen. „Dass in Kanzleien nur Volljuristen mit einer Abschlussnote von mindestens voll-befriedigend arbeiten, ist eine Mär, die manche Wirtschaftskanzleien aus Imagegründen verbreiten. Mit der Wirklichkeit hat das jedoch kaum etwas zu tun“, urteilt der Experte für Business Development einer Münchner Kanzlei. Richtig ist: Traditionell erledigen die so genannten Associates – also die jüngeren Volljuristen, die noch Partner werden wollen– die Fleißarbeiten, die im Tagesgeschäft anfallen.

Doch nicht nur aus Kostengründen stellen immer mehr Kanzleien Spezialisten aus anderen Disziplinen ein. „In Archiv und Informationsservicestellen beschäftigten wir zum Beispiel bewusst ausgebildete Bibliothekare“, bestätigt Niklaus Berger, Leiter des Wissensmanagements bei Freshfields Bruckhaus Deringer. „Kanzleiinterne Tests ergaben, dass diese Rechercheexperten weit treffsicherer und vor allem schneller Datenbanken durchforsten als unsere Rechtsanwälte.“ Das gelte selbst bei juristischen Themenfeldern. Und so stellen bei Freshfields Nicht-Juristen für die Top-Anwälte die Reports zusammen, die die Juristen brauchen, um up-to-date zu bleiben. „Was zählt, ist, dass jemand exzellente Arbeit leistet. Das juristische Wissen lässt sich für diese Zwecke auch ohne Staatsexamen lernen.“ Freshfields beschäftigt jedoch keine FH-Absolventen. „Unsere Mitarbeiter müssen einen gleichwertigen Uniabschluss mitbringen wie unsere Anwälte, sonst käme es zu Akzeptanzproblemen“, so Berger.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hoch bezahlte Volljuristen verbringen viel Zeit damit, Fachzeitschriften zu durchforsten.

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