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11.08.2005 
Mummert-Studie

Blackberry-Ferien aus Angst vor E-Mail-Lawinen

von Christoph Hus, Claudia Tödtmann

Die schönsten Wochen des Jahres sind längst nicht mehr allein für die Erholung reserviert: Handy und E-Mail gehören auch im Urlaub zum Alltag: So wollen 27 Prozent der Deutschen auch am Strand und auf der Skipiste für Kollegen, Kunden und den Chef erreichbar sein, belegt eine Umfrage von Mummert Consulting.

Spitzname "Crackberry": Mobiler E-Mail-Empfänger "Blackberry".

Spitzname "Crackberry": Mobiler E-Mail-Empfänger "Blackberry".

In Joachim Schützes Urlaub auf Mallorca war es mit der Ruhe schon am ersten Tag vorbei. Auf seinem Blackberry erreichte den Partner der Anwaltskanzlei Clifford Chance eine E-Mail: Ein Kunde verlange nach einem Angebot für ein äußerst prestigeträchtiges Mandat, schrieb ein Kollege. Statt in der Sonne zu faulenzen, koordinierte Schütze von der Insel aus das Zusammensammeln der wichtigsten Unterlagen. Er telefonierte und mailte mit Kollegen in mehreren Ländern und stellte ein Team zusammen. Mit Erfolg: „Wir haben das Mandat erhalten“, freut sich der Wirtschaftsanwalt. „Das wäre nicht möglich gewesen, wenn ich nicht ständig erreichbar gewesen wäre.“

Wie bei Anwalt Schütze sind auch bei vielen anderen Büro-Arbeitern die schönsten Wochen des Jahres längst nicht mehr allein für die Erholung reserviert. 71 Prozent der Befragten nehmen ihr Handy mit in den Urlaub, 28 Prozent ihren Handheld-PC und 27 Prozent sogar ihr Notebook. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren hatte Mummert schon einmal nach der Kommunikation im Urlaub gefragt. Und schon damals las ein Drittel der Befragten auch im Urlaub regelmäßig E-Mails.

Wer jedoch in Gebieten Urlaub macht, wo es kaum Internet-Cafes gibt, kann viel Zeit mit der Suche nach ihnen verlieren. Dasselbe erleben diejenigen, die zwar ihren Laptop im Gepäck haben, aber plötzlich auf unvorhergesehe Anschlussprobleme stoßen. Schon in Frankreichs Ferienregionen Computergeschäfte zu finden, die die fehlenden Stecker führen, ist ein echtes Unterfangen. Und Ferienzeit raubend ohnehin. So gesehen sind die Smartphones oder mobile E-Mail-Maschinen für vielbeschäftigte Manager ein Segen.

Auch wenn etliche Urlauber indes nicht freiwillig ständig erreichbar sind. Viele können sich nicht ihrem Chef entziehen, der ständig Rückfragen per Telefon hat. Oder ihrem Hauptkunden, der mit dem Stellvertreter eben doch nicht so schnell einig wird, wie mit seinem ständigen Ansprechpartner. Wieder andere Urlauber fürchten sich davor, während ihrer Abwesenheit wichtigen Flurfunk zu verpassen. Und für manche ist das ständige E-Mail-Lesen längst zur Sucht geworden. Nicht umsonst heißt der Blackberry unter Lästermäulern Crackberry.

Immer gilt jedoch: Der technische Fortschritt eröffnet neue Kommunikations-Möglichkeiten, denen sich kaum jemand entziehen kann. Mobiltelefon, Notebook und Blackberry haben den Alltag von Büro-Arbeitern längst radikal verändert – auch im Urlaub. „Es ist einfach nicht mehr glaubwürdig, wenn jemand behauptet, er sei nicht erreichbar“, urteilt Bernd Janke, Telekommunikations-Experte von Mummert Consulting in Hamburg. „Deshalb hat sich die Erwartungshaltung verändert. Wer nicht innerhalb weniger Stunden auf Anrufe und E-Mails reagiert, gilt als langsam“, sagt Janke. In den Anfangszeiten der E-Mail galt immerhin noch eine Reaktionszeit von 24 Stunden als angemessen.

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