Nach den schweren Verwerfungen der vergangenen Wochen wollen sich allerdings nicht alle Bankvorstände mit den ungeschriebenen Gesetzen der Branche abfinden. So hat John Thain, der neue Chef des angeschlagenen Wall-Street-Hauses Merrill Lynch
bereits eine Reform des Bonussystems angekündigt. An erster Stelle der Bemessungskriterien müsse der Erfolg der gesamten Bank stehen, erst dann dürften der Erfolg einzelner Geschäftsbereiche und einzelner Individuen kommen.
Mit seinem Vorstoß reagiert Thain auf die Kritik von Aktionären, die hohe Bonuszahlungen trotz gleichzeitig schwacher Gewinne nicht länger akzeptieren wollen. In der Regel versuchen die Banken die jährlichen Ausschüttungen auf weniger als 50 Prozent der erzielten Gewinne zu beschränken. 2007 stieg die Quote allerdings bei einigen Instituten in Richtung 60 Prozent. "Auf Dauer können wir uns das nicht leisten", warnt ein Londoner Bankvorstand. "Unsere Aktionäre interessiert am Ende nur was unter dem Strich steht". Nach Einschätzung von Smith-Solbakken versuchen die Banken bereits gegenzusteuern. Viele Institute würden für 2007 einen deutlich größeren Anteil der Boni in eigenen Aktien ausschütten. Das sei etwas günstiger als Bargeld und binde gleichzeitig das Personal an das eigene Haus.
Das Bonusproblem könnte sich 2008 aber auch von selbst lösen. Experten rechnen in den kommenden Monaten mit weiteren Entlassungswellen in den Investmentbanken. Institute wie die Citigroup
oder die Schweizer UBS
streichen bereits tausende von Stellen. Außerdem erwarten die meisten Analysten 2008 einen deutlichen Einnahmerückgang quer durch die meisten Geschäftsbereiche, was die Ansprüche der Banker automatisch dämpfen würde.
