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25.11.2007 
Titelspringflut

Das Aus für den Purser

von Ulrich Schnapauff

Die Deutschen überkommt die Lust auf mehr. Da darf auch schon mal ein wohlklingender Titel die Karriere anschieben. Je geschwollener er sich anhört, desto besser ist die Wirkung. Was folgt, ist der unaufhaltsame Aufstieg zum Direktor.

Mit einem Doktorhut auf dem Kopf lächelt auch Joschka Fischer gleich fröhlicher. Foto: dpaLupe

Mit einem Doktorhut auf dem Kopf lächelt auch Joschka Fischer gleich fröhlicher. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Jeder Mensch, auch Sie, hat einen großen Wunsch an das Leben. Der eine möchte irgendwann einmal mit der in seiner Jugend angebeteten Schauspielerin zusammenkommen. Der andere möchte irgendwann nach Neuseeland auswandern.

Wenn Sie sich wünschen, einmal einem leibhaftigen Bundeskanzler oder Nobelpreisträger die Hand zu schütteln, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Wunsch in Erfüllung geht, soeben gestiegen. Jedenfalls, was den Nobelpreisträger angeht.

Rein statistisch ist sogar die Wahrscheinlichkeit gewachsen, dass Sie eines Tages selbst Nobelpreisträger sind. Vorausgesetzt, Sie sind jung und klug genug, geschickt bei der Auswahl Ihres Studienfachs, ausdauernd beim Studium und dem nachfolgenden Kampf um die Tröge und findig beim Schließen von Wissenslücken.

Wenn Sie dagegen auf die bequemere Variante setzen, nämlich den Titelkauf, können Sie das beim Nobelpreisträger jedenfalls vergessen. Das ist anders beim Professor und Doktor. Diese Titel kann man sich erkaufen. Man muss nur wissen wo und eine gewisse Ausdauer beim Überweisen von Geldspenden haben. (Wir lassen hier, aus Gründen der Verächtlichkeit, bitte schön alle Doktortitel außer Acht, die mit geringen Dollarüberweisungen in dubiose Länder angeschafft wurden.)


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Wenn das nicht funktioniert, weil es die Haushaltskasse nicht hergibt, so probieren Sie es mit der überfallartigen Aneignung des Titels „Direktor“. Klingt gut, hat jetzt fast schon Kultcharakter. Auf dem Flug von New York nach Frankfurt erklärte der Mann, von dem wir gerade erst wissen, dass er Purser heißt: „Ich bin der Direktor dieses Fluges.“ Nichts da mit Purser. Direktor. Und heute schon wieder: Da verlässt, teilt die Zeitung mit, die Sprecherin eines Senators die Behörde und wird Kommunikationsdirektorin in der Wirtschaft.

Direktor des Fluges, was das wohl bedeutet? Ist er auch der Chef der Piloten? Sagt er ihnen, wo sie längs fliegen müssen? Und wenn der Flug durch Landung beendet ist, ist der Mann dann kein Direktor mehr? Die Kommunikationsdirektorin, was macht die denn so? Ist die für alle Gespräche in der Firma zuständig? Darf vielleicht nur in ihrer Gegenwart kommuniziert werden? Viele Fragen und keine Ahnung.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine Springflut von Titeln überkommt uns

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