Zurzeit im Anmarsch: der Titel „Präsident“. Er rangiert über dem CEO. Im Deutschen bringt er einen auf Anhieb in die Nähe des Bundespräsidenten. Auch der Präsident kostet nichts, und auch er ist nicht geschützt. Dem „president“ entspricht etwa Vorstand, Aufsichtratsvorsitzender oder eben Präsident.
Da werden bei uns auch die ganz Kleinen mutig und wollen im Theater der ganz Großen mit von der Partie sein. Schon nennt sich, auch wenn er vielleicht nur eine oder zwei Hände voll Mitarbeiter hat, der Leiter – oder die Leiterin – etwa einer Tierschutzorganisation mindestens Direktor oder gar Präsident. Und nichts schützt uns davor, dass der Vertreter dann auch noch zum Vizepräsidenten wird.
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Bei der Verwendung fremdsprachiger Begriffe ist eben Vorsicht geboten. Sonst kann man in eine Falle geraten. Wörter, die trügen können, eine Art Sprachfalle darstellen, nennen die Briten „false friends“ und Franzosen „faux amis“, die falschen Freunde. Da heißt es ständig auf der Hut sein.
Viele vor Zeiten begangene Schludrigkeiten haben sich unterdessen fest etabliert. An einer ganzen Reihe ist das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ schuld, weil es den Jargon seines amerikanischen Vorbildes „Time“ übernahm. So kriegen wir Leser seit Jahrzehnten „once more“ als einmal mehr präsentiert. Und der berühmte „Analyst“ kommt auch von dort. Während der „Spiegel“ unter Umständen hinten in der Wissenschaft von Psychoanalytikern erzählt, hat er im Wirtschaftsteil die Spezies der Börsen- oder Energiemarktanalysten. Warum das? Da war wohl jemand einfach zu faul zum Übersetzen. Im Englischen gibt es den Analytiker nicht, nur den analyst. Der müsste deutsch immer als Analytiker wiedergegeben werden. Aber da ist jetzt nichts mehr zu machen.
Genauso wenig wie bei den Direktoren, CEOs und Präsidenten. Die werden erst dann wieder verschwinden, wenn, für die Betroffenen ein schrecklicher Gedanke, jeder Zweite ihrer Mitbürger einen dieser Titel führt. Bis dahin müssen die Amerikaner für unsere Direktoren und Präsidenten bitte schön Ersatz gefunden haben.
