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18.04.2008 
Coaching

Der Markt der Schwarzen Schafe

von Bärbel Schwertfeger

Coaching boomt wie nie zuvor. Inzwischen wird der Begriff inflationär für alles und jedes benutzt. Doch um die Spreu vom Weizen zu trennen, also qualifizierte Job-Nachhilfe zu finden, fehlen verbindliche Qualitätskriterien.

Was einen guten Coach auszeichnet, darüber besteht bis heute keine Einigkeit. Foto: Archiv

Was einen guten Coach auszeichnet, darüber besteht bis heute keine Einigkeit. Foto: Archiv

Der Hund als Ihr Sparrings-Partner für ungeschminktes Feedback Ihres Gesamtausdrucks. Sofortige Wirkung garantiert“, mit diesem Slogan wirbt die Firma Coach Dogs. Andere locken mit Lomi-Lomi-Coaching, benannt nach einer hawaiianischen Massageform oder sogar einer „Typologie-Beratung inklusive der Reflektion genetischer Merkmale“. Wenn es um das Thema Coaching geht, sind dem Unsinn anscheinend keine Grenzen gesetzt.

Ursprünglich kommt der englische Begriff Coaching aus dem Sport. Als persönlicher Trainer begleitet der Coach den Sportler durch Höhen und Tiefen. Er kennt die Stärken und Schwächen des Athleten und entwickelt mit ihm den optimalen Trainingsplan. Später wurde dieses Betreuungskonzept auf das Berufsleben übertragen. Auch im Job soll ein Coach seinen Klienten gezielt unterstützen.

Doch inzwischen wird der Begriff inflationär für alles und jedes benutzt und es fällt schwer, in der Anbieterszene die Spreu vom Weizen zu trennen. Vom Hochschulabsolventen über den pensionierten Personalmanager bis hin zu Verkaufs- und Managementtrainern fühlt sich jeder zum Coach berufen. Längst ist Coaching auch zur Einflugschneise für esoterische Spinner und Psychogurus geworden, die ihren Kunden Wunder versprechen. Sektenberatungsstellen wissen von Betroffenen, die durch sündhaft teure Coachings in psychische Abhängigkeit und den finanziellen Ruin getrieben wurden.

Die Selbstreinigungs-Mechanismen in der Coaching-Szene sind – wie konkrete Fälle zeigen – beschränkt. Insider wissen zwar häufig, welcher Coach fragwürdig ist, aber keiner sagt es öffentlich – nicht einmal diejenigen, die sich gern als Qualitätsverfechter feiern lassen. „Scharlatane sind immer die anderen“, fasst Stefan Kühl, Soziologieprofessor an der Universität Bielefeld, seine Beobachtungen zusammen.

Was einen guten Coach auszeichnet, darüber besteht bis heute keine Einigkeit. Braucht der Job-Trainer eine Coaching-Ausbildung und wie muss diese aussehen? Muss der Trainer der Topmanager selbst über Führungserfahrung verfügen? Darüber streiten inzwischen über 20 Coachingverbände, die zudem ihre eigenen Qualitätsstandards und Zertifizierungen entwickelt haben. „Viele dieser Professionalisierungsversuche dienen lediglich dazu, den Marktzugang der eigenen Mitglieder zu verbessern“, kritisiert Kühl.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Palette der Coaching-Anlässe ist breit

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