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12.01.2006 
Mittleres Management

Der stille Frust der Halbleiter

von Christoph Lixenfeld

Sie fühlen sich stiefmütterlich behandelt, unterbezahlt und ohne Perspektiven: Viele Abteilungsleiter und Projektmanager würden am liebsten so schnell wie möglich kündigen. Wenn sie nur wüssten, wohin: Ein neuer, sicherer Job ist mittlerweile auch für Angehörige des mittleren Managements schwer zu finden.

DÜSSELDORF. Wie groß diese Unzufriedenheit ist und wo sie herkommt, das hat die Unternehmensberatung Accenture vom Marktforschungsunternehmen International Communications Research untersuchen lassen. Befragt wurden 1 025 Angehörige des mittleren Managements aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, den USA und Australien.

Das wichtigste Ergebnis: Unzufriedenheit im Job gibt es überall, aber in Deutschland sitzt der Frust besonders tief. So sehen hier zu Lande nur 23 Prozent der Befragten ihre Tätigkeit uneingeschränkt positiv, 51 Prozent geben an, einigermaßen unzufrieden zu sein. Deutschlands Abteilungsleiter fühlen sich von ihrem Arbeitgeber und den Vorgesetzten schlecht behandelt: 68 Prozent von ihnen geben an, zu wenig Geld zu bekommen, 62 Prozent sind der Ansicht, ihre Leistung werde nicht angemessen gewürdigt. Die Frustwerte für die anderen Länder liegen mit 49 bis 43 Prozent deutlich niedriger.

Und wer sich vom Chef chronisch benachteiligt fühlt, hält irgendwann von dem ganzen Laden nichts mehr: In Deutschland ist fast jeder Dritte aus dem Mittelmanagement der Meinung, ihr Unternehmen sei schlecht geführt. Nur zwölf Prozent bezeichnen ihre Firma als erfolgreich, im internationalen Vergleich sind es immerhin 22 Prozent.

Diese Zeichen schwindender Loyalität sollten Alarmglocken schrillen lassen, findet Norbert Büning, Geschäftsführer bei Accenture in Deutschland und Mitautor der Studie. „Vor allem mit Blick auf den demographischen Wandel müssen die Firmen so schnell wie möglich gegensteuern.“ Anders gesagt: Bald werden die Nachwuchsmanager knapp, da macht es Sinn, das vorhandene Personal bei Laune zu halten und nicht zu schnell zu verschleißen.

Interessanterweise ist die Alterung der Gesellschaft aber ein Teil des Problems: Die Unternehmen haben heute zu viele Mitarbeiter um die 40 an Bord, die die Aufstiegswege für Nachrückende verstopfen. Den Talenten die Zeit in der Karriere-Warteschleife mit Geld zu versüßen – wenn schon keine Posten frei sind – scheidet aber aus Budgetgründen aus. Norbert Büning: „Die Lösung muss darin liegen, den Leuten bessere und spannendere Arbeit zu geben, Jobs schlicht interessanter zu machen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Commerzbank hat gehandelt.

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