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07.08.2008 
Vergütung

Deutsche Manager kassieren zu hohe Jahresboni

von Sönke Iwersen und Dieter Fockenbrock

Die Politik schießt sich auf das falsche Thema ein. Aktienoptionen werden als das Grundübel in der Managervergütung gesehen. Dabei sind es inzwischen Jahresboni und kurzfristige Tantiemen, die zu teilweise exorbitanten Gehaltssteigerungen führen.

Die Optionen von Daimler-Chef Schrempp erreichten im vergangenen Sommer einen Wert von 50 Mill. Euro. Foto: rtsLupe

Die Optionen von Daimler-Chef Schrempp erreichten im vergangenen Sommer einen Wert von 50 Mill. Euro. Foto: rts

DÜSSELDORF. Beispiel BMW: Der Chef des Automobilbauers Norbert Reithofer bekommt ein geradezu lächerliches Festgehalt: 600 000 Euro. Erst die Erfolgsprämien für das Geschäftsjahr 2007 katapultierten ihn auf Gesamtbezüge von 3,9 Mill. Euro. Damit liegt Reithofer nur im Mittelfeld der Dax-Chefs, bei den variablen Bezügen ist er aber mit 82 Prozent Spitzenreiter.

Aktienbasierte Vergütungen machen bei den führenden deutschen Konzernen aus Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax gerade elf Prozent aus. Das haben Wissenschaftler der Universitäten Karlsruhe und München herausgefunden (Grafik). „Nicht die Aktienoptionen, sondern die Tantiemen sind Schuld an der Gehaltsexplosion“, sagt Vergütungsberater Heinz Evers.

Grund für die Aktivitäten der Politiker, Aktienoptionsprogramme zu begrenzen, sind Ausreißer wie Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp, dessen Optionen im vergangenen Sommer einen Wert 50 Mill. Euro erreichten. Politiker fordern daher längere Haltefristen. Die Linke im Bundestag stellte gar den Antrag, dieses „Teufelswerk des Kapitalismus“ komplett zu verbieten. Die Kritik entzündet sich daran, dass Manager in Erwartung von Optionsgewinnen den Börsenkurs ihrer Unternehmen künstlich hochtreiben könnten, um ihr Einkommen zu maximieren – ohne Rücksicht auf die Langfristigkeit ihrer Strategie.

Das Wichtigste bei der Handhabung von Aktionoptionen ist gutes Timing. Das sollte auch Schrempp wissen. Nach Lage der Dinge hat Mr. Shareholder Value allerdings vorerst den richtigen Zeitpunkt verpasst. Laut Datenbanken hat Schrempp in den vergangenen Monaten keine seiner millionenschweren Aktienoptionen eingelöst. Da sich in dieser Zeit der Aktienkurs des Unternehmens fast halbiert hat, trifft es den Ex-Chef härter als die Aktionäre. Viele seiner Optionen verfallen jetzt ganz. So sind die Optionen aus den Jahren 2001, 2002 und 2004, die allein 25 Mill. Euro wert waren, wegen des niedrigen Börsenkurses heute wertlos.

Würde Schrempp jetzt alle Optionen einlösen, brächten sie ihm nur noch acht Mill. Euro. Im Vergleich zum vergangenen Sommer wäre das ein Wertverlust von 84 Prozent.

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