Deutsche Universitäten bereiten ihre Studenten nicht ausreichend auf die berufliche Selbstständigkeit vor. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Handelsblatt gemeinsam mit der Universität Regensburg erstellt hat. Lesen Sie hier, welche Hochschulen beim Ranking am besten abschnitten.
DÜSSELDORF. Deutsche Universitäten machen Studenten nur bedingt fit für die Selbstständigkeit. Zwar hat sich das Gründerklima an den Hochschulen in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert. "Doch es gibt einige Universitäten, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen", sagt der Regensburger Wirtschaftsgeografie-Professor Jürgen Schmude, der zum vierten Mal seit 2001 die Gründungsangebote der Unis untersucht hat.
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Nach einem positiven Fazit im Jahr 2005 fällt Schmudes Urteil dieses Mal deutlich kritischer aus: "Nur wenige Universitäten sind in allen Themenfeldern spitze. Viele Hochschulen haben in einzelnen Bereichen Stärken, weisen in anderen Bereichen aber zum Teil noch deutliche Schwächen auf." Auch das Bundeswirtschaftsministerium hat sich bessere Ergebnisse erhofft: "Wir sind nicht zufrieden mit der Gründungsgeschwindigkeit und den Anstrengungen an vielen Hochschulen, die Gründungsbereitschaft zu erhöhen", bemängelt der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Schauerte.
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2008 soll die Förderung deshalb von derzeit 17 auf 20 Mill. Euro ausgebaut werden. 2009 wird Wirtschaftsminister Michael Glos sogar 31 Mill. Euro zur Verfügung stellen. Davon sollen mehr Gründerstipendien finanziert werden. Zudem will das Ministerium den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und der Wirtschaft verbessern. Dazu sollen Teams prüfen, ob Forschungsergebnisse am Markt durchsetzbar wären. "Wir werden in Zukunft von neuen Ideen leben. Eigentlich darf keine davon verloren gehen", mahnt Schauerte.
Im Ranking liegt die Universität Wuppertal vorn. Sie kann sich als einzige über alle Teilbereiche hinweg im oberen Drittel behaupten - vor allem dank ihres Drei-Säulen-Konzepts: Professoren bieten Vorlesungen und Businessplanseminare für angehende Gründer an. Hinzu kommt ein Institut für Gründungs- und Innovationsforschung und ein Gründerservice. "Das ist eine One-Stop-Agency, die den Studenten bei praktischen Fragen weiterhilft", erklärt Lambert Koch, Professor für Unternehmensgründung in Wuppertal. Die Berater vermittelten etwa Coachings in Marketingfragen, juristische Hilfe und Kontakte zu anderen Gründern.
Positiv wird auch bewertet, dass sich die Angebote der Universität nicht nur an Wirtschaftswissenschaftler richten. "Betriebs- und Volkswirte mit einer Geschäftsidee haben in der Regel keine Scheu davor, einen Businessplan zu schreiben. Natur- und Geisteswissenschaftler aber schon. Also müssen wir sie ganz anders fördern", sagt Koch. Deshalb gebe es in vielen Fachbereichen Ansprechpartner für Gründungswillige.
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Bereits 2001 und 2003 führte Wuppertal die Rangliste an. Nur knapp dahinter landet in diesem Jahr die Universität Potsdam, die ihre angehenden Gründer in ein viertägiges Assessment Center schickt, um deren Motivation und die Geschäftsidee zu prüfen.
Für die Studie hat Schmude die Existenzgründungsangebote an 65 Universitäten untersucht. Das Gesamturteil ergibt sich aus acht Kategorien. Das größte Gewicht haben dabei die Vielfalt und der Umfang der Gründungsausbildung während des Studiums, die "Entrepreneurship Education". Hinzu kommt die Mobilisierung von Studenten und Lehrpersonal.
Tabelle: Die besten Unis für zukünftige Gründer
Da es mittlerweile an vielen Hochschulen Veranstaltungen für zukünftige Gründer gibt, wurde in diesem Jahr die Systematik der Analyse leicht verändert. "Wir haben stärker die Faktoren Umfang, Vielfalt und Qualität gewichtet. Die bloße Existenz von Institutionen reicht nicht mehr aus", sagt Schmude.
Deshalb haben jene Hochschulen deutlich an Punkten verloren, die sich im Wintersemester 2006/2007 und im Sommersemester 2007 nicht oder kaum weiterentwickelt haben. Die Uni Kassel ist etwa von Platz acht auf Platz 32 abgerutscht. In Zukunft müssen Hochschulen laut Schmude stärker darauf setzen, Studenten verschiedener Fachrichtungen zusammenzubringen. "Businessplanseminare eignen sich gut dazu, Naturwissenschaftler und Betriebswirte in kleinen Gruppen miteinander arbeiten zu lassen. Dieses Matching setzt sich langsam durch", sagt der Wissenschaftler.
Auch die Universität Potsdam will das Angebot für ihre Gründer weiterentwickeln. Das "Centrum für Entrepreneurship und Innovation" (CEIP) will sich 2008 verstärkt auf Patente konzentrieren. "Statt Patente zu verkaufen oder zu lizensieren, müssen unsere Studenten stärker darüber nachdenken, sich mit diesem Wissensvorsprung selbstständig zu machen", sagt Dieter Wagner, Institutsleiter des CEIP. "Die Gründungsprojekte werden immer anspruchsvoller - da müssen die Universitäten mithalten."
