Noch weniger Arbeitgeber allerdings haben realisiert, dass auch Männer gleichermaßen wie Frauen Familienpflichten übernehmen wollen oder müssen. Der Personalberater Klaus Leciejewski beobachtet: „Firmen vermerken zwar positiv, wenn ein Mann mit Anfang 30 Frau und Kinder hat, denn dies demonstriert Verantwortungsbewusstsein. Dass der sich zwangsläufig auch um seine Familie kümmern muss, setzen sie damit aber nicht gleich.“
Arbeitgeber fahren immer noch eine „Risikovermeidungsstrategie“, wie Kajus Rottok, Deutschland-Chef der Personalberatung Ray & Berndtson, es nennt. Sie wollen einen Kandidaten, der sich voll und ganz dem Job widmet. Ein Bewerber mit einer Partnerin, die Karriereambitionen hat, mache die Sache nicht einfacher. Gerade kleinere, alteingesessene Firmen setzen auf Führungskräfte, die das tradierte Rollenverständnis leben. Ein Manager, dem die Frau den Rücken für die Karriere freihält, ist für Unternehmen eben bequemer. Zumal dieser viel mobiler und leichter versetzbar ist.
Muss eine Führungskraft berufsbedingt umziehen, organisiert der Arbeitgeber zwar Umzug oder Sprachkurse für die Familie. Die Suche nach einem gleichwertigen Job für den Partner hingegen wird selten unterstützt. „Die Paare schlagen deshalb schon mal ein Angebot zunächst aus oder verzichten auf einen Ortswechsel“, berichtet Studienautorin Kathrin Walther von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft.
Ein Dual Career Service, wie er derzeit in der Wissenschaft Einzug hält, ist in Firmen dagegen noch nicht etabliert. Die Folge: Nicht wenige Eltern mit Karriereambitionen sind gezwungen, zumindestens vorübergehend eine Pendelbeziehung zu führen. Schon allein, um den Kindern einen häufigen Schulwechsel zu ersparen.
Walther: „Sie wollen keine Karriere um jeden Preis, vor allem nicht auf Kosten der Kinder.“ So nehmen die untersuchten Paare Auszeiten oder reduzieren ihre Arbeitszeit. Interessant: Es sind nicht automatisch Frauen, die der Kinder wegen zurückstecken. Die Kunst der Paare besteht darin, immer wieder neu zu verhandeln, wer welche Stufe der Karriereleiter nimmt.
„Mein Mann macht zurzeit eine 1a-Karriere, ich dagegen eher eine 1b-Laufbahn“, erzählt Nina Wessels. Die promovierte Ökonomin hat ihre Beraterkarriere an den Nagel gehängt und arbeitet nun als Director Recruiting bei McKinsey. Zurzeit nimmt sie eine halbjährige Auszeit, um mehr Zeit mit ihren Kindern, zwei und vier Jahre, zu verbringen. Ihr Mann Joachim ist Bereichsvorstand der Deutschen Post. Nina Wessels ist überzeugt, dass sie einen Mütterbonus gewährt bekommt.
Die Studie bestätigt: Väter in Führungspositionen haben es deutlich schwerer, Beruf und Familie zu vereinbaren. Von ihnen verlangen Arbeitgeber noch stärker bedingungslose Einsatzbereitschaft. Nur 29 Prozent der Befragten denken, dass ihr Unternehmen Väter unterstützt, die Familienpflichten übernehmen wollen.
Umso wichtiger sind Doppelkarrierepaare mit Kindern als Vorreiter für eine familienfreundliche Unternehmenskultur. Drei Viertel der befragten Führungskräfte sagen, ihr Verständnis für Kollegen und Mitarbeiter mit Familie sei gewachsen. Personalexperte Rottok: „Macht der Chef frei, weil die Tochter Kindergeburtstag feiert, freut das die Kollegen: Weil sie es sich dann endlich auch herausnehmen können.“
