0 Bewertungen
09.04.2008 
Hedge-Fonds-Manager

Die Profiteure der Finanzkrise

von Michael Maisch

Drei Milliarden Dollar verdiente im vergangenen Jahr der beste Hedge-Fonds-Manager - der angeblich höchste Jahreslohn in der Geschichte der Wall Street. Zwei Phänomene stecken hinter solch astronomischen Summen.

Mit dem richtigen Tipp war trotz der Finanzkrise einiges möglich. Foto: PRLupe

Mit dem richtigen Tipp war trotz der Finanzkrise einiges möglich. Foto: PR

LONDON. John Paulson dürfte zu den wenigen Menschen gehören, die dankbar für den Ausbruch der Subprime-Krise sind. Der 51-jährige New Yorker Hedge-Fonds-Manager wettete schon früh auf einen Absturz riskanter Immobilien-Papiere in den USA und verdiente damit im vergangenen Jahr die sagenhafte Summe von mehr als drei Milliarden Dollar. Damit sicherte sich der bislang kaum prominent in Erscheinung getretene Manager angeblich das höchste Jahressalär in der Geschichte der Wall Street.

Aber auch der Rest der Elite der Hedge-Fonds-Welt muss sich in Sachen Einkommen nicht verstecken. Trotz Finanzkrise haben die zehn besten Manager laut der jährlich vom Fachmagazin Trader Monthly erstellten Liste 2007 rund 14 Milliarden Dollar verdient, so viel wie die Wirtschaftsleistung von Afghanistan und der Mongolei zusammen genommen.


Tabelle  Infografik:Die Top-Verdiener unter den Hedge-Fonds-Managern


Hinter den astronomischen Summen stecken zwei Phänomene. Zum einen fordern Hedge-Fonds von ihren Investoren happige Gebühren, in der Regel zweigen sie 20 Prozent vom Gewinn ab, bei Top-Fonds kann das Honorar auch schon einmal bei 40 Prozent liegen. Zum anderen investieren die Manager erhebliche Teile des eigenen Vermögens in ihre Fonds.

Aber auch für die Investoren zahlt sich das Engagement in den Top-Fonds aus. Einer der Paulson-Fonds erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 590 Prozent. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 28 Milliarden Dollar zählt Paulson & Co. mittlerweile zu den größten Hedge-Fonds der Welt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: An den meisten Hedge-Fonds ging die Finanzkrise nicht spurlos vorbei.

Während die besten Hedge-Fonds die Anleger auch während der Finanzkrise mit attraktiven Renditen verwöhnten, litt die Branche insgesamt unter den Verwerfungen an den Märkten. Im ersten Quartal 2008 verloren Hedge- Fonds im Schnitt 2,8 Prozent an Wert und verzeichneten damit die schlechtesten drei Monate seit 2002. Außerdem zogen die Investoren nach Informationen der Fachzeitschrift Financial News erstmals seit Jahren Kapital ab. Die spekulativen Fonds verwalten nach dem Boom der vergangenen Jahre mittlerweile weltweit rund zwei Bill. Dollar.

Der Aufsteiger auf der diesjährigen Geldrangliste ist Chris Hohn, der Chef des Londoner Hedge-Fonds TCI, mit einem Jahresverdienst von 800 bis 900 Mill. Dollar. Hohn, der einen erheblichen Teil des TCI-Gewinns für notleidendeKinder in der dritten Welt spendet, sorgte vor allem mit seiner Attacke auf die niederländische Großbank ABN Amro für Schlagzeilen. Hohn hatte in einem Brief an das Management eine Aufspaltung des Geldhauses gefordert und damit die größte Übernahmeschlacht der Finanzgeschichte ausgelöst. Neben den Aufsteigern Paulson und Hohn finden sich auf der Geldhitparade auch viele alte Bekannte wieder, wie Paul Tudor Jones, Steve Cohen oder der ehemalige Mathematiker Jim Simons.

Simons Flaggschiff-Fonds Medallion bescherte den Anlegern seit der Gründung 1989 im Jahresschnitt eine Rendite von mehr als 30 Prozent, und gilt damit als erfolgreichster Hedge-Fonds überhaupt. Allerdings verwaltet Medallion seit Jahren nur noch das Geld der Angestellten von Simons Firma Renaissance Capital. Auch am Altmeister der Hedge-Fonds ging die Finanzkrise nicht spurlos vorüber. Simons Institutional verlor 2007 ein Prozent seines Wertes, der erste Verlust eines Renaissance Fonds seit 20 Jahren.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Es muss nicht immer die große Liebe sein  Artikel in Merkliste

29.08.2008, 11:49 Uhr von Hans G. Nagl

Eine Traumhochzeit ist es sicherlich nicht – die kurz vor der Verkündung stehende Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank. Doch Vernunftehen halten ohnehin häufig besser. Zumal wenn beide Akteure so getrieben sind wie Allianz-Chef Michael Diekmann und sein Commerzbank-Gegenüber Martin Blessing. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

König der Löwen  Artikel in Merkliste

29.08.2008, 05:21 Uhr von Hans-Peter Siebenhaar

Nun geht der kompromisslose Westfale auf die Jagd nach Löwen. Bertelsmann-Chef Ostrowski braucht dringend neue, löwenstarke Wachstumstreiber. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Werbesprüche-Quiz: Auf Kundenfang mit dem Wir-Gefühl

Los geht's!Seit 1990 ist „Wir“ das wichtigste Wort in der Werbesprache. Wissen Sie, wer noch mit dem Sinn für Gemeinschaft auf Kundenfang geht?
Testen Sie Ihr Wissen!
Anzeige