Was ist, wenn Chefinnen Mutter werden und dann Teilzeit arbeiten möchten?
Meist bleiben unsere Managerinnen nach der Geburt ein Jahr zu Hause. Oder arbeiten zunächst nur ein paar Stunden, um Anbindung an Know-how und Kollegen zu behalten. Danach arbeiten viele Teilzeit, zum Beispiel in einer Vier-Tage-Woche. Gerade bin ich dabei, auch den Posten des Möbelhauschefs für Teilzeitmodelle zu öffnen. Anfangs war ich skeptisch, aber heute bin ich überzeugt: Job-Sharing kann auf allen Führungsebenen funktionieren – das Entscheidende ist, dass die Personen harmonieren und der Informationsfluss stimmt. Bei Ikea in Holland habe ich Job-Sharing testen lassen – mit Erfolg. Aber ich weiß wohl, welche Herausforderung es ist – insbesondere für Managerinnen –, Kinderbetreuung zu organisieren. Führung heißt ja, ich gebe einen Teil von mir selbst. Wer dann nicht frei ist, nicht die Sicherheit hat, sich auf seinen Job voll einzulassen, bekommt Probleme.
Ikea schreibt ja Familie ganz groß. Warum haben Sie dann erst vor einem Jahr mit dem Takatuka-Land in Ludwigsburg die erste Kita für Ikea-Kinder eröffnet?
Das entspricht nur konsequent der Ikea-Philosophie. Wie unseren Kunden, die Möbel selbst aufbauen, sagen wir auch unseren Mitarbeitern: „Einen Teil machst du, einen Teil machen wir.“ Wir können und wollen keine Kita betreiben. Aber wir unterstützen gerne gute Elterninitiativen. Derzeit laufen bereits drei ähnliche Kita-Projekte in Wallau, Dresden und Erfurt.
War für Sie immer klar, dass Sie mal die große Karriere machen?
Anfangs war mein Traum, mal Chefin eines Ikea-Hauses zu werden. Ich hatte immer Menschen, die an mich glauben. Menschen, die überzeugt waren, ich könnte eine größere Verantwortung übernehmen, und mir auch die Freiheit dazu gaben. Aber nicht, weil ich eine Frau bin. Außerdem habe ich meine Ziele immer klar geäußert. Etliche Frauen machten im Beruf den Fehler, dass sie darauf warten, angesprochen zu werden.
Versuchen manche Frauen im Job, die besseren Männer zu sein?
Ich kann auch mal auf den Tisch hauen, wenn sich eine Diskussion endlos hinzieht. Aber es gibt Karrierefrauen, die strahlen Härte aus. Manche unterliegen sogar dem Irrglauben, Härte demonstrieren zu müssen. Bei wirklich erfolgreichen Frauen fällt mir immer wieder auf: Sie sind professionell im Job und zugleich authentisch als Frau. Sie verstecken ihre weibliche Komponente nicht – aber kokettieren eben auch nicht damit.
Das Gespräch führte Katrin Terpitz.
Petra Hesser
1958: geboren in Neckarsulm, studiert sie nach Einzelhändler-Lehre BWL an der FH Rheinland-Pfalz. Nach Traineeprogramm bei Hertie steigt sie 1984 bei Ikea ein.
1995: Hesser wird Ikea-Personalchefin. Drei Jahre leitet sie Ikea Niederlande.
Seit 2006: Deutschland-Chefin mit 12 500 Mitarbeitern.
