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11.05.2007 
Personalberatung

Headhunter sind Mangelware

von Julia Leendertse und Claudia Tödtmann

Für Headhunter läuft es gerade außerordentlich gut. Sie können sich derzeit vor Aufträgen kaum retten. Das Geschäft läuft sogar so gut, dass mancher von ihnen mit seinen Kapazitäten schon am Ende ist. Headhunter sind bereits Mangelware und die Aufgabe wird immer komplizierter.

Kandidaten einzufangen ist schwieriger als Cowboy-Arbeit: Jeder Zweite besteht auf Ausstiegsklauseln im Vertrag. Foto: apLupe

Kandidaten einzufangen ist schwieriger als Cowboy-Arbeit: Jeder Zweite besteht auf Ausstiegsklauseln im Vertrag. Foto: ap

„Personalberater selbst sind bereits Mangelware“, berichtet Joachim Staude, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU). Die Headhunterbranche boomt, allein im vergangenen Jahr legte sie rund 20 Prozent an Umsatz zu und kam auf 1,15 Milliarden Euro Marktvolumen. Ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar. Im Gegenteil, wenn die Demographiefalle endgültig zuschnappt – bei Ingenieuren, Wirtschaftsprüfern und in manchen Branchen wie dem Schiffs- oder Maschinenbau ist sie es bereits – wird auch der letzte Personalchef aufwachen.

Im Klartext: Die Personalberater schwimmen in Aufträgen. Kienbaum Executive Search zum Beispiel. Tiemo Kracht, Partner und Geschäftsführer von Kienbaum Executive Consultants, jubelt: „Dieses Frühjahr war das beste, das wir je hatten. Und es läuft sogar noch besser, als in der New-Economy-Ära vor rund sieben Jahren.“ Denn damals war das Marktvolumen der ganzen Branche noch um 120 Millionen Euro größer.

Auch Ulrich Schumann, Managing Partner beim Personalberater Boyden, verkündet stolz: „Seit drei Jahren legen wir jedes Jahr zweistellig zu.“ Bei Heidrick & Struggles sind es laut BDU vier Prozent Zuwachs – obwohl gleich mehrere renommierte Partner wie Christoph Netta, Matthias Hiebeler oder Barbara Hartmann abwanderten und inzwischen bei Heads anheuerten. Interims-Manager-Experte Michael Pochhammer wanderte zu Signium ab. Auch Tiemo Kracht, der heute bei Kienbaum ist, zählt zu den Abtrünnigen von Heidrick & Struggles.

Doch einfach ist die Arbeit für Headhunter nicht. Manchmal versuchen gerade jüngere Kandidaten unter 35 Jahren zu pokern. Macht ihnen ein Unternehmen ein Angebot, ziehen sie plötzlich drei weitere Offerten anderer Unternehmen aus dem Ärmel. Schumann: „Das machen die aber aus Unerfahrenheit und in dem Glauben, dass man sich so was leisten kann.“ Krachts Fazit: „Der Markt ist bereits heute ein Kandidatenmarkt.“ Oft müssen schon Ausländer gesucht werden, weil deutsche Führungskräfte bereits Mangelware sind. „Manche haben fünf Angebote gleichzeitig, unter denen sie wählen können“, erläutert Kracht weiter. Inzwischen sind Personalberater schon wieder froh, wenn sich Wechselwillige bei ihnen melden – das war lange anders.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was den Headhuntern die Arbeit erschwert.

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