Rankings stehen häufig in der Kritik, ihre Aussagekraft wird wegen methodischer Probleme angezweifelt: Die Befragung von Personen, die Einbeziehung von Schätzungen und Bewertungen ist als objektives Messinstrument eben nicht unfehlbar. Schon gar nicht bei Listen, die den Beteiligten und Genannten die Welt bedeuten.
Die vorliegende Studie "Welche Universität bietet die besten Chancen?" der Universität Regensburg geht einen anderen Weg und unterscheidet sich von vergleichbaren Veröffentlichungen: "Objektivität, Nachvollziehbarkeit und Validität", nennt Initiator Jürgen Schmude die methodische Essenz.
Objektivität
Grundlage der Bewertung sind objektiv erhobene Rahmenbedingungen, Kennzahlen und Daten der einzelnen Universitäten. Subjektive Einschätzungen und Meinungen spielten keine Rolle.
Im Wintersemester 2004/2005 und im Sommersemester 2005 haben Schmude und sein Team Datenmaterial gesammelt: Mit Fragebögen, die an die Universitäten verschickt wurden, mit Patentrecherchen, mit verdeckten Briefen und Emails an die Studienberatungen der einzelnen Universitäten und einem ausgiebigen Blick in die Vorlesungsverzeichnisse der Hochschulen.
ThemenfelderVon der Herangehensweise unterscheidet sich die aktuelle Studie lediglich in Nuancen von ihren Vorgängern aus den Jahren 2001 und 2003. Die Aufteilung der Bewertung in Themenfelder wurde wieder benutzt. "Das bietet den Vorteil, sowohl eine Gesamt- als auch Teilranglisten berechnen zu können", erläutert Schmude. Außerdem seien die Ergebnisse so vergleichbar mit den vorherigen Studien.
Acht Themenfelder blieben ohne Modifikationen bestehen. Ebenso gleich geblieben ist die Zahl der Einzelkriterien (47), die Gewichtung der Bausteine und die maximal erreichbare Punktzahl von 400.
Den mit 50 Prozent schwergewichteten Kernbereich des Rankings stellen nach wie vor die Themenfelder "Entrepreneurship-Lehrangebot" und "Vermarktung des Angebots" dar. "Diese Kategorien sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, breiten Gruppen Zugang zur Gründungsthematik zu gewähren", erklärt Jürgen Schmude.
Punkte sammeln
Basis für die objektive Bewertung im Ranking ist die Operationalisierung der Themenfelder, die Aufgliederung der Ranking-Bausteine in einzelne Kriterien. Auf zwei verschiedene Arten werden Punkte gesammelt: Bei der proportionalen Punktevergabe gibt es die Möglichkeit zu abgestuften Wertungen, bei der Ja/Nein-Entscheidung gilt "schwarz oder weiß". Gibt es etwas, gibt es volle Punktzahl. Gibt es etwas nicht, gibt es auch keine Punkte.
EntwicklungenIm Vergleich zu den Vorjahren haben die Regensburger Forscher ihre Expertendatenbasis ausgeweitet. Das betrifft sowohl den Personenkreis, der im Rahmen der Vorbereitungen befragt wurde, als auch die Experten, Dozenten und Berater, die im Verlauf der empirischen Ergebungen kontaktiert wurden. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Internets ist außerdem der Online-Auftritt stärker in das Ergebnis miteingeflossen.
Die Zahl der bewerteten Universitäten haben die Regensburger mit der vorliegenden Rangliste weiter reduziert: Während die Studie aus dem Jahr 2003 noch 75 Universitäten berücksichtigte, sind es im aktuellen Ranking 72 Hochschulen. Diese Verringerung begründen die Macher der Studie mit einer noch strikteren Auslegung der Auswahlkriterien. "Es sollen möglichst vergleichbare Grundvoraussetzungen herrschen", unterstreicht Jürgen Schmude. Deshalb wurde die Universität Witten-Herdecke (einzige private Universität im Ranking), die Fernuniversität Hagen (andere strukturelle Voraussetzungen) und Hochschule Vechta (geringe Größe) aus dem Sample herausgenommen.
Ergebnisse und Einschätzungen
"Die Aussagekraft der Studie liegt nicht in der Betonung einzelner Platzierungen, sondern vielmehr in den Schlussfolgerungen, die sich aus der Zuordnung der Universitäten zu verschiedenen Bereichen der Tabelle ergeben", betont Schmude. Universitäten, die 50 Prozent der Punkte und mehr erreicht haben, gelten als gut bis sehr gut. Als durchschnittliches Ergebnis wertet die Studie Punktzahlen zwischen 50 und 25 Prozent. Alles unter 25 Prozent ist unterdurchschnittlich.
Sieger ist in diesem Jahr die Universität Lüneburg. Mit den erreichten 344 von 400 Punkten hat die Hochschule das bislang beste Ergebnis aller drei Studien erreicht und liegt vor den Universitäten aus Potsdam (333 Punkte) und Wuppertal (329) . "Aber auch dort haben sich ähnlich hervorragende Strukturen herausgebildet, die als Positivbeispiele für die Universitätslandschaft in Deutschland gelten können", lobt Jürgen Schmude.
