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11.11.2005 
Gehaltsniveau Frau/Mann

Treue Frauen bestraft die Firma

von Julia Leendertse

Managerinnen in spe müssen sich ihren Arbeitgeber sehr genau aussuchen, wollen sie so viel verdienen wie Männer: Das Gehaltsgefälle ist längst nicht beseitigt. Frauen werden zudem häufig Opfer ihrer stärkeren Treue zu einem Unternehmen - die schneller wechselnden Männer klettern die Karriereleiter fixer hoch.

DÜSSELDORF. So offen und ehrlich sind Personalabteilungen selten. Und womöglich bereuen die Novartis-Personaler ihre Offenheit auch schon: Im April vor eineinhalb Jahren zahlte der Pharmakonzern jeder dritten Angestellten in der Schweiz einen Gleichstellungsbonus. Um „historisch gewachsene Lohndifferenzen“ auszugleichen. Und das erklärte der Konzern damals auch noch stolz per Pressemitteilung.

Tatsächlich hatte ein betriebsinterner Gehaltsvergleich gezeigt, dass viele Frauen im Vergleich zu den Männern bei Novartis zu wenig verdienten. Für die Bereitschaft, der Ungleichbehandlung zu begegnen, ernteten die Baseler in der Schweiz viel Lob. Doch kaum ein Jahr später landete Novartis in den USA wegen Frauendiskriminierung vor dem Kadi. Zwölf Novartis-Mitarbeiterinnen verlangen Schadensersatz und prangern jetzt den Chemieriesen an, Frauen systematisch zu benachteiligen: Bei der Ausbildung, der Karriere, aber auch beim Lohn. Ihre Forderung: 100 Millionen US-Dollar.

Ob der Gleichstellungsbonus für die Mitarbeiterinnen in der Schweiz nur eine Feigenblattaktion war und Novartis tatsächlich Frauen systematisch benachteiligt, darüber wird bald das Bundesgericht in New York entscheiden. Die Klage zeigt: Das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen ist längst nicht beseitigt.

Eine Analyse der Gehaltsstrukturen in elf europäischen Ländern beweist, dass Frauen immer noch weniger verdienen als Männer. 225 000 Mitarbeiterdaten aus 600 Großunternehmen aller Branchen hat die Unternehmensberatung Towers Perrin in Frankfurt für das Handelsblatt in einer Benchmarking-Studie unter die Lupe genommen. Teilnehmer sind solche, die sich ohnehin schon um ein professionelles Vergütungsmanagement bemühen – also ein Vergleich der fortschrittlicheren Firmen. Ergebnis: Das Gehaltsgefälle ist in Deutschland mit 20 Prozent am größten. „Am besten stehen sich noch die Frauen in Irland und Norwegen“, resümiert Vergütungsexpertin Jutta Kömm von Towers Perrin. „Da liegt der Gehaltsabstand nur bei neun und elf Prozent.“ Ähnlich schlecht wie in Deutschland schneiden nur die Frauen in Spanien (19 Prozent), Österreich (17 Prozent) und Polen (16 Prozent) ab.

Das einzige Trostpflaster: „Je höher Frauen in der Hierarchie steigen, desto geringer werden die Gehaltsunterschiede“, weiß Petra Knab-Hägele, Partnerin bei Towers Perrin. „In hohen Positionen wie der zweiten und dritten Führungsebene als Abteilungs- oder Bereichsleiter verdienen Frauen heute genauso viel wie Männer.“ Mehr noch: Frauen, die sich in Männerdomänen wie Forschung & Entwicklung, Ingenieurwesen und Kundentechnik vorwagen, überflügeln manchmal sogar die Männer. Das Fazit von Knab-Hägele: „In den vergangenen Jahren haben viele Großunternehmen ihre Personal- und Vergütungspolitik professionalisiert – und davon haben auch die Frauen dort profitiert.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: In kleineren Unternehmen sind Frauen öfter benachteiligt.

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