Kinder sind Karrierekiller, Kinder gleich Karriereknick – Klischees dieser Art scheinen in vielen Köpfen fest zementiert. Doch der Verzicht auf Nachwuchs zahlt sich nicht aus – zumindest nicht für aufstiegsorientierte Akademikerinnen in typischen Männerberufen.
Erfolgreich trotz Kind: Frauen mit Nachwuchs sind beruflich im Schnitt erfolgreicher als ihre kinderlosen Kolleginnen. Foto: dpa
DÜSSELDORF. „Aus Angst vor einem Karrierebruch wagen viele aufstrebende Frauen gar nicht erst, Kinder zu bekommen“, bedauert Headhunter Klaus Leciejewski von KDL Consulting in Köln. In Männerdomänen spielen Frauen zwar meist die zweite Geige. Allerdings: Mütter machen dort eher Karriere als Kinderlose.
Technikerinnen und Naturwissenschaftlerinnen mit Nachwuchs sind beruflich im Schnitt erfolgreicher als ihre kinderlosen Kolleginnen. „Allerdings nur, wenn sie nach kurzer Babypause wieder voll einsteigen“, betont die Soziologin Yvonne Haffner von der TU Darmstadt. Sie untersuchte die Situation von 7 500 Ingenieuren, Informatikern, Physikern und Chemikern – zur Hälfte Frauen. Anders als im Mikrozensus verglich sie erstmals voll berufstätige Frauen – mit überraschendem Ergebnis.
Fast 40 Prozent der 31- bis 40-jährigen Mütter in Vollzeit waren erfolgreich im Job, aber nur 27 Prozent der kinderlosen Kolleginnen. Den Erfolg maß Haffner an Personal- und Budgetverantwortung, Einkommen, Position und Prokura. Jedoch zeigt die Studie auch: In technisch-naturwissenschaftlichen Berufen gilt wie überall – Frauen machen weitaus seltener Karriere als Männer. „Obwohl sie im Schnitt viel bessere Abschlüsse haben“, so Haffner in ihrem Buch „Mythen um männliche Karrieren und weibliche Leistung“ (Verlag Barbara Budrich, 2007). Auch Väter klettern auf der Karriereleiter im Schnitt deutlich höher als Kinderlose. Das gilt für Männer aller Berufsgruppen, belegte der Mikrozensus.
Warum aber ist eine Ingenieurin mit Kind im Job erfolgreicher als ihre kinderlose Kollegin? Das untersucht die Studie nicht. Ulrike Detmers, BWL-Professorin an der Fachhochschule Bielefeld und Managerin bei der Gütersloher Großbäckerei Mestemacher, stellt klar: „Kinder zu haben ist keine Voraussetzung für gutes Management.“ Doch zumindest die Wahrnehmung durch andere scheint sich dann zu ändern. „Mütter umgibt weniger die kühle Aura einer Karrierefrau, die oft so abschreckend wirkt“, beobachtet Personalexperte Leciejewski.
Und: Familie verschafft einen gesunden Abstand zum Job. Der Headhunter hat die Erfahrung gemacht, dass Managerinnen mit Kind wesentlich ausgeglichener sind: „Karrieremütter lassen sich von den täglichen kleinen Katastrophen im Job nicht so leicht aus der Fassung bringen.“ Dies kann Sandra Neuwirth, Teamleiterin Komponentendisposition bei Daimler-Chrysler in Berlin und Mutter eines Dreijährigen, nur bestätigen. „Ich bin noch gelassener, meide ,Zeitfresser’ und versuche, jede Minute effektiv zu nutzen.“ Auch Detmers, die seit 2002 den Preis „Managerin des Jahres“ verleiht, konstatiert: „Familiäre Erfahrungen können sich positiv auf die Team- und Führungsfähigkeit auswirken. Zu gewährleisten ist das aber nicht.“
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer nicht ständig verfügbar ist, wird kritisch beäugt
