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07.03.2007 
Gehaltsvergleich

Weiblich, gebildet, unterbezahlt

In Deutschland beträgt das Lohngefälle 22 Prozent, deutlich mehr als der europäische Durchschnitt von 15 Prozent. Größer ist die Schere nur noch in Zypern, Estland und der Slowakei. Das geht aus dem ersten Gleichstellungsbericht der EU-Kommission hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Es ist zum Haare raufen: Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. Foto: dpa Lupe

Es ist zum Haare raufen: Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. Foto: dpa

HB BRÜSSEL/BERLIN. Der Bundestag debattiert am Internationalen Frauentag am morgigen Donnerstag über die anhaltende Benachteiligung von Frauen im Berufsleben. Union und SPD verlangen in einem gemeinsamen Antrag, die Ungleichheiten bei gleichwertiger Arbeit zu beseitigen und die Gleichstellung bei weiteren Arbeitsmarktreformen stärker zu berücksichtigen. Alarmierend sei die Situation bei den Führungspositionen: Selbst in kleinen Betrieben seien Frauen nur zu 13 Prozent in der Leitungsebene vertreten. In den Vorständen der deutschen DAX-Unternehmen gebe es keine einzige Frau.

Frauen seien die Antriebskraft beim Beschäftigungswachstum in Europa und besetzten drei von vier neu geschaffenen Arbeitsplätzen, berichtete in Brüssel der zuständige EU-Kommissar Vladimir Spidla. „Aber es gibt immer noch zu viele Barrieren, die sie daran hindern, ihr Potenzial voll auszuschöpfen“, kritisierte er. Zentrale Bedeutung misst der Bericht, der dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag vorgelegt werden soll, einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu.

So sei es bemerkenswert, dass die Beschäftigungsquote von Frauen zwischen 20 und 49 Jahren um 15 Prozent zurückgehe, wenn sie ein Kind haben, während die der Männer um sechs Prozent steige. Auch seien Frauen mit knapp 33 Prozent weitaus häufiger in Teilzeit beschäftigt als Männer (7,7 Prozent). Als Haupthindernisse einer besseren Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben nennt der Bericht unter anderem den Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen, finanzielle Faktoren, Karrierenachteile und Probleme bei der Rückkehr in den Beruf.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Karrierebremsen in Wissenschaft und Wirtschaft

Dabei haben die Frauen die Männer inzwischen bildungsmäßig überflügelt, wie Spidla erklärte: 59 Prozent der Hochschulabsolventen sind weiblich. Allerdings fallen sie auf der akademischen Karriereleiter wieder zurück; nur 43 Prozent erlangen einen Doktortitel und nur 15 Prozent den Grad eines Professors.

Auch in Politik und Wirtschaft haben die Männer das Sagen: Der durchschnittliche Frauenanteil in den Parlamenten der 27 EU-Staaten lag 2006 bei nur 24 Prozent, wobei Deutschland und Österreich mit über 30 Prozent noch gut abschneiden. Von den Managern in europäischen Wirtschaftsbetrieben waren 32 Prozent weiblich.

Das starke Lohngefälle von 22 Prozent wird von einer Online-Umfrage des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung bestätigt. Danach verdient beispielsweise eine Großhandelskauffrau monatlich 2.188 Euro brutto und damit 504 Euro weniger als ihr Kollege, eine Informatikerin liegt mit 3.971 Euro um 381 Euro hinter einem Mann zurück, und eine Köchin bekommt mit 1.505 Euro rund 360 Euro weniger als ein Koch. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock nannte es einen Skandal, dass Frauen im Arbeitsleben immer noch nicht gleichberechtigt seien. Von der Politik forderte sie konkrete Maßnahmen: „Appelle sind gut, verbindliche Regelungen besser.“ Auch Grüne und Linksfraktion drangen auf gesetzliche Vorgaben.
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