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26.03.2008 

Genau darin lauert die Gefahrt, auch für den Überbringer der Botschaft selbst. „Wo immer in der Kommunikation ein Vakuum entsteht, werden Gift, Müll und Unrat hineingeworfen“, schrieb der britische Publizist Cyril N. Parkinson. Das kurzfristige Überlegenheitsgefühl, etwas zu verkünden, das noch keiner kennt, kann zum Pyrrhussieg werden. Erstens, weil am Werfer immer etwas vom Dreck kleben bleibt. Zweitens, weil Lästern nicht gerade von noblem Charakter zeugt. Drittens, weil sich die Mitteilung als unwahr herausstellen kann. Dann gilt der Urheber entweder als Lügner oder als ahnungsloser Wichtigtuer. Und nichts schadet der Laufbahn so sehr wie der Ruf, ein Schwätzer zu sein.

„Wer tratscht, verbaut sich Wege“, warnt Stefan Koop, Geschäftsführender Gesellschafter bei der Personalberatung Delta Management Consultants in Hamburg, vor einer allzu losen Zunge. Für die Belegschaft mag Klatsch ein gutes Regulativ sein, um Druck abzubauen und über Chefs und andere Evolutionsfehler herzuziehen. Aber je höher man in der Hierarchie aufsteigt, „desto gefährlicher und justiziabler wird das“, sagt Koop. Schon ein leichtfertiger Kommentar à la „Mann, sieht Stefanie heute scharf aus“ kann eine Abmahnung zur Folge haben.Im Top-Management wird Geschwätzigkeit zum Karrierekiller. Mangelnde Diskretion diskreditiert jeden noch so aussichtsreichen Aufsteiger und nährt den Verdacht, er könnte seiner Neigung auch an empfindlichen Stellen nachgeben, etwa Personalien oder Bilanzzahlen. Schon König Salomo warnte seine Eleven: „Wer als Schwätzer umgeht, plaudert Geheimnisse aus. Darum lasse dich nicht mit einem ein, der viel redet.“

Die Dosis macht das Gift

Umgekehrt wäre es zwar anständig, aber auch dämlich, sich kategorisch herauszuhalten. Denn Büroklatsch erfüllt durchaus wichtige soziale Funktionen. Zum einen stärkt er den Zusammenhalt der Gruppe, zum anderen transportiert er unterschwellig deren Werte. Wenn alle über den knickrigen Chef lästern, der den Schampus zu seiner Geburtstagsfeier nicht aus eigener Tasche bezahlte, dann sagen sie damit auch etwas über ihr Anstandsempfinden aus.

Die Dosis macht das Gift. Beim Tratschen sollte jeder „zwischen harmlosem Small Talk und diffamierendem Gerede unterscheiden“, rät Marcus Schmidt, Geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Hanover Matrix in München. Diffamierungen seien ein absolutes Tabu, Small Talk hingegen sei ein nützliches Instrument zum Eigenmarketing. Getratscht wird so oder so, die Kunst sei, so Schmidt, den Flurfunk dann „entweder zu kanalisieren oder richtig zu nutzen“.

Das gilt besonders für die Opfer gezielter Rufschädigung (siehe Kasten Seite 111). Wer solchen Intrigen ausgesetzt ist, kann sie nur selten bis zur Quelle zurückverfolgen und sich kaum wehren. So geraten die Betroffenen in die Defensive, verbrauchen ihre Energie mit Rechtfertigungen, während ihre Produktivität immer weiter sinkt.

Lesen Sie weiter auf Seite 7: Was gegen die Gerüchteverbreiter hilft.

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