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30.03.2008 
Sozialer Aufstieg

Wo, bitte, geht’s zur Elite?

von Christian Schlesiger, Liane Borghardt, Michael Kroker, Sebastian Matthes und Wirtschaftswoche

Sozialer Aufstieg von unten nach oben ist selten – vor allem in der Wirtschaft. Dabei hat es noch nie so viele Institutionen gegeben, die die Leistungsträger von morgen fördern. Doch nicht alle profitieren gleichermaßen von den Elite-Schmieden. Wie die Managerauslese tatsächlich funktioniert.

Der Inbegriff der Elite Universität: Das Gebäude der renommierten Harvard-Universität in Boston. Foto: ArchivLupe

Der Inbegriff der Elite Universität: Das Gebäude der renommierten Harvard-Universität in Boston. Foto: Archiv

Es ist brutal, aus bescheidenen Verhältnissen zu stammen. Stephan Jansen weiß das nur zu gut. Als er vor gut 14 Jahren begann, Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke zu studieren, fühlte er sich zwischen all den Kindern reicher Eltern so "fehl am Platz", dass er sein Studium nach zwei Semestern beinahe abgebrochen hätte. Dabei war es nicht einmal der fehlende Reichtum, der ihn als Bafög-Empfänger irritierte, sondern, wie er es nennt, sein "fehlendes Sozialkapital": Die anderen konnten durch die "undurchsichtigen Türen der Netzwerkgesellschaft" gehen, kannten die feinen Unterschiede in besseren Kreisen und konnten die heimlichen Erkennungssignale der Eliten in Wirtschaft, Kultur und Politik entziffern. Nicht so Jansen, dem am Ende eine gute Freundin den Studienabbruch ausreden konnte. Zum Glück für ihn - und für uns alle.

Spätestens seit fünf Jahren ist Jansen einer der Leistungsträger und Vordenker, die unsere Gesellschaft voranbringen. Damals wurde er - mit nur 31 Jahren - Präsident der privaten Zeppelin Universität am Bodensee, die er bis heute leitet. Die Stärke der Uni ist die fachübergreifende Lehre: mehr Gesellschaftstheorie, mehr Coaching der Studenten, mehr Forschungsorientierung. Das Präsidialamt ist nur einer seiner zahlreichen Jobs: Jansen berät Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sowie das Forschungsministerium und veröffentlichte schon mehr als zwölf Bücher über Netzwerke, Kapitalmärkte und Fusionen — seine Diplomarbeit schaffte es gar als Standardwerk an die Harvard Business School.

Keine Frage, Jansen gehört zur deutschen Elite. Als Meinungsmacher und Universitätspräsident verändert er die Gesellschaft von innen heraus. Sein Beispiel zeigt aber auch: Es hätte nicht viel gefehlt, da wäre alles ganz anders gekommen.


Tabelle  Infografik: Bürgertum verliert Einfluss.


Wer aufsteigt und wer nicht, das hängt in Deutschland nicht nur von Leistung ab. Auch soziale Herkunft spielt eine Rolle, eine große sogar. So schaffen es etwa in die Chefetagen der Wirtschaft auffallend häufig Manager aus besser gestellten Elternhäusern: aus Akademiker-, Beamten- und Managerfamilien. Sie verfügen vom Start weg über beste Kontakte, können sich teure Bildung leisten und besitzen oft ein größeres Selbstbewusstsein, das sie mutiger macht und ihnen das verleiht, was die Mediengesellschaft sucht und verehrt: Charisma.

Soziale Aufsteiger dagegen sind immer noch selten. Von ganz unten nach ganz oben - wer das schaffen will, muss doppelt so hart schuften und wesentlich besser sein als der Rest. Vor allem aber müssen diejenigen die richtigen Förderer finden und die subtilen Spielregeln der Macht erlernen, die andere bereits im Kinderzimmer inhalieren. Das ist nicht unmöglich, aber selten.

Eliten. Schon das Verhältnis der Deutschen zu dem Begriff ist ambivalent. Er klingt nach Ungleichheit und Ungerechtigkeit, ach denen da oben und den anderen dort unten. Dabei geht es gar nicht ohne. Eliten, das sind Personen, die "qua Position maßgeblichen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung ausüben können", sagt Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt, der renommierteste Elitenforscher in Deutschland. Jedes Land braucht sie. Im Sinne Max Webers verfügt jede Gesellschaft über Eliten in Politik (zum Beispiel Minister), Wissenschaft (Rektoren), Militär (Generäle) und Wirtschaft (Top-Manager). Die entscheidenden Fragen lauten: Woher sollen die Spitzenkräfte kommen? Wie werden sie identifiziert und gefördert? Wie durchlässig ist das System?

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der undurchlässige Weg nach oben.

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