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20.02.2008 
Alfons Frenk, Edeka

Abschied bei Nacht und Nebel

von Christoph Schlautmann

Nebelkerzen, Geheimniskrämerei, Maulkörbe für hochrangige Genossenschaftler – seinen Abgang als Edeka-Chef hat Alfons Frenk genau so inszeniert, wie es ohnehin jeder von dem eigenwilligen Niedersachsen erwartet hätte. Allein der Zeitpunkt überrascht.

Abschied zu einem unerwarteten Zeitpunkt: Edeka-Chef Alfons Frenk. Foto: apLupe

Abschied zu einem unerwarteten Zeitpunkt: Edeka-Chef Alfons Frenk. Foto: ap

DÜSSELDORF. Mitten in der schwierigen Integration der SB-Warenhaustochter Marktkauf und kurz nach der Übernahme der Discountkette Plus wirft der 57-Jährige Frenk die Brocken hin – wegen der „familiären Situation“, wie es nichtssagend aus der Hamburger Zentrale heißt. Nachfolger wird Finanzchef Markus Mosa.

Um den Wirbel gering zu halten, wählte Edekas Pressestelle für die Rücktrittsrede ihres Vorstandsvorsitzenden kurzfristig exakt den Zeitpunkt aus, an dem sie nahezu die komplette Branchenpresse 425 Kilometer weiter südlich wusste. In Köln nämlich hatte Rewes Vorstandschef Alain Caparros gleichzeitig am späten Dienstagabend zur Präsentation seiner vorläufigen Jahresergebnisse geladen. Am Morgen darauf folgte eine Pressemeldung aus Hamburg, deren Brisanz sich nur dem geduldigen Leser offenbarte: Erst auf Seite drei, weit unten, stand etwas von Frenks überraschendem Rücktritt.

„Frenks Frau ist sehr krank“, heißt es dazu scheinbar vertraulich in Edekas Pressestelle – Alfons Frenk, ein ähnlicher Fall wie bei Franz Müntefering? Wie schon beim Rücktritt des SPD-Parteichefs bleiben an Frenks Begründung erhebliche Zweifel. „Der Edeka-Chef hat sich zu sehr in seinem Erfolg gesonnt“, glaubt Volker Dölle, Unternehmensberater und Kenner des größten deutschen Lebensmittelhändlers. „Nun haben ihn die Genossenschaftler ausgebremst.“

Für Dölles Einschätzung gibt es stichhaltige Indizien. Die Bestellung Frenks zum Vorstandsvorsitzenden, die er am 1. Mai 2003 erhielt, läuft zum 30. April 2008 aus. Eine Wiederbestellung, die üblicherweise vom Aufsichtsrat bereits ein Jahr im Voraus beschlossen wird, liegt aber bis heute nicht vor. Allein Frenks Anstellungsvertrag, der Gehaltshöhe, Dienstwagen und Urlaubstage regelt, hat Edekas Personalausschuss im Vorgriff notdürftig um ein Jahr verlängert – was der Grund dafür sein dürfte, dass der in Osnabrück wohnende Hobby-Radsportler laut Pressemeldung dem Unternehmen zunächst als „Berater“ erhalten bleibt.

Während sich Frenk am Dienstagabend noch damit brüstete, das Jubiläumsjahr 2007 sei „das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte“ gewesen, kreiden Kritiker dem examierten Wirtschaftsprüfer eine wenig solide Unternehmensführung an. So prahlte Frenk im vergangenen Sommer mit einem Betriebsergebnis von 1,09 Milliarden Euro und einer respektablen Umsatzrendite von 3,5 Prozent. In Wirklichkeit aber sah die Lage zu diesem Zeitpunkt in Hamburg völlig anders aus. Frenk hatte kurzerhand zum Betriebsgewinn der von ihm geführten Edeka Zentrale AG die Ergebnisse der Edeka-Regionalgesellschaften hinzugerechnet. Die aber gehören zur Hälfte selbstständigen Kaufleuten. Und auch deren Gewinne addierte sich Frenk ins Ergebnis.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verschleiernde Rechenakrobatik

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