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14.05.2008 
Geplatzter Einstieg eines Investors

Alfred Ötsch sitzt auf dem Schleudersitz

von Tanja Kewes und Oliver Stock

Der Chefposten bei der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines gilt als Schleudersitz. Nach nur zwei Jahren könnte der nun endgültig geplatzte Einstieg eines saudi-arabischen Investors den Vorstandschef Alfred Ötsch wieder nach draußen katapultieren. Denn dem ehemaligen Siemens-Manager fehlen nun nicht nur 150 Millionen Euro in der Kasse und für die Expansion.

Vorstandschef Alfred Ötsch hält an seiner Strategie einer eigenständigen Austrian Airlines fest. Offen ist, wie lange er sich das noch leisten kann. Foto: ReutersLupe

Vorstandschef Alfred Ötsch hält an seiner Strategie einer eigenständigen Austrian Airlines fest. Offen ist, wie lange er sich das noch leisten kann. Foto: Reuters

DÜSSELDORF/WIEN. Alfred Ötschs von der Regierung der Alpenrepublik gestützte Strategie der selbstbewussten Eigenständigkeit gerät ins Wanken. Den Rückhalt der österreichischen Regierung, die die Austrian Airlines (Aua) kontrolliert und von deren Gnaden er abhängt, hat Ötsch zwar noch. Die staatliche Beteiligungsgesellschaft ÖIAG hält 43 Prozent der Anteile. Weitere 7,25 Prozent halten Finanzinstitute, die der ÖIAG nahestehen. Verkehrsminister Werner Faymann sagte der Zeitung "Österreich" am Sonntag: "Die Aua muss unbedingt österreichisch bleiben." Doch den Patriotismus will sich die Politik nichts kosten lassen. Die finanzielle Situation der Aua, sagte Faymann, sei "sehr besorgniserregend". Die Opposition in Wien fordert bereits offen die Ablösung von Ötsch. Er und Aua-Aufsichtsratschef Peter Michaelis seien für das Scheitern des nun endgültig geplatzten Einstiegs des saudi-arabischen Milliardärs Mohammed Al Jaber verantwortlich, hieß es.

Dass Ötsch einen anderen strategischen Investor als Al Jaber findet, der die staatlich verordnete Nischenstrategie unterstützt und sich mit einem Minderheitsanteil von 20 Prozent zufriedengibt, ist eher unwahrscheinlich. Vor dem Hangar stehen zwar die führenden Fluglinien Europas. Lufthansa etwa würde sich der kleinen Schwester im Süden, mit der sie seit Jahren im Luftfahrtbündnis Star Alliance kooperiert, aber nur annehmen, wenn sie das Sagen hätte. Dafür fehlen jedoch bisher von österreichischer Seite Akzeptanz und Bekenntnis. Ötsch und Politik halten an ihrer Strategie fest - jedenfalls vorläufig und offiziell.

Um den Posten hatte sich Ötsch vor zwei Jahren nicht gerissen. Aus dem Aua-Aufsichtsrat wechselte der damals 53-Jährige im April 2006 in den Vorstand - auf Bitten und Betteln höchster Kreise und nach bitteren Erfahrungen bei Siemens. Der Branchenfremde scherte sich nicht um die in der Luftfahrt geltenden Gesetze der Größe. Die Nischenstrategie schlug Ötsch selbstbewusst ein und verfolgte diese konsequent: Er strich das Streckennetz zusammen, konzentrierte sich auf die Wachstumsregion Osteuropa und knüpfte Kontakte in die Golfregion.

Doch der Auftrieb der Aua war nur von kurzer Dauer. Das Geschäftsjahr 2007 endete mit einem Achtungserfolg. Mit einem Jahresergebnis von 3,3 Mill. Euro schrieb die Gesellschaft erstmals seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen. Im ersten Quartal 2008 riss der hohe Ölpreis die mit einem Jahresumsatz von 2,55 Mrd. Euro im Verhältnis zu den führenden Fluggesellschaften Europas, Air France-KLM und Lufthansa, kleine Fluglinie aber wieder in die Miesen.

So war die Sanierung beileibe kein Sonntagsflug, denn die börsennotierte Aua gehört zudem zu jener Hand voll österreichischer Unternehmen, bei der der Staat noch das Sagen hat. Für jeden Sanierungsschritt muss Ötsch einen Antrag einreichen. Und eine weitere Privatisierung, die neuen Großaktionären mehr Spielraum einräumte, steht nicht auf der Agenda der rot-schwarzen Regierungskoalition in Wien.

Mit Al Jaber an Bord hätte Ötsch aber auch diese Klippen umschifft. Der Saudi hätte das notwendige Geld mitgebracht, sich zugleich mit einem Anteil von 20 Prozent begnügt und seine Kontakte in den Wachstumsmarkt Golfregion spielen lassen können.

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