0 Bewertungen
20.02.2008 

Eine „Kricket-Klub-Atmosphäre“ bescheinigt ein langjähriger Kenner dem Konzern. Ein Anglo-Manager wird nicht gefeuert, er bleibt als Berater im Klub.

Damit räumt Carroll schon mal als Erstes auf. Sie drückt den angesehenen und mächtigen Chef der hochprofitablen Platin-Sparte, Ralph Havenstein, nebst weiteren Direktoren aus dem Konzern. Eine Unfallserie mit einer Reihe von Toten in den südafrikanischen Minen gibt ihr den Anlass. Sie geht sogar noch weiter und schließt die Bergwerke vorübergehend, um die Sicherheitsstandards für die 30 000 Arbeiter zu verbessern. Das kostet bares Geld, doch Carroll beteuert, dass sich kein Anleger bei ihr beschwert habe. „Damit hat sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, sagt der Bergbauingenieur und Fondsmanager Heye Daun, „sie hat ihre Autorität demonstriert und eine unnötige Führungsebene beseitigt.“ Die Zeiten, in denen die Sparten sehr unabhängig von der Zentrale arbeiteten, sind vorbei. Carroll will aus Anglo American einen modernen, straff geführten Minenkonzern à la BHP Billiton oder Rio Tinto formen.

Im Gegensatz zu ihrem oft arrogant wirkenden Vorgänger Tony Trahar tritt die neue Chefin anteilnehmend, spontan und offen auf. „Sie ist eine sehr warme Person, aber bestimmt nicht weich“, schildert Daun seine Eindrücke aus einem Investorengespräch. In Konferenzen und Interviews wirkt sie natürlich und unkompliziert, zieht oft ihren Mund zu einem breiten Lachen auseinander.

Nicht nur die Anleger bekommen ihre Charmeoffensive zu spüren, auch die südafrikanische Regierung, zu der Anglo ein traditionell schwieriges Verhältnis hat. Carroll verzichtet auf öffentliche Kritik an der Wirtschaftspolitik und sucht das Gespräch. Auf einer afrikanischen Bergbau-Konferenz lobte sie jüngst das Potenzial des Kontinents: „Afrikas Zeit ist gekommen“, schloss sie ihren Vortrag. Das hören Politiker gerne. Auch vor einem Kooperationsvertrag mit China scheute sie nicht zurück. Hauptziel: gemeinsame Projekte in Afrika.

„Ich habe meine ganze Karriere lang in männerdominierten Umgebungen gearbeitet“, sagt Carroll, „erst Öl, dann Aluminium.“ Sie weiß mit der anfänglichen Skepsis umzugehen: „Nach ein paar Monaten geht es nur noch um Leistung.“ Oft habe sie gehört, sie sei zu jung oder habe nicht die nötige Erfahrung, aber – „ich habe nie gedacht, dass ich irgendetwas nicht schaffen könnte“. Auf jeden Fall hat sie sich vorgenommen, mehr Frauen zu Anglo zu holen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Werdegang per Zufall.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Zu spät, zu teuer  Artikel in Merkliste

09.10.2008 von Eric Bonse

Man muss ein unerschütterlicher Optimist sein, um noch an die Zukunft des europäischen Satellitensystems Galileo zu glauben. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Jenseits der Panik  Artikel in Merkliste

08.10.2008 von Frank Wiebe

Zugegeben, es fällt schwer, das berühmte Licht am Ende des Tunnels oder Silberstreifen am Horizont zu entdecken. Selbst eine Hilfsaktion der Notenbanken und Regierungen kann die Märkte nur mit Mühe wenigstens zeitweise beruhigen. Dennoch: In einigen Jahren werden rückblickend vielleicht feststellen, dass in diesen Tagen die Wende zum Guten ihren Anfang nahm. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Werbesprüche-Quiz: Auf Kundenfang mit dem Wir-Gefühl

Los geht's!Seit 1990 ist „Wir“ das wichtigste Wort in der Werbesprache. Wissen Sie, wer noch mit dem Sinn für Gemeinschaft auf Kundenfang geht?
Testen Sie Ihr Wissen!
Anzeige