Ins Rohstoffgeschäft kommt sie eher per Zufall. Eigentlich interessiert sie sich wenig für Naturwissenschaften und will Kunstgeschichte und Sprachen studieren. Im College belegt sie Geologie gleich im ersten Jahr, um den Pflichtanteil Naturwissenschaft hinter sich zu bringen. Doch das Fach fasziniert sie, und sie wählt sogar einen sommerlichen Praxiskurs in Montana. Das weckt ihre Leidenschaft, und sie wechselt komplett zur Geologie.
Als Erstes arbeitet sie dann auch als Öl-Geologin bei dem später von BP übernommenen US-Konzern Amoco. Nach neun Jahren schiebt sie noch einen MBA in Harvard ein und heuert anschließend beim Aluminiumriesen Alcan an.
Trotz ihrer steilen Karriere dort sieht sie sich nicht als Workaholic. „Ich würde nicht rund um die Uhr arbeiten, wenn mir das keinen Spaß machte.“ Um ihre vier Kinder, drei Mädchen und einen Sohn, kümmert sich ihr Mann, ein Finanzmanager. Er hat nach der Geburt des vierten Kindes aufgehört zu arbeiten – damals zog die Familie gerade von Irland nach Kanada um. Im vergangenen Sommer ist sie nach London gewechselt. „Ich habe einen wundervollen Ehemann“, sagt sie. „Er unterstützt mich sehr, wir arbeiten als Team.“ Ihr Leben sei sehr ausgewogen, findet Carroll, die gerne Kajak und Ski fährt und außerdem Nähen als Hobby angibt.
„Ich bin von Natur aus Optimist. Es liegt mir nicht, mir Sorgen zu machen“, beschreibt sie ihre Grundhaltung. Den Optimismus wird sie brauchen, wenn sie am heutigen Mittwoch Analysten und Journalisten ihre erste Jahresbilanz präsentiert. Bestimmt werden sie fragen, ob Anglo im Fusionsreigen den Anschluss verliert. Sollten die Konkurrenten BHP und Rio Tinto sowie Vale und Xstrata zusammenfinden, dann wäre der Abstand zu den neuen Giganten gewaltig groß.
Anglo American
Die Managerin
1956 Cynthia Carroll wird im US-Bundesstaat Pennsylvania geboren. Sie studiert ab 1974 am Skidmore College in New York, ab.
1979 an der University of Kansas.
1982 Sie schließt mit einem Masters in Geologie ab und arbeitet beim Ölkonzern Amoco.
1989 Sie macht in Harvard ihren MBA und geht zum kanadischen Aluminiumkonzern Alcan.
1996 Carroll wechselt nach Irland und leitet dort die Tochterfirma Aughinish Alumina.
2002 Sie wird Chefin der Sparte Alcan Primary Metal.
2007 Sie wechselt am 1. Januar zu Anglo American und übernimmt zum 1. März die Führung.
Das Unternehmen
Anglo American ist gemessen an der Produktion der drittgrößte Bergbaukonzern der Welt. Im Jahr 2006 hat er bei 39 Milliarden Dollar Umsatz knapp zehn Milliarden Dollar operativen Gewinn erzielt.
1917 Der hessische Emigrant Ernest Oppenheimer gründet die Firma mit einer Million Pfund Kapital, um die Goldvorkommen bei Johannesburg auszubeuten.
1926 Anglo wird Hauptaktionär beim Diamantenkonzern De Beers. Oppenheimer expandiert in den Kupfer- und Platinbergbau, später auch in Kohle und Chemie.
1961 Der Kauf von Hudson Bay Mining ist der erste Schritt ins Ausland. Es folgen Zukäufe in Lateinamerika und die Expansion in Industrien wie Stahl und Papier.
1999 Anglo verlagert den Konzernsitz nach London und baut das weitverzweigte Reich um. Es folgen Verkäufe für neun Milliarden und Zukäufe für 15 Milliarden Dollar. Später als andere Minenkonzerne besinnt sich Anglo auf das Kerngeschäft und stößt Randbereiche wie Stahl und Papier ab.
2007 Cynthia Carroll folgt Tony Trahar an der Spitze des Konzerns. Sie muss den Umbau vollenden und neues Wachstum im Minengeschäft finden.
