Ändern wird dies sein Nachfolger kaum. „Wenn ich jetzt plötzlich etwas ganz anderes aus der Tasche zöge“, sagt Erich Harsch, „müsste ich mich zu Recht fragen lassen, was ich in den letzten 16 Jahren mitentschieden habe.“ So lange nämlich sitzt er schon in der aktuell achtköpfigen Geschäftsführung der Drogeriemarktkette, die letzten vier Jahre davon als Stellvertreter Werners. Auch Betriebsratschefin Kirsten Gruel ist sich sicher: „Harsch ist jemand, der sich für die Mitarbeiter Zeit nimmt.“
Der Aufstieg beschert Harsch dennoch eine schwere Bürde. Ab sofort wird er es sein, der dem Aufsichtsrat Rede und Antwort steht. Keine leichte Aufgabe – schließlich hat dort nicht nur Götz Werner das Sagen, auch Mitgesellschafter Günther Lehmann regiert mit. Beide Teilhaber, denen die Kette jeweils zur Hälfte gehört, handeln ihre Streitigkeiten bisweilen vor Gericht aus.
Was für Harsch die Sache nicht einfacher macht: Über die Geschicke des Unternehmens wacht im Kontrollgremium auch Götz Werners Sohn Christoph. Den 35-Jährigen sähe der Vater gerne auf einem operativen Führungsposten bei dm. Gerüchte, denen zufolge es den Filius ins Unternehmen drängt, halten sich in der Zentrale hartnäckig – zumal sich in zwei Jahren Geschäftsführer Michael Kolodziej in den Ruhestand verabschiedet. Die erste Geige wird Erich Harsch dann tapfer verteidigen müssen.
Wäre da nicht die Aktiengesellschaft als Rechtsform für dm der passende Schutz, um zu verhindern, dass Familienmitglieder täglich ins Geschäft hineinreden? „Der kurze Draht zum Aufsichtsrat ist von den Gesellschaftern gewollt“, begründet Harsch das Festhalten an der GmbH. Auch einen Börsengang lehnt er ab. „Wir wollen selbstbestimmt bleiben und nicht die Gewinn- vor die Kundenorientierung stellen.“
Dass man zuletzt bei aller Kundenorientierung auch den Gewinn kräftig nach oben geschraubt hat, scheint dem Unternehmen peinlich zu sein. Dm habe „sein stabiles Renditeziel von einem Prozent gut erreicht“, berichtete Geschäftsführer Marco Mescoli vor einigen Wochen vage. Der Blick in den Geschäftsbericht, der dem Handelsblatt vorliegt, entlarvt dies als deutliche Untertreibung. Bezogen auf das Betriebsergebnis, blieb den Drogeriemärkten schon 2006 eine Rendite von 3,1 Prozent. Selbst die Gewinnmarge lag bei 2,3 Prozent.
Persönlich nützen die guten Ergebnisse dem neuen Geschäftsführungsvorsitzenden erstaunlich wenig. Der Geschäftsbericht 2006 lässt für ihn auf eine künftige Vergütung schließen, die kaum über 600 000 Euro liegt. Dass Karstadt-Chef Peter Wolf das Dreifache und Douglas-Lenker Henning Kreke zuletzt das Doppelte verdiente, bringt Harsch aber nicht aus der Ruhe. „Wir wollen den Abstand zu unseren Kolleginnen und Kollegen nicht zu groß werden lassen“, sagt er und ergänzt: „Langfristig zahlt sich das aus.“ Und für 13 Tage USA reicht es allemal.
