Unter ihrer Führung ist die KfW wieder politischer geworden. Anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus sagte sie: „Zwischen nachhaltiger Armutsbekämpfung und Friedenssicherung besteht ein direkter Zusammenhang. Die von Professor Yunus entwickelte Idee der Mikrofinanzierung ist einer der wichtigsten Förderansätze für die Bekämpfung von Armut und für die Entwicklung von Wohlstand.“
Solche Statements hätte es unter ihrem Amtsvorgänger Hans W. Reich kaum gegeben. Er hatte die Bank immer als Taktgeber für den Finanzplatz Deutschland gesehen und sich selbst als Innovator für die Kreditwirtschaft verstanden. Dritte-Welt-Themen kamen vor, allerdings nur am Rande. Reich fühlte sich auf dem internationalen Parkett wohl und konnte auf ein globales Netzwerk von Top-Bankern setzen, Matthäus-Maier wird dagegen immer bemüht sein, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Über 20 Jahre war „MM“ im Bundestag, die meiste Zeit davon im Finanzausschuss. Sie war die gefürchtete Gegenspielerin von CSU-Finanzminister Theo Waigel und für die Spitzenposten im Ministerium und der Bundesbank im Gespräch. Die Zeit hat sie bis heute geprägt. Wenn Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Rande einer Mittelstandsinitiative die Steuerlast in der Kreditwirtschaft beklagt, pflichtet sie ihm bei, räumt aber gleichzeitig ein, dass die Steuerpolitikerin in ihr das wohl anders sehen würde. Wegbegleiter bezeichnen die frühere Atomkraftgegnerin als mutig, zielstrebig und in Berlin unverändert gut verdrahtet. Das half ihr im Machtkampf um den KfW-Chefposten Ende 2005.
Der Wechsel an der KfW-Spitze sollte eigentlich geräuschlos verlaufen, stattdessen fand er mit viel Getöse statt. Während die Union Reich halten wollte, pochte die SPD auf den Wechsel. Matthäus-Maier wurde von den Gegnern als Politikerin dargestellt, die vom Bankgeschäft kaum Ahnung hat. „Ich hätte mich deutlicher wehren müssen“, sagt sie. Schließlich ist sie schon seit sieben Jahren im Vorstand der KfW, kennt fast jedes Detail der Förderprogramme. Privat konnte sich „MM“ während ihrer Karriere auf ihren Ehemann, den Diplom-Mathematiker Robert Maier, verlassen. Er hielt ihr den Rücken frei und kümmerte sich um die beiden Kinder, die heute erwachsen sind. Matthäus-Maier fährt gerne mit dem Fahrrad zu ihrem Arbeitsplatz. Als eine der ersten Amtshandlungen hat sie die Parkmöglichkeiten für Fahrräder vor der Zentrale am Palmengarten verbessern lassen. Doch bei aller Volksnähe sollte keiner übersehen, dass niemand als reiner Gutmensch an die Spitze der KfW kommt. „Ich kann versichern, dass Frau Matthäus-Maier nicht nur Nehmerqualitäten hat“, sagt ein Mitarbeiter.
Baustellen der Förderbank
Expansion: Die KfW-Bankengruppe würde gerne die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn bei Frankfurt unter ihre Fittiche nehmen. Damit würde die deutsche Förderung in den Entwicklungsländern aus einer Hand von den Bankern in Frankfurt gesteuert. Die politische Diskussion darüber hält an.
Mittelstand
Die KfW bietet bei ihren Förderkrediten, die von den Geschäftsbanken durchgeleitet werden, keinen Einheitszins mehr an. Noch ist unklar, ob vor allem die kleinen Firmen durch die „risikoadäquate Bepreisung“ langfristig die Zeche zahlen werden. Bei Gründungsfinanzierungen sollen die Banken ganz vom Ausfallrisiko befreit werden.
Export
Nach einer Verständigung mit der EU wird die kommerzielle Export- und Projektfinanzierung in die Ipex-Bank ausgegliedert, die sich mit privaten Banken messen muss. Die Umorganisation soll bis Ende 2007 bewältigt werden, zahlreiche aufsichtsrechtliche Probleme müssen noch gelöst werden, bevor die Ausgliederung umgesetzt werden kann.