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10.07.2006 
Piaggio-Chef ist ein harter Arbeiter

„Be happy and drive the Vespa“

von Katharina Kort, Mailand

Roberto Colaninno, President der italienischen Piaggio-Gruppe.Lupe

Roberto Colaninno, President der italienischen Piaggio-Gruppe.

„Unsere Produkte lassen noch träumen“, findet Roberto Colaninno. Er sagt dies ohne jegliche Emotion in der Stimme, so als spräche er über etwas Nüchternes wie den Gewinn vor Steuern.

Doch es geht an diesem Juni-Vormittag im vornehmen Mailänder Four-Seasons-Hotel darum, für einen Mythos zu werben: die Vespa. Colaninno ist auf Werbetour für den Börsengang des berühmten italienischen Rollerherstellers Piaggio. Aber der Firmenchef lässt wenig Platz für Emotionen. Der Mann mit den grauen Haaren, dem grauen Anzug und der dunklen Krawatte sitzt da im Saal auf einem tristen Podium, redet langsam und ruhig.

Colaninno wird nicht umsonst „Ragioniere“ – Buchhalter – genannt. Er steht im deutlichen Kontrast zu den sonst so auf Show bedachten italienischen Firmenchefs.

Aber auch für den Industriellen, der über seine Immsi-Beteiligungsgesellschaft Piaggio kontrolliert und den angeschlagenen Rollerhersteller in weniger als drei Jahren wieder auf die Räder gebracht hat, ist bald Showtime. Am morgigen Dienstag sollen die Aktien zum ersten Mal an der Börse gehandelt werden.

Er ist damit der Erste in diesem Jahr, der die Rückzugsserie unterbricht. Seit Jahresbeginn haben sechs italienische Unternehmen ihren Börsengang abgesagt, darunter auch die Pirelli-Reifentochter Pirelli Re und die Telekom-Unternehmen Tre Italia und Italtel. Colaninno hat dagegen für Piaggio genügend Nachfrage gefunden, wenn auch der Ausgabe-Preis mit 2,30 Euro je Aktie am unteren Ende der Preisspanne liegt.

Aufgefallen ist der kräftige 62-Jährige der italienischen Öffentlichkeit zum ersten Mal vor zehn Jahren. Damals übernahm er die Führung bei Olivetti, sanierte den angeschlagenen Computerhersteller innerhalb weniger Jahre und krempelte ihn zu einer Finanzholding für die IT- und Telekomindustrie um. Trotz seines eher nüchternen Auftretens: Bescheiden war Colaninno noch nie. So durchkreuzte er 1999 die Pläne des Deutsche-Telekom-Chefs Ron Sommer und übernahm mit einem Gegenangebot die sechsmal größere Telecom Italia.

Allerdings währte seine Zeit an der Spitze nur zwei Jahre. Dann wechselte das Unternehmen 2001 erneut den Eigentümer und wurde von Marco Tronchetti Proveras Pirelli übernommen. Provera setzte Colaninno vor die Tür.

„Telecom Italia war eine Nummer zu groß für ihn und auch nicht sein Metier“, sagt ein Branchenbeobachter, der Colaninno als „eine der schillerndsten Persönlichkeiten der italienischen Unternehmenswelt“ beschreibt. Der aus dem Städtchen Mantua stammende Piaggio-Chef ist ein harter Arbeiter wie viele in der Lombardei. Und obwohl er dezent auftritt, könne er durchaus cholerisch sein, sagt ein Ex-Mitarbeiter.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Abschied von Telecom Italia wurde großzügig versüßt

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