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24.12.2008 
Nach Streit

Bernd Kundrun: Aus bei Bertelsmann

Im Streit mit Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski hat der Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr, Bernd Kundrun, sein Vorstandsamt bei Bertelsmann niedergelegt. Kundrun habe seine Entscheidung am Dienstagabend mit sofortiger Wirkung mitgeteilt, sagte ein Bertelsmann-Sprecher am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Bernd Kundrun wollte bereits zu Pro Sieben Sat1 wechseln, nun folgt der Rücktritt bei Bertelsmann. Foto: dpaLupe

Bernd Kundrun wollte bereits zu Pro Sieben Sat1 wechseln, nun folgt der Rücktritt bei Bertelsmann. Foto: dpa

HB HAMBURG/GÜTERSLOH. Den Vorstandsvorsitz von Gruner + Jahr habe Kundrun nicht niedergelegt.

Bertelsmann ist an Gruner + Jahr, dem in Hamburg ansässigen größten Zeitschriftenverlag Europas (“Stern“, „Brigitte“), mit 74,9 Prozent beteiligt. Im Bertelsmann-Vorstand saßen bisher neben Ostrowski und Kundrun auch Thomas Rabe (Finanzen), Rolf Buch (Arvato), Gerhard Zeiler (RTL) sowie Markus Dohle (Random House).

In dem seit langem schwelenden Streit zwischen dem Gruner + Jahr-Management und dem Vorstand der Muttergesellschaft Bertelsmann geht es nach Darstellung aus Hamburger Vorstandskreisen um Investitionsmittel, die aus Gütersloh nicht in ausreichender Höhe zur Verfügung gestellt worden seien. Kundrun hatte darauf bereits vor zwei Jahren hingewiesen. Damals hatten die Bertelsmann-Eigner um die Familie Mohn Firmenanteile des Minderheitsaktionärs Groupe Bruxelles Lambert (GBL) für 4,5 Mrd. Euro zurückgekauft und damit die Investitionsmöglichkeiten des Konzerns eingeschränkt.

Kundrun sei nicht länger gewillt, große Beträge aus der Zeitschriftensparte an die Muttergesellschaft in Gütersloh abzuführen. In den vergangenen fünf Jahren hätten sich diese Beträge auf eine Milliarde Euro summiert, hieß es aus seinem Umfeld. Gruner + Jahr müsse jetzt angesichts der Medienkrise die Hand für Investitionen freihaben. Dafür benötige der Verlag die entsprechenden Mittel.

In Vorstandskreisen bei Bertelsmann wird diese Darstellung als Ablenkungsmanöver gewertet. Kundrun hatte im eigenen Haus wegen Sparmaßnahmen nach Anzeigeneinbrüchen massiv umstrukturieren müssen. Dem Sparprogramm fiel eine Zeitschrift zum Opfer, die Wirtschaftstitel werden in einer Zentralredaktion unter Führung der „Financial Times Deutschland“ gebündelt. Es war ferner bekannt geworden, dass Kundrun während der Zeit der Personalkürzungen in seinem Verlagshaus selbst Gespräche über einen Wechsel in den Vorstandsvorsitz von ProSiebenSat.1 Media geführt hatte. Die Münchner Senderkette ist in Deutschland Hauptkonkurrent der Bertelsmann-Tochter RTL.

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