0 Bewertungen
10.03.2008 
Continental

Bewährungsprobe für den Kronprinzen

von Mark C. Schneider

Contis Finanzchef Alain Hippe genießt einen exzellenten Ruf. Er gilt als kenntnisreich und äußerst zuverlässig. Jetzt bereitet sich auf höhere Aufgaben vor. Hippe übernimmt das Reifenressort und die Tech-Sparte – und stärkt seinen Anspruch auf den Chefsessel.

Alan Hippe, Finanzvorstand der Continental AG. Foto: PRLupe

Alan Hippe, Finanzvorstand der Continental AG. Foto: PR

DÜSSELDORF. „Ich glaube nicht an die derzeitige Weltuntergangsstimmung.“ Nur wenige Wochen ist es her, dass Alain Hippe diesen Satz sagte. Und nachschob: „Aber wir bereiten uns auf alle Fälle vor.“ Der Finanzvorstand des Autozulieferers Continental hatte Ende Februar gerade mit Konzernchef Manfred Wennemer Rekordzahlen für 2007 präsentiert, als ihn das „Handelsblatt“ nach den Folgen der Kreditkrise und der Rezessionsangst in den USA befragte. Wir bereiten uns auf alles vor – das Motto gilt auch für Hippe selbst.

Nun bereitet sich der 41-Jährige Hippe auf den Sprung an die Spitze von Continental vor. Zum 1. April überlässt Wennemer, der in diesem Jahr 61 Jahre alt wird, dem Aufsteiger die Führung der PKW-Reifensparte und damit die Keimzelle des Dax-Konzerns. Erst seit sechs Jahren ist der geborene Darmstädter Hippe bei Conti in Hannover – und hat es schon zum Kronprinzen gebracht.

Die Bedeutung des Reifen-Ressorts lässt sich schon allein daran ermessen, dass es der Vorstandschef bisher persönlich verantwortete. Das Geschäft mit den Reifen ist ein stabiler Cash-Bringer. „Das hat die Übernahme von VDO und die damit verbundene Milliardenverschuldung erst möglich gemacht“, sagt Autoanalyst Horst Schneider von HSBC.

Damit nicht genug: zum 1. Oktober übernimmt Hippe auch noch die Sparte ContiTech. Deren Chef Gerhard Lerch verlässt dann aus Altersgründen den Vorstand. Der Bereich stellt Spezialschläuche und -systeme her. Bis ein Nachfolger für Hippe gefunden ist, führt der Kronprinz parallel das Finanzressort. „Jetzt muss Hippe zeigen, was er operativ kann“, heißt es in Kreisen des Conti-Aufsichtsrates. „Ist er erfolgreich, winkt ihm der Posten des Vorstandschefs.“

Das lange defizitäre US-Reifengeschäft darf Zahlenmann Hippe schon seit knapp drei Jahren betreuen – und hat es endlich profitabel gemacht. Bei Anlegern und Analysten hat der promovierte Betriebswirt einen exzellenten Ruf, kenntnisreich und äußerst zuverlässig. Verwundert hat die Finanzgemeinde nur, dass ausgerechnet Hippe und Wennemer vergangenes Jahr nach einer Kapitalerhöhung zur Finanzierung des VDO-Deals in großem Stil eigene Aktien verkauften. Die Vorstände seien wegen des Aktien-Optionsprogramms des Konzerns an Fristen gebunden, erläuterte ein Conti-Sprecher.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hippe konnte die Talfahrt der Conti-Aktie nicht verhindern

Trotz des Vertrauens der Märkte konnte der stets elegant auftretende Hippe die Talfahrt der Conti-Aktie nicht verhindern. Das Papier verlor im Vergleich zu seinem Höchststand von fast 110 Euro kurz vor Bekanntgabe der Übernahme von VDO Ende Juli 2007 mehr als 40 Prozent seines Wertes. Für Analysten ist die hohe Verschuldung von Conti der Grund.

„Unsere Aktie schneidet nicht schlechter ab als der Markt“, hält Hippe dagegen. Immerhin: Die Zahlen 2007 und der Ausblick für dieses Jahr zeigen, dass Conti mit der Integration von VDO schneller vorankommt als befürchtet.

Als Hippes stärksten Rivalen um Wennemers Nachfolge – dessen Vertrag läuft bis 2011 – nennen Aufsichtsratskreise den smarten Technikvorstand Karl-Thomas Neumann. Der versorgt den Vorstand um den Mathematiker Wennemer mit Branchen-Expertise und treibt derzeit die Hybrid-Technologie voran – in die hat Conti über 100 Millionen Euro investiert. Parallel leitet er die Schlüsselsparten Chassis & Safety (Fahrwerk und Fahrsicherheit) sowie Powertrain, die sich mit Motorensteuerung, Einspritzung und Getrieben befasst.

Das Nachsehen hätte Heinz-Gerhard Wente. Der Personalchef muss die undankbarste Seite der VDO-Übernahme managen: den Jobabbau. Ende Februar hatte Conti angekündigt, 2 500 Arbeitsplätze zu streichen. Auch weitere Werksschließungen schließt Wennemer nicht aus.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Maschinenbau unter Druck  Artikel in Merkliste

01.12.2008

Mit dem Auftragseinbruch bei den Maschinenbauern gibt es ein neues Panikszenario. Nach Autobauern und Banken packt die Finanzkrise nun also die nächste Branche; und dann auch mit den Anlagen- und Maschinenherstellern den Industriezweig, der wie kein anderer als Garant für Deutschlands Titel „Exportweltmeister“ steht. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

O'Learys Ego-Trip  Artikel in Merkliste

01.12.2008 von Dirk Heilmann

Er gibt nicht auf: Ryanair-Chef Michael O’Leary greift erneut nach der gerade privatisierten irischen Fluglinie Aer Lingus. Dass O’Leary dabei wirklich rationale Gründe treiben, darf allerdings bezweifelt werden. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige