0 Bewertungen
26.03.2008 
Maurizio Borletti

Bravo Ragazzo

von T. Kness-Bastaroli und C. Schlautmann

Er stammt aus einer der bekanntesten Mailänder Unternehmerdynastien und hat einen großen Traum: Maurizio Borletti will einen europäischen Kaufhauskonzern schaffen. Deshalb hat der Italiener nun auch den Kaufhof im Visier, von dem sich die Metro trennen will.

Sicht auf die Fassade des Warenhauses Kaufhof am Alexanderplatz in Berlin. Foto: apLupe

Sicht auf die Fassade des Warenhauses Kaufhof am Alexanderplatz in Berlin. Foto: ap

MAILAND/DÜSSELDORF. „Maurizio“ lesen die Gäste auf seinem schlichten Namensschild, als der Aufsichtsratschef im Mai 2005 sein renoviertes Kaufhaus La Rinascente vis à vis des Mailänder Doms eröffnet. Nur der maßgeschneiderte Anzug verrät, dass es sich bei dem jugendlich wirkenden Herrn nicht um einen Musterverkäufer handelt.

Den akademischen Titel verschweigt das Kärtchen am Revers ebenso wie den renommierten Familiennamen: Borletti. Denn der auf Understatement bedachte Kaufhauslenker, der an diesem Abend den Gästen aus Hochfinanz wie Modewelt freundlich die Hand schüttelt, ist der Urenkel einer der bekanntesten Mailänder Gründerfamilien. Schon im 19. und 20. Jahrhundert schrieb sie Wirtschaftsgeschichte. Textilproduktion, Chemie, Versicherungen, Automobilbau und Verlage – in kaum einer Branche haben sich die Borlettis seit 1867 nicht einen Namen gemacht. Es wurde gekauft, verkauft – und vor allem das Vermögen vermehrt.

Schon bald könnte der vierte Spross des Mailänder Industriellen Ferdinando Borletti auch in Deutschland Wirtschaftsgeschichte schreiben. Der 40-jährige Betriebswirt verhandelt nämlich nicht nur mit dem Essener Arcandor-Konzern über ein Zusammengehen mit dessen Karstadt-Warenhäusern. Borletti hat offenbar auch ein Auge auf den Wettbewerber Kaufhof geworfen. „Wir könnten als Borletti Group am Kaufhof interessiert sein“, sagte er dem Handelsblatt. Schließlich kenne er den deutschen Markt.

Der Italiener könnte so zum Katalysator der wohl letzten deutschen Warenhausfusion werden. Sie wäre ganz nach dem Wunsch von Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. Der nämlich erhofft sich durch die Fusion mit Kaufhof Synergien bis zu 400 Millionen Euro. Er kann den Kauf aber alleine nicht stemmen. Ein Investor wie Borletti, der sich mit einer Minderheit am fusionierten Warenhauskonzern beteiligt, käme den Essenern daher wie gerufen.

Mauizio Borletti, der mit einer Amerikanerin verheiratet ist und ständig zwischen London, Paris und Mailand pendelt, bastelt längst an einem noch viel größeren Ziel: einer europäischen Warenhauskette. Schon vor drei Jahren griff er gemeinsam mit anderen Investoren nach dem Mailänder Warenhauskonzern Rinascente. Anschließend kaufte er sich beim Pariser Warenhauskonzern Printemps ein. Dort hält er zwar nur vier Prozent der Kapitalbeteiligung, während der Löwenanteil bei einem Immobilienkonsortium der Deutschen Bank liegt. Als Aufsichtsratschef hat er dennoch das Sagen.

Der in der Mailänder Geschäftswelt wegen seiner gepflegten und höflichen Umgangsart als „bravo ragazzo“ (guter Junge) bekannte Top-Manager ist keineswegs zu unterschätzen. Einmal gesetzte Ziele verliert er nicht aus den Augen. Das zeigt er während seiner Zeit an der Mailänder Elite-Universität Bocconi, als er während des Studiums zwei Start-ups gründet. Und das beweist er kurz danach, als er mit nur 25 Jahren von seinem Cousin Albert Bouihet die angeschlagene französische Silberschmiede Christofle übernimmt – und in wenigen Jahren von Grund auf saniert. Berüchtigt ist in Geschäftskreisen seine Überredungskunst. Ohne sie, heißt es, wäre Borletti wohl kaum der Erwerb der französischen Kaufhauskette Le Printemps gelungen. Sein größter Konkurrent ist damals schließlich kein Geringerer als die Galeries Lafayette.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Borletti greift durch

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Zu spät, zu teuer  Artikel in Merkliste

09.10.2008 von Eric Bonse

Man muss ein unerschütterlicher Optimist sein, um noch an die Zukunft des europäischen Satellitensystems Galileo zu glauben. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Jenseits der Panik  Artikel in Merkliste

08.10.2008 von Frank Wiebe

Zugegeben, es fällt schwer, das berühmte Licht am Ende des Tunnels oder Silberstreifen am Horizont zu entdecken. Selbst eine Hilfsaktion der Notenbanken und Regierungen kann die Märkte nur mit Mühe wenigstens zeitweise beruhigen. Dennoch: In einigen Jahren werden rückblickend vielleicht feststellen, dass in diesen Tagen die Wende zum Guten ihren Anfang nahm. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Werbesprüche-Quiz: Auf Kundenfang mit dem Wir-Gefühl

Los geht's!Seit 1990 ist „Wir“ das wichtigste Wort in der Werbesprache. Wissen Sie, wer noch mit dem Sinn für Gemeinschaft auf Kundenfang geht?
Testen Sie Ihr Wissen!
Anzeige