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16.02.2008 

Das haben Neelie Kroes viele in Brüssel nicht zugetraut. Noch 2004 drohte die Ernennung aller Kommissare an ihr zu scheitern. Denn das Europäische Parlament muss seine Zustimmung zu allen Kommissaren im Gesamtpaket geben. Und Kroes, die selbst aus einer Unternehmerfamilie kommt, warfen die Abgeordneten Parteilichkeit und fehlende Kompetenz vor.

Aber drei Jahre später hat Kroes das Gegenteil bewiesen: Ihr bekanntestes Opfer ist Microsoft. Den Software-Giganten will sie dazu bringen, anderen Herstellern notwendige Informationen über das Windows-Betriebssystem zu geben, um für mehr Konkurrenz zu sorgen. Im September feierte sie einen ihrer größten Erfolge. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg gab der Europäischen Kommission im Streit mit Microsoft recht. Das Bußgeld von rund 500 Millionen Euro sei rechtens.

Aber Neelie Kroes wertet das keineswegs als persönlichen Erfolg - zumindest in der Öffentlichkeit. "Ich feiere Bußgelder nicht als Triumph. Für mich ist nur wichtig, dass es für die Verbraucher Vorteile bringt", sagt die Kommissarin.

Sie mag es nicht, im Rampenlicht zu stehen. Nur selten gibt sie Interviews, und sogar Pressekonferenzen versucht sie zu vermeiden. Sie hält nichts von persönlicher Publicity: "Männer sind oft damit beschäftigt, sich öffentlich darzustellen, und vergessen darüber ihre eigentliche Arbeit. Ich will etwas bewegen."

Das ist für die Niederländerin schon sehr früh klar. Ein Leben als "Hausfrau und Mutter" kommt für sie nicht infrage. Ihr Vater baut nach dem Zweiten Weltkrieg ein Unternehmen auf, ihre Mutter kümmert sich um die Kinder. "Das wollte ich nicht. Ich wollte auf eigenen Beinen stehen. Deshalb habe ich Wirtschaftswissenschaften studiert." Nebenher jobbt sie. "Ich musste immer kämpfen in meinem Leben - auch gegen die Übermacht der Männer. Das hat mich stark gemacht."

Früh tritt sie der rechtsliberalen Partei VVD bei, wird mit 28 Jahren Abgeordnete in Rotterdam, dann Verkehrsministerin. Gleichzeitig gehört sie Aufsichtsräten an. "Lange Zeit war ich es gewohnt, die einzige Frau zu sein in einer Organisation. Da bleibt dir nichts anderes übrig, als den Regeln der Männern zu folgen." Schon während ihrer Zeit als Politikerin in den Niederlanden erwirbt sich Kroes den Spitznamen der "Nickel-Neelie", die holländische Version der "eisernen Lady". Sie setzt zum Beispiel die umstrittene Liberalisierung von Post und Telekom durch.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: "Ich finde nicht, dass Sie gut angezogen sind"

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